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Ausstellung: Max Ackermann: Ein Pionier der Abstraktion

Von Die Frankfurter „Galerie“ im Grüneburgweg zeigt in ihren Räumen eine Max-Ackermann-Retrospektive quer durch alle Malphasen des Künstlers mit mehr als 85 Werken.
Komposition, Öl und Tempera, aus dem Jahr 1949. Komposition, Öl und Tempera, aus dem Jahr 1949.

Einmal notierte er sich: „Ich gelangte in meinem Zeichnungstagebuch vom Naturalismus über soziale Anklage und technische Ratio zum Zeitlosen im Dienst eines göttlichen Weltbildes. Hier stellte ich in Demut meine Kräfte in den Dienst einer Weltordnung. So führe auch ich die Schöpfung weiter, so forme ich am Weltgebäude . . .“ Max Ackermann (1887–1974) gilt als einer der Wegbereiter der Abstraktion in Deutschland, und doch gehört er in die Reihe derer, die noch entdeckt werden müssen. Er hat es sich nicht einfach gemacht in seinem Leben, zwei Weltkriege taten ein Übriges. Den ersten erlebte er als Landsturmmann, bis er nach zwei Jahren verwundet wurde, den zweiten verbrachte er in der inneren Emigration. Politisch links einzuordnen und zeitweise mit den Kommunisten liebäugelnd, was ihn Ende der vierziger Jahre um eine Professur brachte, machte er es sich im Leben nicht leicht. Er wusste das selber und tat doch nichts, um das zu ändern: Offenbar wollte er es so. Kein Einzelgänger war er, und doch ein zurückhaltender Mensch.

Straßenszenenfänger

In den zwei Stockwerken der Galerie im Grüneburgweg kann man nun einmal durch sein gesamtes Lebenswerk reisen. Mehr als 85 Werke aus allen Schaffensphasen sind hier versammelt und weitgehend chronologisch gehängt. Es ist eine Reise von großer Stringenz, obwohl sie durch zahlreiche Malstile führt. Die frühesten Werke zeigen einen dem Figurativen verpflichteten Maler, der sich faszinieren lässt von dem, was er auf deutschen Straßen sieht: „Arbeitslose“ (1920) etwa, eine Kohlearbeit. Oder „Hamburgs Amerika Linie (Im Auto und auf Krücken)“ (1923). Ackermann als Straßenszenenfänger und Zeitdiagnostiker und zugleich als Porträtist markanter Typen. Mit teils gar karikaturistischem Strich, wie man ihn in Zeitschriften der 20er Jahre pflegte, kommt er der Stimmung in den Weimarer Jahren auf die Spur: Mode spielt ebenso eine Rolle wie das Nachkriegselend, eine bewegte Zeit war es, der Ackermann dann ihre Charakteristika abrang.

„Universum befragt“, Ölgemälde, zwischen 1950 und 1955.  Abb.: Die Galerie Bild-Zoom
„Universum befragt“, Ölgemälde, zwischen 1950 und 1955. Abb.: Die Galerie

Doch dann, noch bevor die dreißiger Jahre begannen, eine Wende zum Abstraken: Nicht, dass Ackermann das Gegenständliche ganz aufgab – aber er verschlüsselte und verrätselte es, indem er es auseinander- und neu zusammenbastelte, ähnlich wie das etwa Picasso oder, ganz anders, Kandinsky unternahmen. Die Abbildung des Moments reichte dem Künstler nicht mehr aus. Auf der Suche nach einer überzeitlichen Allgemeinheit gewann die Kraft der Formen mehr und mehr Eigenleben.

Ein stetes Leben führte der junge Max Ackermann nicht. Nach einem Studium bei Henry van de Velde in Weimar ging er nach Dresden, später nach München zu Franz von Stuck, und fand erst in Stuttgart, wo er seit 1912 dem Schülerkreis von Adolf Hölzel zugehörte, eine Heimat, die freilich der Krieg alsbald zunichte machte. Von Raum zu Raum schreitend lassen sich in der Retrospektive immer wieder neue Perspektivwechsel des Künstlers nachvollziehen. Seine Inspiration von neuer Sachlichkeit und Jugendstil wird ebenso nachvollziehbar wie sein zunehmender Drang zur vom Inhalt befreiten Abstraktion.

Mut für neue Wege

In ihm, sagt Elke Mohr, die die Ausstellung kuratierte, schlummerte stets der Wunsch nach einem Gesamtkunstwerk. In der Tat kann man architektonische wie auch musikalische Inspirationen in seinem Werk entdecken – und eine sich immer wieder neu entzündende Lust am Experiment. Stehenzubleiben, Erprobtes zu wiederholen muss Ackermann verhasst gewesen sein.

Möglicherweise war dieser Preis, den seine Neugier forderte, auch sein Handicap: dass er nämlich, anders als etwa sein Zeitgenosse Willi Baumeister, den er um zwei Jahrzehnte überlebte, nie zur Marke wurde. Frappierend nicht nur, dass er auf einmal mit Acrylfarben zu experimentieren begann, sondern dass er Ende der 60er Jahre die grellsten Farbtöne dafür verwendete: ein schrilles Rot etwa und ein auffälliges Neongrün. Ein Tribut an die 68er-Generation?

Auch dies war kein Endpunkt. Ein Finale, ein Angekommen-Sein gibt es bei Max Ackermann nicht. Wenige Jahre später entstanden sanfte Pastelle und wenig zuvor, am Anfang des Jahrzehnts, großformatige Ölgemälde auf derbem Gewebe, das ebenso zurückhaltend wie bestimmt mit der Struktur zahlreicher Farbschichten spielt: ein Augenschmaus.

Die Galerie

Grüneburgweg 123, Frankfurt. Bis 2. Juni. Geöffnet Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa 10–14 Uhr.
Am 28. April gibt es Führungen um 11 und um 14 Uhr. Anmeldung unter Telefon (069) 9 71 47 10.

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