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Musical: „König der Möwen“, ein Stück mit sozialkritischen Untertönen

In zwei Tagen wird die musikalische Dramödie mit tierischer Botschaft von Andreas Dorau und „Hanseplatte“-Gründer Gereon Klug aufgeführt.
Andreas Dorau, Gereon Klug und, nicht zu übersehen, der König der Möwen. Foto: Daniel Reinhardt (dpa) Andreas Dorau, Gereon Klug und, nicht zu übersehen, der König der Möwen.

Andreas Dorau (54) ist ein von Kritikern gefeierter Popmusiker, der es mit seinem zehnten Album „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ (2017) erstmals in die deutschen Albumcharts schaffte; ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte er sich der Allgemeinheit mit seinem Neue-Deutsche-Welle-Hit „Fred vom Jupiter“. Gereon Klug (49) ist Gründer des Plattenladens „Hanseplatte“, Tourmanager des humorigen Trios Studio Braun und Autor.

Gemeinsam haben die Zwei ein etwas anderes Musical über Hamburg geschrieben. Uraufführung hat ihr „König der Möwen“ am 9. August beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel. Das zugehörige Album ist bereits erschienen.

Musik für alle

Eine Dramödie nennen die beiden ihr Musiktheaterstück lieber. Der „König der Möwen“ soll auch Leuten gefallen, die nicht nur Musicals mögen – was sich angesichts des Soundtracks von selbst ergeben dürfte. Darauf tobt sich die „Möwen Allstar Band“, zu der auch Carsten Friedrichs von der Hamburger Popgruppe „Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ gehört, in unterschiedlichsten Stilen aus.

„Wir wollten nichts verschlagern und auch keine Parodie machen, sondern etwas, was wir privat auch gerne hören“, macht Dorau im Interview deutlich. „König der Möwen“ klingt tatsächlich nur im Titel ähnlich wie das Disney-Musical, das seit 2001 im Hamburger Hafen läuft. Man wolle niemandem ans Bein pinkeln, beteuert Dorau.

Hilfe in dunkler Stunde

Doch worum geht’s in dem Stück, das unter der Regie von Patrick Wengenroth beim Internationalen Sommerfestival auf Kamnpagel auf die Bühne kommt? Plattenladenbesitzer und Möwenfreund Hans (Andreas Schröders) geht aus finanzieller Not auf ein Angebot von Hamburg Marketing ein, sein Geschäft im Schanzenviertel während eines Staatsbesuch vorübergehend in die neue Hafencity zu verlegen. Doch das angekündigte Staatsoberhaupt kommt nicht, Hans verliert seinen Laden und hat obendrein seine Ideale verraten. Er verflucht die eiskalte Hand des Marktes und ballert sich dicht. Als er in seiner dunkelsten Stunde am Hafen den zweiten Hamburger Brand legen will, hilft ihm der König der Möwen (Dorau) auf dem Weg zur Erkenntnis.

Die Musik ins Stück bringt eine junge Band, die wöchentlich im „Rillenreiter“ auftritt und sich auf der Suche nach ihrer musikalischen Identität diverse Male häutet. Somit erklärt sich auch, warum auf dem dazugehörigen Album kein Lied wie das andere klingt. Mit dem Vorboten „Feelingsgefühle“ haben Dorau und Klug einen gefühlten Sommer-Hit geschrieben, der es bis in die ARD-WM-Nachberichterstattung schaffte. Insgesamt 13 Songs wurden eigens für „Koenig der Moewen“ produziert. Sie handeln von Kronkorken, von Drogenzügen, von Yum-Yum-Suppen, natürlich von Möwen und von ganz viel Feelingsgefühlen und stellen den Output der Band dar, die bei Hans im Laden spielt. Eine Band, die sich ständig in Stil und Gestus häutet.

Sommerhits in Serie

Ihr Song „Drogenzug“ hätte auch gut auf den „Trainspotting“-Soundtrack gepasst. Wabernde HipHop-Beats und Autotune-Gesang gibt es beim düsteren Kleinod „Existieren und krepieren“.

Und wie sich das für ein Musical gehört, haben Dorau und Klug auch ein musikalisches „Möwenthema“ geschrieben – wenn es nach ihnen ginge, ist es sogar eine Hommage an das neue Wappentier der Stadt. „Du hast keine Farben, nur schwarzweiße Schwingen, du bist mein Lieblingsvogel, denn du kannst nicht singen“, heißt es darin. „König der Möwen“ entpuppt sich als charmantes Singspiel mit toller Musik und tierischer Botschaft.

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