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Rockkonzert: Kiefer Sutherland: Knietief im Blues-Sumpf

Der kanadische Schauspieler Kiefer Sutherland ist nicht nur ein brillanter Kino- und TV-Darsteller. Er kann auch Musik machen, wie der Abend im Frankfurter „Gibson“ zeigte.
Ein Hoch auf den Whiskey! Den passenden Song lieferte Kiefer Sutherland bei seinem Frankfurter Auftritt gleich mit :„Not Enough Whiskey“. Foto: Sven-Sebastian Sajak Ein Hoch auf den Whiskey! Den passenden Song lieferte Kiefer Sutherland bei seinem Frankfurter Auftritt gleich mit :„Not Enough Whiskey“.

So einen riesigen Cowboyhut trug unlängst auch schon Marius Müller-Westernhagen in seinem von Regisseur Fatih Akin verfilmten Konzert „MTV Unplugged“. Auch Kiefer Sutherland steht das Wagenrad, das beim Pferderennen in Ascot bestimmt Blicke auf sich ziehen würde, nur bedingt. Zum Glück nimmt der kanadische Mime den Deckel nach dem dritten Song vom schon etwas lichten Haupt. Endlich kann die im Frankfurter „Gibson“ anwesende Damenwelt den 50-jährigen Sohn von Schauspiellegende Donald Sutherland genauer unter die Lupe nehmen.

Als Agent Jack Bauer im Echtzeit-TV-Serienkult „24“ gefiele er ihr um einiges besser, lässt eine blonde Dame ihre dunkelhaarige Freundin lautstark wissen. Beide stehen im nur locker gefüllten Zeil-Club in direkter Bühnennähe und begutachten das Dargebotene kritisch. Bis zum Finale werden sie ungeniert unzählige Fotos vom Objekt ihrer Begierde aufnehmen. So eine Fotosammlung von einem echten Hollywood-Star gibt ja auch echt was her im Familien- und Bekanntenkreis.

Üppig tätowiert

Wie die beiden Grazien dürften die wenigsten Besucher wegen der Musik gekommen sein. Ernsthaft widmet sich Sutherland seit rund zwei Jahren seinem jüngsten künstlerischen Standbein. Erlernt hat er das Gitarrenspiel schon in der Kindheit. Vor einem Jahr erschien sein von Jude Cole produziertes Albendebüt „Down In A Hole“ – elf selbstkomponierte Songs im mehr oder minder rustikalen Countryrockanstrich – auf Label Ironworks, das Sutherland und Cole in Kooperation betreiben. Mit zwei Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger im Rücken präsentiert Kiefer William Frederick Dempsey George Rufus, wie Sutherlands blumig langer Vorname lautet, nahezu sämtliche Titel in einem 90-Minuten-Konzert. Und erzählt zu jedem Song auch noch Geschichten. Mit dem betont verrockten „Can’t Stay Away“ gelingt dem Quintett ein überzeugender Einstieg.

Bilderstrecke Frankfurt: Kiefer Sutherland begeistert seine Fans im Gibson
Der kanadische Schauspieler und Sänger Kiefer Sutherland spielte am Dienstag (13.06.2017) ein Konzert im Gibson Club in Frankfurt.Das Stuttgarter Musikerduo Kids of Adelaide spielten als Vorband beim Konzert von Kiefer Sutherland im Gibson Club in Frankfurt.Das Stuttgarter Musikerduo Kids of Adelaide spielten als Vorband beim Konzert von Kiefer Sutherland im Gibson Club in Frankfurt.

Mag Kiefer Sutherland mit mal umgehängter E- oder Akustikgitarre auch ein wenig zu stereotyp auf Rockstarposen beharren. Nach fast jedem Song bedankt sich der an beiden Armen üppig Tätowierte demütig: „Danke, dass ihr gekommen seid, um euch Songs anzuhören, die ihr nicht kennt“, teilt er ironisch mit, wohlwissend, dass er als moderat talentierter Vokalist mit angerautem Stimmtimbre nur deshalb Gehör findet, weil er ein weltweit bekannter Schauspieler ist.

Weitere Songbeispiele zwischen Rock und Country, darunter die Ballade „I’ll Do Anything“, das im Stil der „Rolling Stones“ verabreichte „Going Home“ und die im Andenken an Country-Pionier Johnny Cash komponierte Knast-Ode „Shirley Jean“ über die letzte Nacht eines zum Tode Verurteilten, erweisen sich als recht patent. Im countryesken „Not Enough Whiskey“ thematisiert Sutherland seine wiederholt in die Schlagzeilen geratene Alkoholsucht (mehrmals wurde er volltrunken am Steuer erwischt!) ebenso wie im Merle-Haggard-Cover „The Bottle Let Me Down“. Generell gestalten sich die Überleitungen zu recht unterhaltsamen Einblicken ins Leben des Mimen: „Bei den Aufnahmen im Studio war ich echt schockiert, wie viele Lieder ich über das Trinken geschrieben habe“, gibt er da zum Besten. Zur Cash-Hommage merkt Sutherland grinsend an: „Mit Polizeigewahrsam und Gefängnis kenne ich mich ja aus.“ Tatsächlich saß Sutherland eine 48-Tage-Haft ab, als sich die Produktion seiner Serie „24“ in Winterpause befand und ein Streik der Hollywood-Autoren die Dreharbeiten unterbrach. Richtig unter die Haut gehen der atypische Zeitlupenrocker „All She Wrote“ und das Tom-Petty-Cover „Honey Bee“. Knietief im Blues-Sumpf watet der Titelsong „Down In A Hole“.

Für den Zugabenteil aufgespart hat sich Kiefer Sutherland zwei weitere Eigenkompositionen („Calling Out Your Name“ „Rebel Wind“), eine weitere Coverversion („Sundown“) vom kanadischen Landsmann Gordon Lightfoot sowie, wohl unvermeidlich, eine Interpretation von Bob Dylans „Knockin’ On Heaven’s Door“.

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