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Diskussion: Könnte Oprah Winfrey Amerikas Präsidentin werden?

Die politische Rede der Fernsehunterhalterin bei der Golden-Globe-Gala hat ihre Anhänger dazu angeregt, sie an die Spitze der Nation zu wünschen.
Reden kann Oprah Winfrey. Aber kann sie auch regieren? Und Amerikas erste schwarze Präsidentin werden? Foto: Paul Drinkwater (NBC/AP) Reden kann Oprah Winfrey. Aber kann sie auch regieren? Und Amerikas erste schwarze Präsidentin werden?

Noch vor zwei oder drei Jahren hätte die Vorstellung ziemlich absurd geklungen: Eine milliardenschwere Talkmasterin und Entertainerin, Millionen Amerikanern vor allem dank ihrer TV-Show bekannt, steigt ohne jegliche politische Erfahrung ins Rennen ums Weiße Haus ein – und gewinnt. Gut ein Jahr nach Donald Trumps Wahlsieg weiß man: Selbst im Wettstreit um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ist vieles möglich, was eigentlich gar nicht möglich schien.

So überschlugen sich nach Oprah Winfreys flammender Rede bei der Golden-Globe-Gala am Sonntag denn auch die Kommentare: Könnte Winfrey, dank ihrer jahrzehntelangen TV-Karriere so etwas wie die Seele der Nation, Trump bei den Wahlen im Jahr 2020 die Stirn bieten? Könnte sie den Scherbenhaufen aus Hillary Clintons zerschmetterten Träumen zusammenkehren und nicht nur die erste US-Präsidentin werden, sondern dazu auch die erste afroamerikanische? „Wir freuen uns auf jede Herausforderung, sei es Oprah Winfrey oder irgendjemand sonst“, sagte ein Sprecher Trumps an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One.

Geeignet für Wahlreden

Das Zeug zur Wahlkampf-Rednerin hätte die Demokratin allemal. Stars in Beverly Hills wirkten wie in Trance, als sie eine Zukunft ohne sexuelle Übergriffe durch Männer, ohne ungewollte Avancen, Grapschereien und anzügliche Bemerkungen heraufbeschwor. Von einem „neuen Tag am Horizont“ sprach sie, von einer „Zeit, in der niemand jemals wieder ,Ich auch’ sagen muss. Die Rede drehte sich um die Bewegung „#MeToo“, aber auch um Bürgerrechte, um Diskriminierung und Rassismus. Ihre Minuten am Pult wurden zu einer Predigt vor Millionen. Ganz fremd ist Winfrey der Politikbetrieb auch nicht. 2007 stand sie in Iowa und New Hampshire mit Barack Obama auf der Bühne, als der zum Sprung vom Senatorensitz ins Weiße Haus ansetzte. In South Carolina strömten 30 000 Menschen in ein Footballstadium, als die Talkmasterin aus dem ländlichen Mississippi erklärte, warum Obama der richtige Mann für den Job sei. Sein Sieg gegen Clinton in South Carolinas Vorwahlen wurde zu einem Schlüsselmoment seiner Kandidatur. Eine Studie der Universität Maryland kam später zu dem Schluss, dass Obama dem Engagement von Winfrey mehr als eine Million Stimmen verdankte.

Ihr hoher Bekanntheitsgrad und ihr Vermögen von geschätzt 2,8 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) wären keine schlechte Ausgangslage. Aber könnte sie auch die nötigen Geldgeber hinter sich versammeln und ein politisches Programm entwerfen, das eine breitere Masse von Wählern jenseits ihres TV-Publikums anspricht? Und könnten ein Senator Bernie Sanders, ein Ex-Vizepräsident Joe Biden oder Senatorinnen wie Elizabeth Warren und Kirsten Gillibrand ihr nicht trotzdem einen Strich durch die Rechnung machen? Diese kennen das Alltagsgeschäft in Washington besser. Anderseits dachte man das bei Trumps Gegnern auch.

Sozial engagiert

Die „#MeToo“-Bewegung, die mit dem Protestmarsch am Tag nach Trumps Amtseinführung begann und nun in die Initiative „Time’s Up“ (Die Zeit ist um) mündete, hat Winfrey einen Schub verpasst. Wo diese Bewegung in rund zwei Jahren stehen wird, wenn der US-Vorwahlkampf in die heiße Phase geht, ist völlig offen. Winfrey müsste dann mehr sein als nur eine Stimme gegen Trump, schreibt die „New York Post“.

Unabhängig von der Frage, ob die 63-Jährige das nötige Zeug für das höchste politische Amt der Welt hätte, bliebe zu klären, ob sie es überhaupt wollte. Will eine Moderatorin, die bewegende TV-Momente mit Michael Jackson, Tom Cruise und Whitney Houston zu den Höhepunkten ihrer Karriere zählen kann, sich mit einer Gesundheitsreform oder dem Nahost-Friedensprozess herumschlagen? Eine Frau, die Popstar Pharrell Williams vor Glück zum Weinen brachte? Andererseits setzt Winfrey sich – natürlich auch öffentlichkeitswirksam – schon lange für soziale Anliegen ein, etwa für die Rechte von Kindern, für Bildungsprogramme in Südafrika und Hilfe für die Opfer des Hurrikans „Katrina“.

„Ich werde nie für ein öffentliches Amt kandidieren. Das ist eine ziemlich ausgemachte Sache“, sagte sie der Zeitschrift „Hollywood Reporter“ im Juni. Auch unmittelbar nach ihrer Golden-Globes-Rede stritt sie der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge ab, über eine Kandidatur auch nur nachzudenken.

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