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Konzert zu Biermanns 80. Geburtstag

„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu”, singt Wolf Biermann. Zu seinem 80. Geburtstag wird der berühmte DDR-Dissident im Berliner Brecht-Theater gefeiert. Überraschungsredner ist der Mann der Kanzlerin.
Der Liedermacher und frühere DDR-Dissident Wolf Biermann auf der Bühne im Berliner Ensemble. Foto: Jörg Carstensen Der Liedermacher und frühere DDR-Dissident Wolf Biermann auf der Bühne im Berliner Ensemble. Foto: Jörg Carstensen
Berlin. 

Joachim Sauer, der Mann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, ist mit öffentlichen Auftritten mehr als sparsam. Zum Geburtstag des Liedermachers Wolf Biermann macht der 67-Jährige eine Ausnahme.

Bei einem Konzert im einstigen Brecht-Theater am Schiffbauerdamm in Berlin hält er am Freitag die Festrede. Angela Merkel ist in der ungewohnten Rolle als „die Frau von ...” dabei. Kein öffentliches Wort zu den Querelen um das Bundespräsidentenamt, kein Hinweis auf die mit Spannung erwartete Frage der Kanzlerkandidatur.

Vor ausverkauftem Haus würdigt ihr Mann in einer höchst vergnüglichen, hintergründigen Rede den Lebensweg Biermanns vom überzeugten Kommunistenkind zum aufmüpfigen DDR-Widerständler. „Von solchen Leuten lassen wir uns nicht in den Mörtel spucken, mit dem wir unser sozialistisches Vaterland aufbauen”, zitiert Sauer SED-Obere aus einem damaligen Zeitungsartikel. 

Und erinnert daran, wie vor genau 40 Jahren der illegale Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers den Anfang vom Ende der DDR einläutete. „Wolf Biermann ist ein großer Künstler und ein ehrlicher, anständiger Mensch, der seinen Glauben an den Kommunismus überwunden hat”, sagt der Chemieprofessor, der selbst aus Sachsen stammt. „Wir mögen ihn. Er ist ein ehrlicher Freund. Und nun soll er singen.”

Das lässt sich Biermann, der am 15. November den „echten” Geburtstag feierte, nicht zweimal sagen. Mit rund einem Dutzend seiner bekanntesten Lieder erzählt er zur legendären Gitarre seine Lebensgeschichte in Kurzfassung - kämpferisch und präsent wie eh und je.

Besonderen Applaus gibt es am Schluss für den gemeinsamen Auftritt mit den Free Jazzern des Zentralquartetts und vor allem für das Doppel mit seiner wunderbar singenden Frau Pamela. Schönste Bert-Brecht-Tradition. Seine Erfahrung aus 80 Jahren Leben fasst Biermann so zusammen: „Die Leute gehen kaputt an Schlägen, die sie einstecken müssen. Aber noch mehr gehen sie kaputt an den Schlägen, gegen die sie sich nicht wehren.”

Beim anschließenden Empfang für geladene Gäste gratulieren unter anderen Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Frau Irmgard, Innenminister Thomas de Maiziere, BR-Intendant Uli Wilhelm, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, die Kunstsammlerin Julia Stoschek und der Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg. 

Unversehens bekommt Merkel dann doch wieder eine Hauptrolle. Sie sitzt mit Marianne Birthler zusammen, der ehemaligen Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde. Erst wenige Stunden zuvor war bekannt geworden, dass Birthler der Kanzlerin in letzter Minute einen Korb für die Gauck-Nachfolge gegeben hatte. 

Apropos Gauck: Auch der Bundespräsident will Biermann zu seinem Lebensjubiläum noch treffen. Er gibt am Montag (21. November) ein Abendessen auf Schloss Bellevue zu Ehren des Liedermachers. 

(Von Nada Weigelt, dpa)
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