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Dauerausstellung neu geordnet: Kommunikationsmuseum: In Sekundenschnelle um die Welt

Früher war alles viel einfacher mit der klaren Chronologie. Jetzt kann man sich treiben lassen im neu gestalteten Untergeschoss des Frankfurter Museums für Kommunikation, verliert dabei aber auch leicht den Überblick.
Der Absturz des Luftschiffs Hindenburg 1937 in Lakehurst nahe New York geht als erste Live-Reportage einer Katastrophe in die Radio-Geschichte ein. Erstmals erfahren Menschen auf der ganzen Welt zeitgleich von diesem Unglück. Abbildungen: Museum für Kommunikation Foto: Str (PHOTOPRESS-ARCHIV/KEYSTONE) Der Absturz des Luftschiffs Hindenburg 1937 in Lakehurst nahe New York geht als erste Live-Reportage einer Katastrophe in die Radio-Geschichte ein. Erstmals erfahren Menschen auf der ganzen Welt zeitgleich von diesem Unglück. Abbildungen: Museum für Kommunikation

Misstrauen macht erfinderisch: Almon B. Strowger hatte den Verdacht, dass die Konkurrenz bevorzugt wurde von den Telefonistinnen, die bei uns „Fräulein vom Amt“ hießen. Wenn jemand gestorben war, verbanden die Telefonistinnen gern mit bestimmten Bestattunsgsfirmen, nur nicht mit Strowgers Firma – so der Eindruck des US-Amerikaners. Um unabhängig von der Amtsvermittlung zu werden, tüftelte Strowger so lange, bis er 1891 seinen Hebdrehwähler patentiert bekam und bald auch die Wählscheibe erfand. Nun konnte er ebenso schnell wie die Konkurrenz sein, die „Fräuleins vom Amt“ wurden arbeitslos.

Rasante Veränderung

Diese Geschichte ist eine von 44 Beispielen, wie die neue Dauerausstellung des Frankfurter Museums für Kommunikation aufgebaut ist. Auf der Vorderseite der 44 Themeninseln locken individuelle Geschichten an, auf der Rückseite kann sich der Besucher in die Geschichte der Technik und der Menschheit vertiefen. Und da sich die Kommunikation rasant verändert, war es nach 13 Jahren an der Zeit, die bisherige Dauerschau komplett zu verändern. „Mediengeschichte(n) neu erzählt“ heißt es jetzt im Untergeschoss des Hauses auf 2500 Quadratmetern.

Neu ist vor allem, dass es keinen roten Faden und keinen chronologischen Rundgang mehr gibt. Jetzt können die Themeninseln unabhängig voneinander betrachtet werden. Es ist ein eher spielerischer Zu- und Umgang mit der Geschichte und den Geschichten, ähnlich wie beim Surfen im Internet – bis hin zu Zufallsfunden und Übersehenem. Doch dieser offene Raum ist sehr gewöhnungsbedürftig, zum gezielten Suchen von Themen fehlt der Überblick. Eine kleine Nachbesserung für eine klarere Grundorientierung würde nicht schaden.

Muschel am Ohr

Dabei wurde die Zahl der Exponate nahezu halbiert auf etwa 500 Objekte. Das liegt vor allem daran, dass einiges nicht mehr lückenlos, sondern nur noch exemplarisch dokumentiert wird, erläutert Sammlungsleiter Frank Gnegel und verweist auf eine Vitrine mit Telefonmodellen. Hier folgt auf den schwarzen Siemens-Apparat von 1929 der etwas größere Nachfolger von 1948, das orangefarbene Telefon von 1972, das Lego-Tastentelefon von 1989 und das heutige schnurlose Gerät, das sich kaum noch vom Smartphone unterscheidet.

Auch in der neuen Dauerausstellung wird viel Wert gelegt auf das Ausprobieren von Geräten und das interaktive Mitmachen. So kann man dank zweier alter Telefonapparate miteinander kommunizieren wie anno dazumal, nämlich in ein schwarzes Mikrofon sprechen und die hölzerne Muschel ans Ohr halten, um den etwa 30 Meter entfernten Partner zu hören. Die neueren Stationen laden zum Mitmachen ein. Wenn der rotierende Zeiger auf die Frage nach dem eigenen Lebenstempo deutet, muss man innerhalb von 15 Sekunden eine Story mit einem Tier erzählen. Etwa so: Manch einer steht im Schneckentempo auf und tigert dafür am Abend noch immer rastlos umher.

Womit wir beim Thema Beschleunigung wären, eines von vier Phänomenen neben Vernetzung, Kontrolle und Teilhabe, denen die Schau gesonderte Bereiche widmet. So finden sich in der Beschleunigungs-Insel einige erstaunliche Statistiken über die Zeit von der Erfindung bis zur Verbreitung in 25 Prozent der Haushalte. Beim Telefon dauerte es immerhin von 1876 bis 1967, beim Smartphone noch nicht mal 20 Jahre. Nach so viel Fakten wird es um die Ecke etwas ruhiger für den Besucher, lädt doch ein Sessel mitsamt Lampe zum Entschleunigen ein.

Ende des Börsenbooms

Tatsächlich haben viele Erfindungen zu einem anderen Zeitgefühl beigetragen. Thomas Edison etwa erfand nicht nur die elektrische Glühbirne, sondern auch den Börsenticker, der ab 1871 die Kurse sofort, überall und für jeden zugänglich machte.

Der Ticker ermunterte freilich auch zur Spekulation. Als sich ein Ende des Börsenbooms abzeichnete, stießen am 24. Oktober 1929, heute als „Schwarzer Donnerstag“ bekannt, zu viele Menschen ihre Aktien ab. Der Börsenticker kam nicht mehr hinterher, war mit den Kursen um Stunden in Verzug und sorgte für Panikverkäufe. So kam es zur Weltwirtschaftskrise.

Doch die Dauerausstellung widmet sich auch der Zukunft der Kommunikation in der Videoinstallation „21 Köpfe“. Hier geben Forscher und Unternehmer kurze Statements zum virtuellen Arbeiten oder zur künstlichen Intelligenz. Bleibt noch die Kunstsammlung des 17. bis 21. Jahrhunderts. Ältere Werke sind in die Schau integriert, klassischen Objekten wie Salvador Dalís „Hummertelefon“ von 1936 gilt ein eigenes Kabinett. Den größten Raum haben drei junge Künstlerinnen – gut so!

Museum für Kommunikation

Fra nkfurt, Schaumainkai 53, Telefon (069) 6 06 00. Geöffnet dienstags bis freitags 9–18 Uhr, samstags und sonntags 11–19 Uhr. Eintritt 4 Euro.
Internet www.mfk-frankfurt.de

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