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Auftritt in der Alten Oper Frankfurt: Konzertkritik: Queen Esther Marrow und "Harlem Gospel Singers"

Queen Esther Marrow und die „Harlem Gospel Singers“ zelebrierten ihren Bühnenabschied mit einem hymnischen Auftritt in der Alten Oper Frankfurt.
Stimmgewaltig und mit spiritueller Kraft verabschiedete sich Queen Esther Marrow von ihrem Frankfurter Publikum. Foto: Julian Sajak Stimmgewaltig und mit spiritueller Kraft verabschiedete sich Queen Esther Marrow von ihrem Frankfurter Publikum.
Frankfurt. 

Verhalten musiziert das Begleitsextett unter der Leitung des Pianisten und Musikdirektors Anthony Evans zum Einstand. Im Bühnenhintergrund zeigt sich überlebensgroß das Porträt von Queen Esther Marrow. Majestätisch gütig blickt sie auf die Gemeinde an diesem Abend herab – eine von 36 Stationen in Europa ihrer Abschiedstournee. Bereits am Nachmittag hatte die 75-jährige Gospel- und Spiritual-Veteranin, einst entdeckt von keinem Geringeren als Duke Ellington, am selben Ort ein Konzert gegeben.

Bilderstrecke Harlem Gospel Singers begeistern in der Alten Oper Frankfurt
Die Harlem Gospel Singers sind auf großer Abschiedstournee von ihrer Lead-Sängerin Queen Esther Marrow und gastierte am Montag (09.01.2017) in der Alten Oper in Frankfurt.Die Harlem Gospel Singers sind auf großer Abschiedstournee von ihrer Lead-Sängerin Queen Esther Marrow und gastierte am Montag (09.01.2017) in der Alten Oper in Frankfurt.Die Harlem Gospel Singers sind auf großer Abschiedstournee von ihrer Lead-Sängerin Queen Esther Marrow und gastierte am Montag (09.01.2017) in der Alten Oper in Frankfurt.

Nun steht die 1941 in Newport News (Virginia) geborene Sangeskoryphäe, deren Name kein Pseudonym ist, schon wieder im Rampenlicht – ein immenses Arbeitspensum. Im golddurchwirkten Mantelkleid samt Schal entert sie, ein Lächeln im Gesicht angedeutet und um Jahre jünger wirkend als zuletzt, majestätischen Schrittes die Bühne. In ihrem Gepäck befinden sich sechs ihrer „Babys“, wie sie auch heute noch ihre Sangesschützlinge nennt, sowie rund zwei Dutzend zwischen Gospel, Spirituals und Soul oszillierende Hymnen.

Schon im ersten heiter-beschwingten Medley aus „(Got On My) Traveling Shoes/Walking On Sunshine“ verkündet sie gewohnt stimmgewaltig ihre positive Botschaft. Dabei steuert sie auch einen Hocker an. Schon seit Jahren kann Queen Esther Marrow aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr allzu lange stehen. Peu à peu trollen sich ihre Schäfchen ins Rampenlicht: drei Damen und drei Herren. In den Pioniertagen des Chors umfasste er bis zu zehn Mitglieder.

Mutige Stimmen

Zum Abschied der Übermutter unter der Choreografie von Leslie Dockery ließen sich die sechs Besten der vergangenen Dekade rekrutieren: die Damen Keesha Gumbs, Deaun Parker und Jahlisa Nikitser sowie die Herren Marvin Lowe, Rodney Archie und Keith Branch. Mit „Nobody But You Lord“ unterstreicht Queen Esther Marrow lässig ihren Ruf als Amerikas führende Gospelstimme. Mit besonnener Nachdrücklichkeit warnt sie vor den dunklen Wolken, die sich allüberall auf der Erde derzeit ausbreiten: „In schwierigen Zeiten wie diesen brauchen wir mutige Stimmen, die gehört werden müssen“, mahnt sie predigend, um danach „In Times Like These“ anzustimmen.

Häufiger als sonst bei den Gastspielen in den vergangenen Jahren lässt Queen Esther Marrow ihre nach wie vor makellose Mehroktavenstimme erklingen: im zeitlupenhaften „Amazing Grace“, in „God Cares“ oder in einem abwechslungsreichen Potpourri mit sämtlichen Chorstimmen aus Weltlichem und Sakaralem, das „Higher And Higher“, „Stand By Me Faith“, „Walkin’ In Memphis“, „Have A Talk With God“, „Georgia On My Mind“ und „You’re My Inspiration“ vereint.

Als Salz in der köstlichen Gospel-Ursuppe fungieren indes ihre „Babys“: der Bass-Bariton Marvin Lowe brilliert mit der Zeitlupenhymne „Make Them Hear You“, um minutenlangen Applaus zu ernten. Die Altistin Jahlisa Nikitser betört hingegen im flotten „I Want To See Jesus“. Die Sopranistin Keesha Gumbs reicht ein turbulentes „Goin’ Up Yonder“. Als Mr. Entertainer schlechthin empfiehlt sich der musikalische Leiter Anthony Evans: Im auf kurzweilige Überlänge ausgeweiteten „Sit Down, You’re Rocking The Boat“ hämmert er gottgleich auf seinem Flügel herum, dirigiert den Chor, der sich als sprichwörtlich biegsam nach allen Seiten erweist.

Nach der Pause steht Evans als Dirigent im Frack an der Bühnenrampe, um den A-cappella-Chor durch „I’m Building Me A Home“, „Deep River“, „Wade In The Water“ und „Turn Turn Turn“ zu geleiten. Zum Finale hält Queen Esther Marrow einen flammenden Appell. Im Hintergrund prangen in riesigen Lettern die Worte „Keep Hope Alive“. Und sie und ihre Schäfchen singen „Oh Happy Day“.

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