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Ausstellung in Frankfurt: Malerin Hélène de Beauvoir: Sogar Picasso lobte sie

Von Bis Ende Januar zeigt die Frankfurter Kunstgalerie Hanna Bekker vom Rath in ihrer Ausstellung „La force des choses – Der Lauf der Dinge“ Gemälde von Hélène de Beauvoir.
Bedrohlich kragt die gelbe Baggerschaufel ins Bild: 1975 entstand Hélène de Beauvoirs Gemälde „Klagelied über den Tod eines Waldes“ – zu einer Zeit also, als in Frankreich das Thema Waldsterben im Vergleich zu Deutschland noch kaum präsent war.	Abb.: Hirmer-Verlag, dpa Bilder > Bedrohlich kragt die gelbe Baggerschaufel ins Bild: 1975 entstand Hélène de Beauvoirs Gemälde „Klagelied über den Tod eines Waldes“ – zu einer Zeit also, als in Frankreich das Thema Waldsterben im Vergleich zu Deutschland noch kaum präsent war. Abb.: Hirmer-Verlag, dpa
Frankfurt. 

Hélène de Beauvoir ist die kleine Schwester, und sie wird es immer bleiben. Sie wurde 1910 geboren, zwei Jahre nach Simone de Beauvoir, der großen Frauenrechtlerin, Vordenkerin und Vorleberin der Emanzipation („Das andere Geschlecht“) und Gefährtin des existenzialistischen Philosophen Jean-Paul Sartre. Sie erreichte nie deren Berühmtheit, was vielleicht daran liegt, dass sie weniger offensiv auftrat. Und ihr Glück nicht im freien Wort, sondern in der – oft rätselhaften – bildenden Kunst suchte.

In diesem Metier aber hat sich Hélène de Beauvoir bewundernswert eigenständig entwickelt. Rastlos experimentierte sie, scheute kein Risiko, ließ sich nicht festlegen auf einen Stil. Tag für Tag trat sie mutig für ihr Recht auf Selbstverwirklichung ein – welch ein großes Wort. Und doch nicht unberechtigt, lebte sie doch an der Seite ihres Mannes, mit dem es sie für Jahre ins Ausland verschlug. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich 1940 lebten die beiden fünf Jahre im portugiesischen Exil. Wien und zum Schluss das Elsass – ihr Mann Lionel de Roulet hatte einen Posten in Straßburg – waren weitere Stationen. Simone de Beauvoir kritisierte sie später stark für diese Art der weiblichen Anschmiegsamkeit. Hélènes Rebellion aber war es, in all diesen Jahren nie von der Kunst zu lassen, Tag für Tag zu malen. Das war es, was sie erfüllte. 1936 hatte Picasso eine Ausstellung von ihr besucht und die zitternde Künstlerin gelobt. Von dieser Begegnung zehrte sie ein Leben lang.

Trotz Phasen der Eifersucht war die schwesterliche Bindung immer eng. Als Simone im Jahr 1932 als Lehrerin in Marseille arbeitete, verbrachte Sartre viel Zeit mit Hélène. Die ältere Schwester erheiterte das nicht, zumal sich Sartre, neben dem Schreiben und der Philosophie, nicht unerheblich auch für die Kunst der damals noch unbekannten Malerin interessierte.

Fünfstellige Preise

Ausstellungen hatte Hélène zu Lebzeiten etliche. Je älter sie wurde, desto erfolgreicher war sie. Dennoch blieb vieles aus ihrem Werk bis zu ihrem Tod weitgehend unbekannt. So schreibt es ihr ehemaliger Galerist Ludwig Hammer im Vorwort eines Bildbandes der Kunstkennerin Karin Sagner, den 2014 der Hirmer-Verlag herausgegeben hat („Das Talent liegt in der Familie“, 34,90 Euro). Und das ist wohl auch der Grund dafür, warum es auch jetzt, 15 Jahre nach Hélènes Tod 2001, noch so manches von ihr zu entdecken gibt.

Eine Mischung aus Bekanntem und bislang Unbeachtetem, aus Leihgaben sowie zu fünfstelligen Preisen erwerbbaren Gemälden zeigt bis Ende Januar die Frankfurter Galerie Hanna Bekker vom Rath. „La force des choses – Der Lauf der Dinge“ heißt der schöne Titel, der das Augenfälligste dieser kleinen, aus etwa 20 Werken bestehenden Schau umspielt: So verschieden wirken die Stile, die man hier sehen kann, dass es schwerfällt, sich vorzustellen, dass all diese Werke von derselben Person stammen sollen.

Da sind Bilder, die in vielen kleinen unterschiedlich starken Farbfeldern Bewegungen und Formen zeigen, in denen sich, je nach Blickweise, das Gegenständliche in Farbflächen auflöst oder sich Farbflächen zu einer bewegenden Gegenständlichkeit zusammenfinden. Dazu gehören etwa „Die Mäher“ von 1957 sowie auch eine aus dem gleichen Jahr stammende Venedig-Impression.

Ganz anders als diese Bilder wirken die rätselhaften „Pferde“, die Hélène de Beauvoir 1965 malte. Wenngleich auch diese vom Betrachter erst einmal aus der wilden Farbigkeit des Bildes herausgelöst sein wollen. In manchen ihrer Bilder tauchen Tiger auf, große, mächtig und zugleich nicht gefährlich wirkende Tiere, oft kombiniert mit Menschen. In „Grüner und blauer Tiger“ von 1972 liegt vorn im Bild eine nackte Frau, schutzlos. Weiter hinten sieht man die wilden Tiere, anderen Dingen zugewandt, als würde sie die leichte Beute nicht kümmern.

Weibliche Rollenbilder

Noch in einem Vortrag, den sie 1992 (!) vor der Deutsch-Französischen Gesellschaft hielt, hob Hélène de Beauvoir ausdrücklich hervor, dass sich die darstellenden Künste den Frauen nur langsam öffneten: Es gelte immer noch als ausgemacht, „dass die Frau nicht schöpferisch ist“. Das zeigt, wie sehr sie zeitlebens gegen weibliche Rollenbilder anzukämpfen hatte, möglicherweise auch und gerade an der Seite ihres politisch rührigen, aber wenig kunstsinnigen Ehemanns.

Auch wenn sie die leisen Töne bevorzugte: Kämpferisch war Hélène de Beauvoir zeitlebens, und vielleicht wurde sie es mit dem Alter und einer damit wachsenden Gelassenheit immer mehr. Sowohl in ihren wenigen schriftlichen Äußerungen als auch im rätselhaft-sanften Ton ihrer Bilder behielt sie sich vor, weniger eindeutig sein zu müssen, als es einem, der die Gesellschaft verändern will, angestanden hätte. Dass sie sich dabei dennoch immer wieder zur Politik durchrang, macht ein Gemälde wie das „Klagelied über den Tod eines Waldes“ deutlich: Im Zentrum sitzt eine trauergebeugte Gestalt, von links kragt grellgelb eine gezackte Baggerschaufel ins Bild, die Krallen eines tot am Boden liegenden Raben ragen starr in die Luft – höchst erstaunlich, denn in den 70er Jahren war das Waldsterben in Frankreich noch lange kein Thema.

 

Galerie Hanna Bekker vom Rath, Braubachstraße 12, Frankfurt. Bis 28. Januar 2017. Geöffnet Di–Fr 12 bis 18, Sa 12 bis 15 Uhr. Telefon (069) 28 10 85. www.galeriehannabekkervomrath.de

 

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