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Ausstellung im Portikus: Künstlerin Georgia Sagri ist immer auf der Suche – auch in Frankfurt

Von Der Frankfurter Portikus zeigt eine Retrospektive des vielfältigen Werks von Georgia Sagri. Die Ausstellung der 1979 geborenen Griechin wird dabei selber zur Performance.
Gerümpel? Nein, Kulissen für Georgia Sagris Kunst. Foto: Helena Schlichting Gerümpel? Nein, Kulissen für Georgia Sagris Kunst.
Frankfurt. 

Für die Documenta 2017 fertigte sie 28 Skulpturen und „Atem-Partituren“, die identisch in Kassel und Athen zu sehen waren. Auf der Manifesta 2015 protestierte sie gegen die Ausbeutung von Künstlern, die – unentgeltlich – in kleinen Filmen für die Veranstaltung werben sollten. Immer ist ihre Kunst sehr gegenwärtig und nimmt Stellung zu aktuellen Themen. Sie scheut sich nicht, politisch zu sein. Und dennoch bleibt immer bei sich, gleich, in welchem Medium sie auch arbeitet: Skulptur, Performance, Video, Fotografie – Georgia Sagri ist auf vielen Pfaden unterwegs.

Spiel ohne Grenzen

Der Portikus zeigt nun eine Retrospektive, die verschiedene Werkgruppen vorstellen will. Hier stehen etwa ein Quadratmeter große massive Betonpodeste, wie sie Sagri schon während ihrer Studienzeit an der Columbia University New York gegossen hat, um darauf zu performen. Dort stehen Teile der Figuren, die auch in Kassel und baugleich in Athen zu sehen waren: große Kunststoff-Menschenteile auf rustikalen Eisenstangen. Ferner sind Videos von ihr zu sehen: Eines dokumentiert eine gemeinsame Bewegungsperformance mit einer Bankerin, bei dem die beiden Akteurinnen, die sich sonst wohl nie begegnet wären, einander kennenlernen.

All das sind Werke, die den Raumbegriff erweitern: So, als wolle hier ein Ich mit anderen Ichs verschmelzen, an deren Erfahrungen teilhaben und diese umgekehrt am eigenen Erleben partizipieren lassen. Diese Art der Entgrenzungskunst treibt Georgia Sagri bewusst an Grenzen: Indem sie Performances wiederholt, die sie vor Jahren erfand, verschiebt sie sie in Raum und Zeit. Und indem sie ein großes Schranklager mit ihrer Kunst füllt, die man ausleihen darf, erweitert sie den Ausstellungsort. Wer solch ein Kunstwerk mitnehmen will, muss eine kurze Begründung sowie seine Adresse angeben, und außerdem garantieren, dass das Kunstwerk zu bestimmten Zeiten zu besichtigen ist. Zahlreiche Städel-Studenten haben davon schon Gebrauch gemacht. So tourt die Ausstellung, und wer auf dem Laufenden bleiben will, ist gut beschäftigt in den nächsten zwei Monaten. Was ist eine Ausstellung? Nicht unbedingt ein räumlich fixiertes Event, wenn es nach Sagri geht. Ihre zumindest ist Rückblick und Work in Progress zugleich. Auf der Internetseite des Portikus findet sich ein Plakat, das etliche Workshops, Konzerte, lyrische Lesungen, politische Manifestationen und natürlich Performances ankündigt.

Wer all dies verfolgt, kommt Georgia Sagri näher, lernt ihr Umfeld kennen: die Menschen, mit denen sie umgeht, die Musik, die sie hört, die gesellschaftlichen Ideen, die sie umtreiben. Indem man darin eintaucht, wird man Teil dieses Kosmos, der einen trägt und verändert, so wie man selber diesen Sagri-Kosmos verändert.

Bei all seinen verwirrend zahlreichen Erzählsträngen ist dies vielleicht die allgemeinste und tiefste Ebene, auf die die Künstlerin zielt: Im Austausch vervielfältigen wir uns, nehmen Teil an der Umwelt, überwinden die Vereinzelung, werden zu sozialen, nicht eindimensional fassbaren Wesen. Was geschieht da, wenn das Ich zum Teil eines anderen wird?

Jeder ist angesprochen

Sagri gibt keine endgültigen Antworten, sondern tastet sich voran, so wie auch ihre Kunst eine suchende ist, die sich stets neu ausprobiert: Ihre Retrospektive deutet die Künstlerin als Austausch von Raum und Zeit. Nicht darum, ewige Kunst zu schaffen, geht es, sondern dem Vergänglichen einen Sinn abzutrotzen. Die Alltagsmaterialien wirken gebraucht, Beton, Kunststoff, Gestänge, rohes Holz verleihen dem übervollen Raum eine barrierefreie Aura. Als Ich im Titel „Sagri and I“ darf sich jeder angesprochen fühlen.

 

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