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Gallus-Theater: „Liebster, ich dachte gerade an Kafka!“

Helen Körte inszenierte im Frankfurter Gallus-Theater eine Erzählung David Garnetts, unter dem Titel: „Denke ich an Kafka, werde ich zum Fuchs“.
Scherenhände und ganz viel Tüll: Fabelwesen bevölkern die Bühne des Gallus-Theaters. Foto: Copyright: SABINE LIPPERT Scherenhände und ganz viel Tüll: Fabelwesen bevölkern die Bühne des Gallus-Theaters.

Hundert Jahre nach dem „Bericht für eine Akademie“ (1917) des Affen Rotpeter, 102 nach Gregor Samsas „Verwandlung“ in einen Käfer (1915), sind beide Prosatexte Kafkas am Frankfurter Schauspiel zu sehen. Wie in Ergänzung zum 100. Tierverwandlungs-Jubiläum schummelt nun auch das „E9N“ Kafka in den Titel seiner jüngsten Premiere, denn auch Garnetts Roman „Dame zu Fuchs“ von 1922, den T. S. Eliot „genial“ fand, verhandelt in eigenen, poetisch-fantastischen Tönen eine Metamorphose. Kafka wie Garnett schätzten übrigens Charles Darwin, dessen Gesetz des Artenwandels zum Hintergrund beiträgt.

Die Geschichte geht so: Die Gutsbesitzersfrau Silvia Fox Tebrick wird beim Spaziergang unversehens zur Füchsin. Sie und ihr Mann kommen mit der neuen Lage bald zurecht: Richard hält ihr Los geheim und schützt sie, Silvia bewahrt sich die innere Menschlichkeit und spielt mit ihm Karten. Dann nehmen doch die Tierinstinkte überhand: sie flieht, findet einen Fuchsrüden und wirft Welpen. Das Frühjahr kommt, Richard gewöhnt sich auch daran. Zuletzt fällt die „Dame zu Fuchs“ Jagdhunden zum Opfer. Mühsam findet Richard zurück unter Menschen.

Tierfabel und Slapstick

Helen Körte bleibt dem Prinzip Gesamtkunstwerk von musikalisch-grotesken Zügen und inneren Wandlungsprozessen treu wie je. Mild leuchtender (Musiker-)Humor war immer ein Hauptzug ihrer Arbeit, also liegen ihr Garnetts größere Leichtigkeit im Vergleich zu Kafka und das ironische Verhältnis von Mensch und Tier, Tierfabel und Tierpsychologie. Hier und da scheint in Sätzen wie „Liebster, ich dachte gerade an Kafka!“ oder: „Gott sei Dank hat sie sich nicht in einen Käfer verwandelt!“ noch der Titelgedanke auf.

Meist aber kommen neben dem wie gemalten tänzerischen Spiel Original-Zeichentrickfilme (Leonore Poth, Jörg Langhorst und andere) sowie Slapstickmittel zum Einsatz. Das verleiht dem Abend vielfach geradezu kindliche Züge. Vom Spiel mit Zeitlupe und Zeitraffer bis zum Fährtenaufnehmen am degoutanten Publikum wird das Humorige privilegiert.

Eine eigene, stützende Bild-Geschichte erzählen Bühne und Kostüme. Wilfried Fiebig setzt vielteilige, von Deckenschienen hängende Objekte aus leichten Materialien wie Plexiglas, Leichtmetallrohren und so weiter ein, die in Margarete Berghoffs Kostüme ausstrahlen.

Schrille Kostüme

Dinge wie eine kleine „Drehbühne“ aus spiegelndem Blech auf Rollen oder gepaarte Schirmschalen, die wie Muscheln „sprechen“ dürfen, ergänzen das. Auch assoziiert Fiebig die gestrenge Amme in einen vorgehaltenen Bildrahmen hinein, der sie uns in aller Autorität der Altvorderen wie auf einem Porträt von anno dunnemals zu sehen erlaubt.

Die Kostüme sind zumeist hell und gerne weiß gehalten, wobei die gewohnt überzeugende Raija Siikavirta als Mrs. Fox im weiblichen Blumen-Sommerkleid mit Perücke loslegt, um erst als Füchsin ihr blondiertes Kurzhaar zu zeigen und eine rote Fuchshaut voll schwarzgrauer Fellpartien zu tragen. Ihr Gegenüber Mr. Tebrick (Michael Fernbach) hält im weißen Anzug mit Quadratstreifen gut mit. Da Körte der Stich ins Fabelhafte nicht entgeht, besetzt sie ein Trio von Fabelwesen (Karthaus, Linde, Mendez), die je nachdem in bräutlichem Weiß und Tüll mit zeichenhaften Applikationen oder in Sträflingsstreifen mit Badekappe spielen. Mit „Scherenhänden“ à la Stephen King und Freddy Krueger betreten sie die Bühne. Auf Steckenpferden mit Jägerjacke und Reiterhelm oder auch ohne markieren sie die Jagdgesellschaft, mit Beffchen den Calypso tanzenden Pastor und immer so fort.

Das ziemlich bunte Musikalische bestreitet Elvira Plenar an Klavier und Tasten, dazu kommen Einspielungen vom romantischen Lied über den Popsong, seltsamem Kopftongesang, tänzerisch begleiteten Cancan und kirchlicher Orgelmusik. Das Ganze voller Wärme, Humor, Affekt und einer gewissen Gewitztheit.

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