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Jean Michel Jarre in Frankfurt: Magische Klangmomente im Laserlicht

Facettenreich runderneuert präsentierte sich der französische Elektronik-Pionier Jean Michel Jarre in der Frankfurter Festhalle.
Alchemist an den Tasten: Jean Michel Jarre. Foto: Sven-Sebastian Sajak Alchemist an den Tasten: Jean Michel Jarre.
Frankfurt. 

Wer die 60 überschritten hat, gilt als menschliche Altlast. So ein Satz wirkt angesichts des im Rampenlicht der Festhalle ohne Peinlichkeit fröhlich umherhüpfenden und sein Publikum stimulierenden Jean Michel Jarre völlig abwegig.

68 Jahre alt ist der französische Elektronikpionier im August geworden. Nichts an dem ganz in Schwarz gekleideten agilen Performer wirkt auch nur annähernd so, als hätte er die Linie zum Pensionsalter schon überschritten. Auf einer mit analogen alten wie digital neuen Gerätschaften bestückten, von unten angeleuchteten Kanzel thront Jarre in der Bühnenmitte. Rechts und links hantieren, umgeben von Equipment, seine multiinstrumentalen Assistenten Claude Samard Polikar und Stephane Gervais. Hier wird noch alles handgemacht, nicht per Knopfdruck aus der Konsolenkonserve abgerufen. Mögen jüngere Kollegen dazu neigen, es sich einfach zu machen. Jean Michel Jarre, der seine künstlerische Laufbahn als Gitarrist der Band „The Dustbins“ startete, kann gar nicht anders, als selbst Hand anzulegen. Wie versiert er das tut, zeigen auf übergroßen LED-Projektionsflächen nicht nur seine gelenkige Fingerarbeit an den schwarz-weißen Tasten, sondern auch der gelegentliche Griff zu E-Gitarre, Umhängekeyboard oder sein Spiel auf der bis zur Hallendecke in die Höhe ragenden Laserharfe.

Dank „Electronica 1: The Time Machine“ und „Electronica 2: The Heart Of Noise“, ein zweiteiliges Albenprojekt mit Beiträgen internationaler Größen wie „Air“, Laurie Anderson, Lang Lang, Moby, „Massive Attack“ oder Pete Townshend, gelang dem Sohn von Filmkomponist Maurice Jarre ein glanzvolles Comeback. Ein Großteil dieses Materials integriert sich mit überarbeiteten Auszügen aus den Durchbruchswerken „Oxygène“ (1976) und „Équinoxe“ (1978). Vor allem letztere werden von der anfänglich noch reservierten Rhein-Main-Fangemeinde stürmisch begrüßt. Doch sind es aktuellere Arbeiten, die einen ebenso großen Aha-Effekt hervorrufen wie der zeitweise Einsatz von Lasertechnik mit dreidimensionalen Projektionen in der Kuppel der Festhalle

Jean Michel Jarre gibt den hartkantigen „Conquistador“, haut auf die Zwölf mit „The Architect“, spinnt sein Netz als enigmatischer „Web Spinner“ und lädt ein zum gigantischen Laserharfen-Trip in „The Time Machine“. Aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt das Publikum, als beim harschen Cyber-Punk von „Exit“ plötzlich das Gesicht von Mitautor Edward Snowden übergroß auftaucht. Jarre, der den Exilanten in Russland besuchte, hält große Stücke auf den wagemutigen Snowden: „Leute wie er kämpfen für die Wahrheit“.

Wach wird das Publikum, als die trickanimierten Köpfe der „Pet Shop Boys“ im gemeinsam komponierten „Brick England“ zum Tanz auffordern. Zwei Zugaben hält das zum Finale frenetisch umjubelte und mit kollektivem Fußstampfen geehrte Trio parat: Auf „Oxygène Part 17“, Teil der erst im Dezember erscheinenden CD „Oxygène 3“, folgt das mit Armin van Buuren konzipierte „Stardust“.

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