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Wagner in Wiesbaden: Mastbruch auf dem Geisterschiff

Von Zwei Bayreuth-Debütanten sangen Wagner, in einer Gala-Vorstellung mit Überraschungen des „Fliegenden Holländers“ bei den Wiesbadener Maifestspielen.
So hätte es aussehen sollen. Doch es kam zur Havarie. Foto: Lena Obst So hätte es aussehen sollen. Doch es kam zur Havarie.

Einzig das düstere Segelschiff des Fliegenden Holländers verpatzte seinen ganz großen Auftritt: In Michiel Dijkemas Wiesbadener Inszenierung kommt es dem Publikum seit der Premiere vor drei Jahren bedrohlich nahe, fährt im dritten Akt weit auf der Bühne vor, bis es über den Orchestergraben und sogar tief ins Parkett ragt. Nur eben diesmal nicht, bei der maifestspielwürdig formidabel besetzten Gala-Vorstellung der frühesten Bayreuth-Oper Richard Wagners.

Als sich das Schiff nach dem unverwüstlichen „Steuermann“-Chor in Bewegung setzte, brach nämlich ein Mast, und ein hellwacher Theatergeist warf zum Glück frühzeitig den Anker. Noch nie zuvor sei das passiert, sagte auf Nachfrage die Staatstheater-Sprecherin. Macht nichts, schließlich war die „Holländer“-Gala am Abend nach der Festspieleröffnung mit Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ ein vokales Großereignis, bei dem Bayreuth-Nähe, was keineswegs zwingend ist, vorwiegend Weltklasse-Niveau bedeutete.

Andreas Schager, der als Erik in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel debütieren wird, war bereits in Wiesbaden ein von Senta zugunsten des dämonischen Holländers verlassener Jäger, der mit tenoral-dramatischer Durchschlagskraft keine Kompromisse einging: ein grandioser Heldentenor als Anti-Held.

Dazu kommt die Senta der schwedischen Sopranistin Elisabet Strid, reif und reflektiert im Ausdruck, frisch und sinnlich besonders in ihrer Ballade vom Holländer. Die Bayreuth-Debütantin des Jahres 2013, seinerzeit Freia im „Rheingold“, war im Doppel mit Gerd Grochowskis Holländer der souveränere Teil. Auch der Bassbariton, zu einer flachen Stimmführung neigend, wird in Bayreuth debütieren, als Klingsor im „Parsifal“, den Wiesbadens Intendant Uwe Eric Laufenberg dort in den kommenden Wochen einstudiert.

Albert Pesendorfer sang Sentas Vater Daland mit reiner und ungetrübter Bass-Wärme, Jeongki Cho den Steuermann frischer als Romina Boscolo die Mary, Sentas Amme. Aber auch Chor, Extrachor und Staatsorchester wirkten, trotz kleinerer Patzer der Blechbläser, unter der Leitung von Zsolt Hamar weit stabiler als noch in der Premiere. Langer, festspielwürdiger Applaus beschloss den Abend.

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