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Frankfurter Fotografie-Forum: Magnum-Fotograf Bruno Barbey blickt auf die Welt

Der mittlerweile 76 Jahre alte Magnum-Fotograf Bruno Barbey hat alle Kontinente bereist und Kriege oder Katastrophen gesehen. Immer aber hat er nur den Menschen im Blick. Jetzt sind seine Bilder im Frankfurter Frankfurter Fotografie-Forum zu sehen.
Einen Blick ins Innere des „Moulay Ismael Mausoleums“ im marokkanischen Meknes gewährt diese Aufnahme von Bruno Barbey aus dem Jahr 1985. Foto: Bruno Barbey (Magnum Photos) Einen Blick ins Innere des „Moulay Ismael Mausoleums“ im marokkanischen Meknes gewährt diese Aufnahme von Bruno Barbey aus dem Jahr 1985.
Frankfurt. 

Die Straße kann bekanntlich auch als Bühne dienen, auf der man halb natürlich, halb theatralisch flaniert. Niemand beherrscht das besser als die Italiener. Das erkannte Bruno Barbey intuitiv, als er von 1961 bis 1964 das Land bereiste, um den „Geist einer Nation“ mit der Fotokamera zu dokumentieren. Mit einer Auswahl dieser frühesten Bildserie des inzwischen weltberühmten Franzosen beginnt der Rückblick auf sein Werk im Frankfurter Fotografie-Forum. Es handelt sich um die erste deutsche Retrospektive Barbeys mit 100 Bildern in Schwarz-Weiß und Farbe aus seinem 55 Jahre währenden Schaffen.

Die bis 14. Januar 2018 dauernde Schau ist ein Beitrag zum diesjährigen Ehrengastprogramm „Frankfurt auf Französisch“ der Buchmesse. Der Ausstellungstitel „Passages“ spielt darauf an, dass der nunmehr 76-Jährige als rastloser Fotoreporter wohl alle Flecken dieser Erde gesehen hat. Bruno Barbey war vor allem dort, wo Kriege und Katastrophen herrschten.

Feines Gespür

Aber er zeigt nicht die Toten und Verletzten, sondern den Schrecken, den die Menschen erleiden. Folglich versteht er sich nicht als Kriegsreporter, vielmehr als Chronist des Weltgeschehens und der Menschen, die das stete Auf und Ab einerseits erleben, anderseits auch teilweise mitgestalten.

So idyllisch wie im Italien der frühen 60er Jahre blieb es nicht lange, wie der Rundgang zeigt, vom Vietnamkrieg über Polen in den 80er Jahren, dem Krieg zwischen Irak und Kuwait 1991 bis nach Japan, Indien, Bangladesch, China und Brasilien. Schnell wird klar, dass Barbey ein feines Gespür für präzise Fotos hat, die mal poetische, mal politische Geschichten erzählen. Die Pariser Studenten fassen sich nämlich am 10. Mai 1968 nicht zum harmlosen Ringelpiez an den Händen, sondern lassen Pflastersteine von Hand zu Hand gehen, die dann auf alles geworfen wurden, was mit der Vorstellung von Establishment verbunden war, vom Juwelierladen bis zur Polizei.

Damals war Barbey zufällig zu Hause in Paris – und ist noch heute schockiert von der rohen Gewalt. Das sagt ein Mann, der viel Leid und Elend gesehen hat, aufgewachsen in Marokko, wo er die ersten 14 Lebensjahre verbrachte, da sein Vater als französischer Beamter dort arbeitete. Später studierte der Sohn Fotografie und Grafik an der renommierten Hochschule im schweizerischen Vevey. Doch das Studium war seine Sache nicht. Er wollte die Welt entdecken und sie aus anderer Perspektive zeigen, aber nicht als Missionar oder Pädagoge.

So fuhr er ohne Auftrag nach Italien, was ihm neben vielen Abdrucken in wichtigen Magazinen auch die Mitgliedschaft in der berühmten Fotoagentur „Magnum“ einbrachte – mit gerade mal 27 Jahren!

Farben der Kindheit

Damals war die Zeit der großen Fotoreportagen, die in Kriegsgebieten nur von einer Handvoll Journalisten gemacht wurden. Man kannte und half sich gegenseitig. Doch 1971 war Barbey im Nordirland-Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten ganz allein auf sich gestellt. Aber auch bei diesen Straßenschlachten gelang ihm die schwierige Balance zwischen Distanz, Nähe und Empathie. Der Fotograf selbst sieht seine Arbeit als „Rendezvous mit der Geschichte“, für den Betrachter ist es der anschaulichste Unterricht in Geschichte.

Und die ist bestens dokumentiert, denn von fast jeder Reise machte Barbey später ein Buch, über Kenia und Kuwait, Neapel und Nigeria, Polen und Portugal. Und er reist mehrmals in diese Länder und Städte, um den Wandel festzuhalten. Auch derzeit ist er wieder in China unterwegs, das er erstmals 1973 besuchte. Sein neuestes Foto in der Ausstellung stammt von einem Bierfestival in der östlich gelegenen Hafenstadt Qingdao. Die Menschen auf dem Bild von 2015 unterscheiden sich in Kleidung und Habitus nicht sehr von der westlichen Welt. Ganz anders das Foto daneben mit Arbeitern einer Metallfabrik in ihrer blauen Arbeitskleidung vor einem Propaganda-Wandbild – welch ein Wandel von 1973 bis 2015!

Barbeys große Liebe gilt jedoch Marokko, wie die eher harmonischen Bilder verraten. Dort findet er „die Gerüche und Farben der Kindheit wieder“, so der Fotograf. Das ist freilich nicht ganz einfach zu dokumentieren, denn in Marokko wird, wie in zahlreichen islamisch geprägten Ländern, das öffentliche Fotografieren nicht gern gesehen. Aber Bruno Barbey findet Mittel und Wege, um ein schönes Ornament und das grandiose Tageslicht unauffällig einzufangen, inmitten von Menschen. Das Leben auf der Straße ist eben auch in Marokko eine Bühne.

Fotografie-Forum Frankfurt

Braubachstraße 30–32, 1. Stock.
Bis 14. Januar 2018. Geöffnet dienstags und donnerstags bis sonntags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr.
Eintritt 6 Euro. Telefon (069) 29 17 26.
Internet www.fffrankfurt.org

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