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Unesco: „Königin der Instrumente“ gehört jetzt zum Welterbe

Sie ist die „Königin der Instrumente“, die Orgel – tief verwurzelt in der deutschen Kultur. Nicht nur Kirchen, auch große Konzertsäle füllt sie mit ihrem Klang. Nun hat die Unesco Orgelbau und Orgelmusik neben der Pizza zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.
Auch die Orgel der Evangelischen Kirche Wallau gehört jetzt zum Unesco-Welterbe der Menschheit. Auch die Orgel der Evangelischen Kirche Wallau gehört jetzt zum Unesco-Welterbe der Menschheit.
Unesco. 

Freunde der Orgelmusik wiegen sich im Hochgefühl. Was sie schon lange herbeisehnen, hat sich jetzt erfüllt: Orgelbau und Orgelmusik, in Deutschland so präsent wie sonst kaum irgendwo, gehören nun zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Der zuständige Ausschuss der Unesco nahm den deutschen Antrag am Donnerstag auf seiner Sitzung auf der südkoreanischen Ferieninsel Jeju an. „Nicht nur das Tun der Kulturschaffenden ist nun von höchster ethischer Instanz bestätigt“, sagt der Musikwissenschaftler und Mitinitiator der Antrags, Michael Kaufmann, glücklich.

Nun müsse die Anerkennung genutzt werden, damit „personelle und finanzielle Ressourcen für den Erhalt und die Fortschreibung des Instruments und seiner Kultur eröffnet werden“. In der Verantwortung seien nicht nur die Kirchengemeinden als Eigentümer von Orgeln, sondern auch der Staat, der etwa die Ausbildung regele, sagt Kaufmann. Er lehrt an der Hochschule für Kirchenmusik der Badischen Landeskirche in Heidelberg und leitet dort ein Forschungsprojekt auch zur sozialpolitischen Bedeutung der Orgel.

Höfische Feste

Für den 50 Jahre alten Experten ist die Orgel weit mehr als ein Kircheninstrument. Sie sei über Jahrhunderte bei höfischen Festen und zu Bauerntänzen gespielt worden. In den 1920er Jahren hätten Kinoorgeln zur musikalischen Untermalung von Stummfilmen gedient. Und schon vor dem Wendeherbst 1989 in der DDR seien Orgelkonzerte ein Symbol des Widerstands gewesen, erklärt er.

Im Südwesten ist die Tradition so allgegenwärtig wie sonst kaum in Deutschland: Mit 7000 bis 8000 Instrumenten gibt es hier die größte Orgeldichte. Bundesweit sind es etwa 50 000 Orgeln – vor allem in Kirchen und Konzertsälen, die von Zehntausenden haupt- und nebenamtlicher Organisten gespielt werden. Auch 60 der rund 400 Betriebe haben nach Darstellung der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands ihren Standort in Baden-Württemberg.

Wer Orgelbauer werden will, lernt das alte Handwerk an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, der zentralen Ausbildungsstätte für den Orgelbau. „Es ist schwierig, junge Menschen dafür zu begeistern. Aber alle, die hier bei uns lernen, sind mit Leib und Seele dabei“, sagt der Abteilungsleiter Musikinstrumentenbau an der Schule, Werner Stannat. Die Lage des Orgelbaus in Deutschland sei bisweilen nicht einfach, weil es immer weniger Geld gebe und zudem auch Kirchen und damit die Orgeln aufgegeben würden.

Das Instrument sei ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Technik und Klang – es gehe um Feinmechanik wie bei einem Uhrwerk, aber auch um modernste High-Tech, sagt Kaufmann, der an der Schule auch Restauratoren ausbildet. Jedes Instrument werde individuell für einen Raum gebaut.

Die Orgeltradition steht nun auf der Liste des immateriellen Kulturerbes mit Hunderten anderen Ausdrucksformen aus allen Weltregionen. Dazu gehören etwa die Genossenschaftsidee und -praxis aus Deutschland, die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge und der argentinische und uruguayische Tango – und seit gestern ebenfalls die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers.

Wichtige Basis

„Die Orgelkultur ist eine traditionelle Kulturform, die in Deutschland eine wichtige Basis hat“, sagt der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf. Die lokal- und regionalspezifischen Orgelbaustile, Kompositionen und Aufführungsformen sowie staatliche und kirchliche Ausbildungsmöglichkeiten zeigten, wie lebendig die Orgelkultur ist.

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