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„Künstler müssen ihre Positionen entfalten können“

Vom Braunschweiger Kunstverein an den Main: Als neue Kuratorin am Frankfurter Portikus will Christina Lehnert Performances der griechischen Künstlerin Georgia Sagri zeigen.
Christina Lehnert will als Kuratorin am Frankfurter Portikus an die gute Qualität des Ausstellungshauses anknüpfen. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Christina Lehnert will als Kuratorin am Frankfurter Portikus an die gute Qualität des Ausstellungshauses anknüpfen.

„Jeder Anfang ist immer ein Neuland“, sagt Christina Lehnert. Es ist ihr erster Arbeitstag als Kuratorin an der international renommierten Kunsthalle Portikus. Am Vormittag ist Lehnert in Frankfurt eingetroffen, noch steht ihr Koffer im Eingangsbereich der Kunsthalle. Ihr erster bleibender Eindruck von der Stadt sei die Skyline gewesen, sagt die 1983 in Baden-Baden geborene Kunsthistorikerin. Die Mischung aus Hochhauskulisse, Fluss, vorbeiziehenden Schiffen und Wasservögeln auf der Maininsel beeindruckt sie: „Ich muss darüber staunen.“

Beim Treffen im Portikus macht Christina Lehnert einen freundlichen, offenen und zugänglichen Eindruck. Im markanten Mäckler-Bau muss sie sich indes noch zurechtfinden. Lehnerts Kuratorenstelle ist, wie immer im Portikus, auf drei Jahre begrenzt. In dieser Zeit wird sie das Programm der 1987 gegründeten, zur Städelschule gehörenden Kunsthalle mitgestalten. Portikus-Direktor bleibt Philippe Pirotte. In Frankfurt war Lehnert auch schon Anfang Februar, während des alljährlichen Rundgangs der Städelschule. Dort hatte sie die Möglichkeit, sämtliche Akteure und einige Studenten der Kunsthochschule kennenzulernen.

Jobs in Galerien

Für ihren Beruf entschied sich Christina Lehnert, als sie an der Berliner Humboldt-Universität studierte und in zeitgenössischen Galerien jobbte: „Es hat sich abgezeichnet, dass ich als Kuratorin an einer Institution arbeiten will.“ Von 2012 bis 2014 betreute sie als Volontärin an der Kunsthalle Bielefeld diverse Ausstellungsprojekte, so zum Beispiel eine Schau zur Wandmalerei in der zeitgenössischen Kunst.

Es folgte eine Zwischenstation als Ausstellungsassistentin am Kunstmuseum Liechtenstein. 2015 erhielt Lehnert ein Stipendium der Gebert-Stiftung für Kultur. Die Schweizer Stiftung fördert jeweils eineinhalb Jahre lang junge Kuratoren. Im Kulturzentrum „Alte Fabrik“ in Rapperswil-Jona durfte Christina Lehnert bis Oktober 2016 sechs Gruppen- und Einzelausstellungen umsetzen. Ihre thematische Klammer war die allgegenwärtige (Selbst-)Optimierung. Im November 2016 wechselte Lehnert als Interimsdirektorin zum Kunstverein Braunschweig. Bis vor kurzem zeigte sie dort eine Ausstellung der 1979 geborenen, griechischen Künstlerin Georgia Sagri. Mit Skulpturen und Performances nahm Sagri an Adam Szymczyks umstrittener Documenta 14 in Athen und Kassel teil.

„In Braunschweig haben wir eine Überblicksausstellung über Sagris Installationen der letzten zehn Jahre gemacht, wie es sie noch gar nicht gab“, erzählt Lehnert. In Frankfurt wird sie daran anschließen. Im April zeigt der Portikus eine Fortsetzung der Braunschweiger Georgia-Sagri-Ausstellung. „Es ist keine reine Übernahme“, betont Christina Lehnert. Es werde diverse Performances von Georgia Sagri geben, kündigt die Kuratorin an. Die Schau soll sich zudem während der Laufzeit verändern. In der Wandelbarkeit sieht Lehnert ein „interessantes Ausstellungsmodell“. Dieses Prinzip hat ihr Vorgänger Fabian Schöneich schon Ende 2016 ausprobiert. Die Gruppenausstellung „House of Commons“ veränderte kontinuierlich ihre Gestalt. Mit ihrer Arbeit wolle sie an die gute Qualität des Portikus anknüpfen, beteuert Christina Lehnert. Gleichwohl werde sie „automatisch Dinge anders machen“.

Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sind für Lehnert „eher Projekte als Präsentationen“. Sie entstehen in einem Kommunikationsprozess, der zwangsläufig „Diskussionen, Einschränkungen und Kompromisse“ mit sich bringe. „Ich arbeite sehr gerne sehr eng mit Künstlern zusammen“, betont Lehnert. Das hat auch sehr konkrete Auswirkungen. Sie müsse gleich noch mit Georgia Sagri skypen, sagt Lehnert. Ihre Aufgabe als Kuratorin sieht sie darin, Künstlern etwas zu ermöglichen, bei der Umsetzung ihrer Projekte mitzuhelfen. Dabei möchte Lehnert „kein strenges thematisches Korsett schnüren“. „Die Positionen der Künstler müssen sich entfalten können“, führt sie aus.

Ausreizen, was geht

Frankfurt sei für sie eigentlich kein Neuland, sagt Christina Lehnert dann noch. Die Frankfurter Kunst- und Kulturinstitutionen, so zum Beispiel das Museum für Moderne Kunst (MMK), kenne sie ganz gut. Es gebe auch persönliche Verbindungen. Auf komprimiertem Raum biete die Stadt „eine sehr weitgefächerte Museums- und Ausstellungswelt“, resümiert Lehnert. Auf die abschließende Frage, was sie sich für die nächsten drei Jahren vornehme, antwortet die Kuratorin: „Das Thema Ausstellung auszureizen, zu schauen, was geht und was nicht, das fände ich interessant.“

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