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Fotografie-Ausstellung in Frankfurt: Macht Arbeit glücklicher als Freizeit?

Von Im Eschborner „Cube“ zeigt die Photography Foundation des Unternehmens eine Ausstellung aus ihrer Fotosammlung mit mehr als hundert Bildern.
Karl Hugo Schmölz fotografierte 1958 im Kölner Rathaus.	Abb.: Salg., Cox, DB Foto: Fotowerkstätte Hugo Schmölz Karl Hugo Schmölz fotografierte 1958 im Kölner Rathaus. Abb.: Salg., Cox, DB
Frankfurt. 

Der Mensch ist, was er isst, sagen die einen. Er ist, was er denkt, sagen andere. Und wieder andere (Sartre war der Prominenteste unter ihnen) behaupten, der Mensch sei, was er tut. So verschieden diese Kürzest-Überzeugungen sind: Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie die Zufälligkeit des Daseins betonen. Denn der Mensch isst, denkt und tut ja nicht immer dasselbe. Und ob dies oder jenes, verdankt sich den Umständen – dem Land, in dem er geboren wird, der Zeit, in der er aufwächst.

Die neue Ausstellung der Deutschen Börse in Eschborn versammelt fotografische Arbeiten aus der eigenen Sammlung, die sich dem Thema Arbeit und dem der Freizeit nähern. Und damit in diesem wirklich sehr weiten, nämlich weltumfassenden Feld wenigstens etwas Ordnung herrscht, hat es Anne-Marie Beckmann ordentlich aufgeteilt: Im Erdgeschoss des Eschborner „Cube“ die Arbeit, im Obergeschoss die Freizeit.

Sebastiao Salgados Aufnahme „Gold Mine“ aus Brasilien, 1986. Bild-Zoom
Sebastiao Salgados Aufnahme „Gold Mine“ aus Brasilien, 1986.

Natürlich darf ein Gursky in einer Börsenausstellung nicht fehlen. Erstens gehört seine Fotografie vom „Chicago Board of Trade“ zu den ersten, die die Sammlung nach ihrer Gründung 1999 erwarb, und zweitens packt die sinnfällige Überdrehtheit auf dem Börsenparkett, die der Fotograf noch einmal steigerte, indem er zwei Bilder ineinander schob und sie so verdoppelte, den Betrachter auch heute noch: Seit der Kauf und Verkauf von Wertpapieren vorwiegend digital stattfindet, haben sich die Handelssäle auf dieser Welt beruhigt. Und doch ist uns das Bild aufgeregter und lauthals rufender Händler eingebrannt wie ein Sinnbild der modernen Finanzwelt, das immer noch gilt.

Gleich schräg gegenüber hat Kuratorin Beckmann Fotografien von Sebastião Salgado gehängt: ein immens geschickter Schachzug. Denn Salgado, selber im brasilianischen Minas Gerais geboren, ist für sein großes „Workers“-Projekt sechs Jahre lang durch die ganze Wel gereist und hat arbeitende Menschen fotografiert – und unter anderem schwer schuftende Tagelöhner in der Goldmine Serra Pelada. Verschiedenere Welten als die der Goldschürfer und die der Männer mit den weißen Krägen auf dem Börsenparkett kann man sich kaum vorstellen – und doch haben sie etwas gemeinsam: Die einen wie die anderen arbeiten im Warentermingeschäft.

Lachen oder weinen?

Längst ist Usus, dass sich die Fotografie als Kunstgattung nicht mehr hinter der Malerei verstecken muss. Auffallend unterscheiden sich die beiden darin, dass die Fotografen für ihre Motive oft weite Reisen unternehmen. Die Ausstellung im Eschborner Cube spiegelt auch diese Weltläufigkeit.

Es ist ein wahrlich universelles Panorama, das „Work & Leisure“ aufreißt, manchmal heiter, manchmal ernst – und oft beides zugleich. So, wenn sich Martin Liebscher in unzähligen Performer-Posen aufs Börsen-Parkett zaubert. Heiter, wenn sich der 1976 geborene Slavomir Elsner in unterschiedlichen Berufsuniformen selber ablichtet – als Kellner, Bademeister, Blumenverkäufer oder Polizist. Auch hier wieder die Frage: Was ist der Mensch, und wenn ja, wie viele? Ernst und heiter ist auch Matthias Kloses Serie von Pausenräumen deutscher Unternehmen. Oft genug geradezu fahrlässig zusammengeschustert aus uraltem Restmobiliar und entsprechenden Bildern, tun sich nicht selten ästhetische Abgründe auf. Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll: Wer in diesen Räumen Pause macht, kann sich einer Depression wohl nur durch Abgestumpftheit entziehen.

Melancholie des Alltags

Auffallenderweise zeigt die „Leisure“-Abteilung der Schau nicht das heiter-strahlende Gegenteil der harten Arbeitswelt unten, sondern ist ebenso wie diese von kräftigen melancholischen Farben durchzogen. Simon Roberts ist durch Russland gereist, zeigt ein junges Paar beim Picknick am müllübersäten Strand oder porträtiert zwei Kinder, aufgestellt zum Leistungstanz, mit nicht gerade glücklichen Gesichtern.

Mitch Epstein ist von der amerikanischen East- zur West-Coast gefahren und hat den American Way of Life erkundet. Aber auch der ist von Regen und Melancholie durchzogen, als komme dem Menschen die Gefasstheit, die ihm seine Arbeit gibt, in der Freizeit leicht abhanden.

Ein vielfältiges Panorama aus mehr als hundert Bildern, quer durch die Welt und viele Kulturen.

 

Deutsche Börse, Mergenthalerallee 61, Eschborn Anmeldung per E-Mail unter www.deutscheboersephotographyfoun-dation.org. Tel.: (069) 21 11 40 60. Nächste Führung am 17. Mai, weitere am 2., 13., 29. Juni, 14. und 25. Juli sowie 9. und 21. August, jeweils 18 Uhr. Weitere Termine für Gruppen nach Absprache möglich.

 

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