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"Klassische Musik ist meine Basis"

Kaum ein Musiker spannt einen so mitreißenden Bogen zwischen Klassik und Rock wie der gebürtige Aachener. Seine Herbsttournee führt ihn auch nach Frankfurt.
David Garrett David Garrett

Puristen mäkeln, der einstige Wundergeiger, der mit 14 Jahren schon Alben veröffentlichte und von Yehudi Menuhin als "größter Violinist seiner Generation" bezeichnet wurde, hat sein Ausnahmekönnen dem großen Kommerzstreben geopfert. Das mag schon sein. Doch selbst wenn hier jemand sein Talent vergeigt, dann scheint er immensen Spaß dabei zu haben. Nach seiner CD "Rock Symphonies" hat sich der omnipräsente und emsige 32-Jährige, der als David Bongartz in Aachen zur Welt kam und nach wie vor in New York lebt, wieder der Klassik zugewandt. Auf seinem Album "Legacy", das gerade erst mit einem "Echo-Klassik" ausgezeichnet wurde, steht Garretts Interpretation von Beethovens berühmtem Violinkonzert im Mittelpunkt. Am 19. und 20. November tritt er dann wieder mit seinen "Rock Anthems" in der Frankfurter Festhalle auf. Steffen Rüth traf den Geiger zum Interview.

Herr Garrett, wie mutig sind Sie?

DAVID GARRETT: Sehr mutig. Hundertprozentig. Gerade bei den vermeintlich etwas schwierigeren Geschichten gebe ich mir besonders viel Mühe. Wenn alle um mich herum meinen "Das geht nicht", dann will ich denen erst recht beweisen, dass es geht. Ich finde, dass man seine eigenen Limits nur dann austesten kann, wenn man experimentiert. Wer Angst hat, lernt sich niemals richtig kennen.

Bedeutete das Album "Legacy" für Sie ein Risiko?

GARRETT: Wenn "Legacy" ein Risiko sein sollte, dann eins, das ich sehr gut einschätzen kann. Denn das, was auf der Platte drauf ist, nämlich Beethovens Violinkonzert, spiele ich schon mein ganzes Leben lang. Auf dem Album habe ich mich wieder meiner großen Liebe, der klassischen Musik, zugewendet. Ich fühle mich wahnsinnig wohl dabei, diese Stücke zu spielen.

Sie haben zuvor moderne Rocksongs eingespielt und waren damit sehr erfolgreich. Ist Klassik ein Wagnis?

GARRETT: Vor "Rock Symphonies" habe ich Mendelssohn-Konzerte aufgenommen. Da erinnert sich bloß keiner dran, selbst wenn ich davon 200 000 Stück verkauft habe. Für mich als Künstler ist die Abwechslung wichtig. Und überhaupt: Die klassische Musik ist meine Basis. Würde ich nicht die Klassik repräsentieren und für die Klassik einstehen, hätte ich nie mit Crossover anfangen und diese Musik einem breiten Publikum nahebringen können. Ich habe mir ein Publikum erarbeitet und finde das jetzt eine tolle Aufgabe, die Leute auch für Klassik zu begeistern, ihre Horizonte zu erweitern. Die Leute hören doch heutzutage viele unterschiedliche Sachen gern, die meisten Geschmäcker kennen keine Richtlinien oder Begrenzungen mehr, das ist doch etwas Schönes. Musik hat nicht nur ein Genre.

Ist das auch Ihr Verdienst?

GARRETT: Nein. Das hat wenig mit mir zu tun. Ich bemühe mich, ich mache mir viele Gedanken, wie die meisten jungen Künstler habe ich mir vorher gut überlegt, was ich mit meiner Musik erreichen will, wofür ich stehe. Wenn man so eine Leidenschaft für diese Musik hat wie ich, dann finde ich das ganz natürlich, dass man diese Leidenschaft mit anderen teilen möchte.

Sie haben die Leute mit Crossover angefüttert und lassen sie jetzt die richtige Klassik probieren?

GARRETT: Ich habe Crossover nie als zweitklassige Musik angesehen. Mein Anspruch ist es, Crossover auf demselben Niveau zu spielen wie meine klassischen Produktionen. So nach dem Motto "Jetzt hauen wir mal schnell eine kommerzielle Crossover-Platte raus, das geht einfach" denke ich nicht. Ich glaube, ich habe mir für die Crossover-Platten fast noch mehr Mühe gegeben als für die anderen – weil mir klar ist, wie leicht man mit Crossover in die Kritik geraten kann.

Ihre Plattenfirma schreibt, "David Garrett bewegt sich zwischen zwei musikalischen Welten". Sie sagen gerade genau das Gegenteil.

GARRETT: Ja. Deswegen ist die Plattenfirma auch die Plattenfirma, und ich habe den Text vorher nicht durchgelesen. Manchmal haben die einfach keine Ahnung. Für mich ist das alles jedenfalls eine Welt, die zusammengehört. Die Welt der Qualität.

Warum haben Sie ausgerechnet das berühmte Violinkonzert von Beethoven eingespielt?

GARRETT: Das war eine Bauchentscheidung. Ich hatte auf dieses Konzert, das ich auch im Jahr zuvor oft im Liveprogramm hatte, einfach Lust. Es hat sich angeboten und gut angefühlt.

Wann haben Sie das Konzert zum ersten Mal gespielt?

GARRETT: Mit elf Jahren habe ich es zum ersten Mal als Solist mit Orchester aufgeführt, seitdem weit mehr als hundert Mal. Geübt habe ich es, seit ich acht oder neun war. Das ist wirklich das Königswerk für Violinkonzerte. Die Messlatte ist dementsprechend hoch. Aber man sollte sich vor Vergleichen mit den Großen nicht verstecken. Ich weiß, was ich kann.

Festhalle Frankfurt, 19. und 20. November, jeweils 20 Uhr. Karten von 66 bis

123,50 Euro unter Telefon (069) 9 44 36 60. Internet www.promo-team.de

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