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Ungewöhnlich: Klavierkonzert ohne Pianist im Frankfurter Bachverein

Von Von Bach bis Ligeti spannte sich der Bogen beim jüngsten Bachkonzert in der Alten Oper Frankfurt. Und dann gab es auch noch eine Überraschung.
Mit 25 Jahren ist Kit Armstrong ein Star am Klavier. Mit 25 Jahren ist Kit Armstrong ein Star am Klavier.

Schon bevor es losging, schaute das Bachkonzerte-Publikum etwas irritiert auf die Bühne: Ein Cembalo stand dort bereit, aber auch eine Schlagzeug-Batterie. Das kann ja heiter werden, mag sich da so mancher gedacht haben. Und dann warteten links am Bühnenrand noch ein schwarzer Bechstein-Flügel und ein weiteres Ungetüm auf ihren Einsatz. Aber dazu später.

Auf den ersten Blick recht konventionell startete dieser Abend mit Bachs fünftem Brandenburgischen Konzert. Doch Kit Armstrong, dieser unglaublich begabte und von keinem Geringeren als Alfred Brendel geförderte Amerikaner taiwanesischer Herkunft, spielte sich bei seinem Solopart mit Feinsinn und Verve regelrecht in einen Cembalo-Rausch. Und auch die Orchester-Begleitung durch das „Ensemble Resonanz“ ließ aufhorchen. Mit barockem Drive, aber wunderbar atmend in der noblen Tongebung und mit federnder Eleganz musizierte diese Formation aus Hamburg, so dass Bachs wohlbekanntes Werk ganz ungewohnte Facetten offenbarte.

Und dann Ligetis Konzert für Klavier und Orchester: Jetzt kam das Schlagzeug zum Einsatz, sorgte für perkussive Überraschungsmomente. Kit Armstrong am Bechstein-Flügel und das von Johannes Fischer geleitete Ensemble entführten in ungeahnte Klangwelten, die Ligeti durch vielfache rhythmische Überlagerungen erreicht. Doch es sollte noch irrwitziger kommen.

Nun richtete sich der Fokus auf den modifizierten Bösendorfer-Flügel am Bühnenrand, der ganz von alleine spielte, mittels eingelegter Lochstreifen. Komponiert hatte diese für einen leibhaftigen Pianisten unspielbar-schweren Stücke der Amerikaner Conlon Nancarrow. Seine wahnwitzige Musik versetzte das Auditorium derart in Entzücken, dass es selbst dieser Maschine Beifall spendete.

Als Kontrast zu Nancarrows „Studies for Player Piano“ bezauberten Kit Armstrong und das „Ensemble Resonanz“ mit eingestreuten Virginal-Stückchen von William Byrd. Und zum Finale ließ Armstrong Bachs D-Moll-Konzert für Cembalo BWV 1052 (gespielt auf dem Bechstein-Flügel) den nötigen Furor angedeihen, um sich anschließend mit Bachs innigem Choralvorspiel „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ als Zugabe zu verabschieden.

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