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Klavier zu spielen, ist die beste Therapie

Von Cosima Langes Dokumentarfilm „Hello, I am David“ ermöglicht eine Begegnung mit dem psychisch kranken Pianisten David Helfgott und dessen großer Begabung.
Wenn David Helfgott Klavier spielen kann, ist er glücklich. Wenn David Helfgott Klavier spielen kann, ist er glücklich.

Das Auffälligste an David Helfgott ist seine übergroße Nervosität. Unablässig tippelt der australische Pianist hin und her, macht zwischendurch kleine Hüpfer, brabbelt vor sich hin und strahlt. Mitten auf der Straße spricht er wildfremde Leute an und lacht ihnen wie ein Kind ins Gesicht: „Hello, I’m David“. Die Angesprochenen lachen zurück, und schon scheint eine neue Freundschaft geschlossen. Unvorstellbar, dass irgend jemand David Helfgott nicht leiden könnte.

Mehrere Jahre hat der heute 68-Jährige nach einem Nervenzusammenbruch in psychiatrischen Anstalten verbracht. Erst nach seiner Entlassung hat seine ungewöhnliche Karriere richtig begonnen. Das Klavierspiel ist wohl zu seiner wichtigsten Therapie geworden: Wenn er am Piano sitzt, scheint sich seine „schizoaffektive Störung“ direkt in Musik zu übersetzen. Die Besucher seiner Konzerte sind es gewohnt, dass er auch mitten im Spiel laut mit sich spricht. Große Künstler, so weiß das Publikum, haben ihre Eigenheiten.

Anders als Scott Hicks’ Spielfilm „Shine“ (1996) mit Geoffrey Rush bietet Cosima Langes Dokumentation die Begegnung mit dem echten David Helfgott. Doch ist das durchaus nicht nur ein Vorteil. Zwar begleiten die Regisseurin und die Kamera den Pianisten ganz unmittelbar bei einer Konzertreise durch Deutschland und ermöglichen direkte Einblicke in seine Arbeit. Aber der begnadete Musiker Helfgott kann sich wegen seiner Krankheit so gut wie nicht über sich selbst äußern. Und so bleibt sein Inneres unerschlossen. Denn auch die ihm nahestehenden Menschen, etwa seine fürsorgliche Ehefrau und Managerin Gillian, können nur Einschätzungen abgeben. Die dabei hinterbleibende Lücke kann ein Spielfilm durch eigene Deutungen füllen. Er kann aus dem Geheimnis um einen großen Künstler besser jene Faszination ableiten, die gerade das Unerklärliche erzeugt.

Was denkt und fühlt David Helfgott, wenn er die Werke von Beethoven oder Rachmaninow spielt? Was gibt ihm die Musik? Die Dokumentation „Hello, I am David“ erklärt es nicht. Sie beobachtet den ungewöhnlichen Pianisten lediglich mit viel Sympathie. Wie ein Wunder, das die Natur hervorgebracht hat, ohne dass es einen Sinn ergeben würde, danach zu forschen, wieso und warum. Annehmbar

Frankfurt: Mal seh’n

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