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Matisse im Studio: Künstler mit Sammelleidenschaft

Der französische Künstler Henri Matisse umgab sich im Studio und zu Hause mit Hunderten Objekten, die sein Werk beeinflussten. Eine Ausstellung in London gibt Einblick in die Verbindung von ästhetischer Sammlerlust und künstlerischem Schaffen.
In der Royal Academy in London werden Werke und Objekte ausgestellt, die sich in den Arbeiten von Henri Matisse gegenseitig beeinflusst haben. Bilder > Foto: Dominic Lipinski In der Royal Academy in London werden Werke und Objekte ausgestellt, die sich in den Arbeiten von Henri Matisse gegenseitig beeinflusst haben.
London. 

Für Henri Matisse war das Künstlerstudio ein Theater, seine zahlreichen gesammelten Objekte betrachtete er als Schauspieler, die in den unterschiedlichsten Rollen eingesetzt werden konnten. Mit seiner „Arbeitssammlung” reiste er von Ort zu Ort, und ließ sich bei Bedarf häufig das Notwendige nachschicken.

Die Ausstellung „Matisse in the Studio” (Matisse im Studio) in der Royal Academy (RA) in London untersucht die enge Verbindung zwischen privater Sammelleidenschaft und Gesamtwerk des Meisters der Klassischen Moderne. Sie wird an diesem Samstag (5. August) eröffnet und bis zum 12. November gezeigt.

Für Matisse (1869-1954), so heißt es in der Royal Academy, waren die von ihm geschätzten Gegenstände zugleich Thema und Inspiration. Um ihre Einbeziehung in sein Oeuvre zu verdeutlichen, hat die RA 65 Matisse-Gemälde, Plastiken, Zeichnungen und Scherenschnitte rund 35 Objekten gegenübergestellt, die immer wieder in seinen Werken auftauchen. „Wir wollen zeigen, welch entscheidende Rolle die Welt der Objekte in Matisse' meisterhaften Visionen von Farbe und Form spielte”, sagte Chefkuratorin Ann Dumas.

Zu seinen Lieblingsobjekten zählten eine geschwungene silberne Kakao-Kanne, die Matisse 1898 zur Hochzeit geschenkt bekam, eine andalusische Glasvase mit ausschweifenden Henkeln und ein muschelförmiger venezianischer Stuhl, die in Gemälden, Zeichnungen und Scherenschnitten immer wieder auftauchen. Ein kleiner römischer Torso, eine Buddha-Büste oder eine afrikanische Edelholzplastik werden überraschend in Blumengemälde oder Stillleben integriert.

Seine Begeisterung für afrikanische und orientalische Kunst als Alternative zur westlichen figurativen Darstellung teilte Matisse mit Picasso. Matisse schenkte dem Spanier ein Porträt seiner damals 13-jährigen Tochter Marguerite, das in seiner „Direktheit und Simplizität” stilistisch an afrikanische Masken-Plastiken erinnert.

Matisse ging es bei seinen um dekorative Elemente bereicherten Gemälden auch darum, den traditionell westlichen Fokus auf „eine Person als Hauptgegenstand” eines Werks aufzulockern. Sein Hauptziel war die „harmonische Einheit von Farbe und Form.”  

Wesentlichen Anstoß für seine Vertiefung in islamische Kunst, Architektur, Möbel und Textilien erhielt Matisse laut Dumas durch seine mehrfachen Besuche einer Ausstellung islamischer Kunst in München im Jahr 1910, die  ihn anschließend zu bahnbrechenden Reisen nach Spanien und Nordafrika führten. Ähnlich angeregt zeigte sich Matisse von chinesischer Kalligraphie als der „perfekten Verbindung von Bedeutung und Form”.

Etwa die Hälfte der gezeigten Objekte stammen aus Privatsammlungen und sind erstmals außerhalb Frankreichs zu sehen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Musée Matisse in Nizza und dem Museum of Fine Arts in Boston (USA) erstellt, wo die Schau von April bis Juli gezeigt wurde.

(Von Anna Tomforde, dpa)
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