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Politthriller: Keine Gewehre für gewissenlose Abgeordnete

Von Jessica Chastain spielt in John Maddens Film eine Interessenvertreterin, die erst für die Waffenindustrie arbeitet, dann aber gegen sie antritt.
Elizabeth Sloane (Jessica Chastain, vorne) wechselt mit ihren Mitarbeitern aus der Anwaltskanzlei auf die Gegenseite und verlangt schärfere Waffengesetze vom Kongress. Foto: - (Universum Film) Elizabeth Sloane (Jessica Chastain, vorne) wechselt mit ihren Mitarbeitern aus der Anwaltskanzlei auf die Gegenseite und verlangt schärfere Waffengesetze vom Kongress.

Regisseur John Madden („Shakespeare in Love“) bedient die allgemeine Politikverdrossenheit. In seinem geschwätzigen Drama sind die Volksvertreter in Washington gewissenlose Marionetten, die von Lobbyisten gesteuert werden. Eine dieser Strippenzieherinnen im Hintergrund ist Elizabeth Sloane (Jessica Chastain). Als Chef-Strategin der Anwaltskanzlei George Dupont wird sie aktiv, wenn die Einflussnahme auf einen Abgeordneten nötig erscheint. Dabei schreckt Miss Sloane weder vor Bestechung, noch Bespitzelung zurück. Die rothaarige Ränkeschmiedin spinnt ihre Intrigen mit einer derartigen Skrupellosigkeit, dass selbst J.R. Ewing das Blut in den Adern gefrieren würde. Der „Dallas“-Fiesling hat wenigsten ab und zu gelacht – Elizabeth Sloane verzieht die grellrot geschminkten Lippen nicht mal zu einem kleinen Lächeln.

Der Eisblock auf Beinen gerät unter Feuer, als die Waffenlobby an die Tür der Kanzlei klopft und Sloane sich weigert, für die Gewehrschwinger Partei zu ergreifen. Stattdessen wechselt sie die Seiten und geht auf Stimmenfang für ein schärferes Waffengesetz. Ein schier aussichtsloser Kampf, der die Karrieristin gerade deshalb reizt. Doch in ihrem Engagement schießt sie über das Ziel hinaus und gerät ins Fadenkreuz der Justiz.

Verkommenes System

„Unser System ist verkommen“, sagt Miss Sloane vor Gericht und läutet damit ein Finale ein, das genauso aufgesetzt und klischeehaft ist wie die vorangegangenen zwei Filmstunden. Selbst Donald Trump hätte den Washingtoner Korruptionssumpf nicht so gnadenlos übertrieben schildern können wie Drehbuchautor Jonathan Perera, in dessen Skript es keine einzige moralisch integere Figur gibt – ausgenommen ein Call-Boy mit goldenem Herzen. Elizabeth Sloane entspricht dem Hollywood-Zerrbild einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Selbstherrlich, schnippisch, seelenlos, aber stilsicher gekleidet. Ein Privatleben besitzt sie nicht, von Sex-Treffen mit Escort-Männern abgesehen. Was die Dame zu ihren Handlungen motiviert, muss man erraten, weil keinerlei Hintergründe über ihren Charakter preisgegeben werden. Darum wirkt auch Sloanes letzter überraschender Schachzug vor Gericht in höchstem Maße unglaubwürdig.

Dass der Film nicht an der Unnahbarkeit seiner Hauptfigur scheitert, verdankt er allein Jessica Chastain, der es in bewundernswerter Weise durch kleinste Nuancen gelingt, das Interesse an einer durchweg unsympathischen Person aufrecht zu erhalten. Ihr zur Seite stehen mit John Lithgow, Mark Strong und Gugu Mbatha-Raw weitere gestandene Akteure, die dem Dialogfeuer in kühl ausgeleuchteten Geschäftsräumen etwas Spannung abringen können. Annehmbar

In folgenden Kinos

Frankfurt: Harmonie (D+OmU). Mainz: Cinestar

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