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Neuer Til Schweiger-Film: Liebesgrüße aus Moskau

Til Schweiger begibt sich in dem Actionthriller „Tschiller: Off Duty“ nach James-Bond-Art auf Rachetour. Regie führte „Tatort“-Regisseur Christian Alvart.
Der Kriminalbeamte Tschiller (Til Schweiger) ist auf dem Roten Platz in Moskau angelangt. Er sucht seine entführte Tochter. Foto: Warner Bros. Ent. (Warner Bros. Ent.) Der Kriminalbeamte Tschiller (Til Schweiger) ist auf dem Roten Platz in Moskau angelangt. Er sucht seine entführte Tochter.

Den ersten kleinen Triumph feiert Til Schweiger gleich in der ersten Sekunde: Er ist ihn endlich los, den von ihm so ungeliebten „Tatort“-Vorspann: Statt dem blauweiß blinkendem Fadenkreuz und der vertrauten Klänge von Klaus Doldinger gibt es harten Rap auf die Ohren. Was Schimanski anno 1985 mit „Zahn um Zahn“ recht war, ist Nick Tschiller nun billig: der „Tatort“-Sprung vom Fernsehschirm auf die Kinoleinwand. Hatte Götz George dafür die üblichen 90 Minuten Zeit, gönnt Schweiger sich 45 Minuten mehr sowie ein Budget von acht Millionen Euro. Das Ergebnis bietet imposante Schauwerte und furiose Action. Da kommen bisweilen durchaus James-Bond-Gefühle auf, ein Quantum „Tatort“-Trost gewissermaßen.

Beim Hightech-Schnickschnack oder den eleganten Outfits kann der deutsche LKA-Beamte mit dem britischen Agenten zwar nicht mithalten, in der lässigen Leinwandpräsenz sowie beim Erobern geheimnisvoller Schönheiten zieht er aber gleich. Im Unterschied zum letzten, ziemlich zugeknöpften Bond-Darsteller Daniel Craig zeigt Tschiller sich dabei ganz traditionell noch oben ohne. 007 statt 0815 heißt es zudem bei den Verfolgungsszenen, sei es bei der recht bleihaltigen Flucht über den Dächern von Istanbul oder der wilden Hatz durch die Straßen von Moskau. Statt eines Panzers, wie einst Pierce Brosnan, nutzt Schweiger als überdimensionales Gefährt einen .......: Diese Pointe sei hier nicht verpetzt. Große Geheimnisse der Handlung wären indes kaum auszuplaudern. Der Plot passt auf einen Bierdeckel, die Figuren purzeln aus der Klischeekiste. Doch das Genre kommt ganz gut ohne komplexe Konstruktionen aus. Hauptsache Spannung, Action und Atmosphäre laufen auf Hochtouren. Die Tschiller-Tochter Lenny (überzeugend gespielt von Schweiger-Tochter Luna) gerät in die Fänge mafiöser Mädchenhändler. Der Hamburger Kommissar außer Diensten („Off Duty“) nimmt prompt die Verfolgung auf. Nach einem Zwischenstopp in Istanbul, wo Tschiller alte Erzrivalen und verloren geglaubte Verbündete trifft, führt die heiße Spur in die russische Hauptstadt, ins Zentrum der Macht. Natürlich darf bei dieser „Mission: Impossible“ des Ermittlers bewährter Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) nicht fehlen. Im Fernseh-„Tatort“ längst zum heimlichen Publikumsliebling aufgestiegen, darf Yardim seine Position als lakonisch komischer Sidekick hier erheblich ausbauen. Schweiger lässt sich so bereitwillig die Comedy-Show stehlen wie einst von Dieter Hallervorden in „Honig im Kopf“. Klar, dass diese Bad-cop/Funny-cop-Konstellation zur Gaudi des Zuschauers gerät. Mit seiner selbstironischen Leichtigkeit taugt Yardim auch für politische Spitzen. „Der trifft sich mit Angela und geht mit Putin nackt Bären reiten“ beschreibt er einen bösen Oligarchen.

Tschiller: Off Duty

Tatort-Kriminalhauptkomissar Nick Tschiller und sein Partner Yalcin Gümer haben bisher die Verbrecher in Hamburg gejagt. Jetzt will sich Tschiller eine Auszeit nehmen, doch aus dem Plan wird nichts. Denn selbst im Urlaub kann er seinen Beruf nicht vergessen und so befindet er sich schon bald auf einer Odyssee durch halb Europa.

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Selbst ohne Einsatz von Schlagersängerin Helene Fischer schickt Schweigers Stammregisseur Christian Alvart seine Beteiligten mit einem anspruchsvollen Actiontrommelfeuer atemlos durch die Nacht – temporeich und atmosphärisch dicht. Das Thema Selbstjustiz, auch jenseits politischer Korrektheit, so gänzlich unreflektiert und ohne Brüche zu belassen, bleibt allerdings eine vertane Chance des Drehbuchs. Auch darin ergibt sich eine Schnittmenge zu 007. Vom dumpfen Papa-rächt-Tochter-Krimi à la „Taken“ ist „Tschiller: Off Duty“ immerhin weit entfernt. Neben dem versenkten „Tatort“-Vorspann bleibt Til Schweiger im übrigen noch ein weiterer Triumph: Die übliche Zuschauer-Häme mittels Twitter, die sonst die sonntäglichen TV-Ausstrahlungen im Sekundentakt begleitet, hat im Kino keine Chance. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinestar, E-Kinos, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Hanau: Kinopolis. Mainz: Cinestar

 

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