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Konzert: Max Mutzke singt von „Äppler und Handkäs“

Von Max Mutzke begeisterte auf den Burgfestspielen Dreieichenhain und hatte Überraschungsgäste, die sein ausverkauftes Konzert noch bereicherten.
Auch wenn er aus Waldshut-Tiengen stammt – das Hessische liegt dem Sänger Max Mutzke erstaunlich nahe. Foto: Patrick Seeger (dpa) Auch wenn er aus Waldshut-Tiengen stammt – das Hessische liegt dem Sänger Max Mutzke erstaunlich nahe.
Dreieichenhain. 

Eigentlich müsste irgendein Kulturfuzzi diesem Schwarzwälder einen Hessenpreis spendieren. Nie zuvor wurden „Der Äppler und der Handkäs“ und ihre Freundin, „die heißt Grie Soß“, so soulig, mit so artistischem Falsetto und zierlich-opernhaften Arpeggiaturen besungen wie jetzt vom 37-jährigen Maximilian Nepomuk Mutzek. 14 Jahre nach seinem achten Platz beim Eurovision Song Contest trägt er immer noch das bewährte Modell lederne Schiebermütze, hat sich aber frei und eigenständig entwickelt.

Damals, als man ihn als neueste Stefan-Raab-Kreatur sehen und halbwegs zwischen Guildo Horn (1998) und Lenas „Satellite“ (2010) einordnen mochte, war das nicht unbedingt vorauszusehen. Nun also diese neue Hessenhymne: „Der Äppler und der Handkäs“. Wer das kennt, war nicht ganz überrascht, als dieser Höhepunkt an Vokalartistik nach einer Zäsur zum Rock vom Auftritt der Texter getoppt wurde: Henni Nachtsheim und Gerd Knebel.

Die Zwei von „Badesalz“ hatten sich von Mutzke für ihre erste CD nach 14 Jahren eine Vertonung ihrer grobianischen Liedlyrik („ene dene dotz, de Teufel lässt’n fotz . . .“) gewünscht. Die liegt nun vor und soll vielleicht bald auch auf Mutzkes siebtem Album erscheinen.

Spitze Juchzer

Mehr nie gehörte Lieder sang der Mann in urwaldgrünem Hawaiihemd und beiger Chinohose eher nicht an diesem heißtrockenen Abend. Zu hören waren Mutzke-Standards: die Raab’sche Istanbul-Hymne „Can’t Wait Until Tonight“, „Welt hinter Glas“, der frühe Titel „Schwarz auf Weiß“, aus jüngerer Zeit „Charlotte“, und „Magisch“. Von Anfang an betätigte sich der talentierte Sänger, der Songs schreiben kann, unermüdlich als Animateur, stiftete die Leute zum Mitdudeln seiner hellen spitzen Juchzer an und ermutigte sie zum Aufstehen und Tänzeln. Nicht nur zwischen den Liedern textete er sie an, auch mittendrin: „Jetzt eine Oktave höher, hmm . . . jetzt mit la, la, la . . . zornig, mit hey! Jetzt was ihr wollt, aber laut!!!“

Das Publikum ließ sich nicht lange bitten. Musikalisch dominierten die puren Soul-Titel auf Englisch, deren Vokalstil Mutzke perfekt draufhat. Für Pop zog er eher das Deutsche vor. Das Spielerische und die Abwechslung sind Trumpf bei Mutzke, der immer auch mal bleifüßige und langsame Rhythmen probierte, seine Musiker von „monoPunk“ Funk-Elemente einstreuen ließ oder bei „So viel mehr“ zu einem Hauch von Reggae und quasi-afrikanischer Helligkeit fand. Nicht mal der kurze Stromausfall, laut Mutzkes Verschwörungstheorie ein Attentat von „Badesalz“ nach dem Motto „So, mer sin feddisch“, hatte Chancen gegen all die gute Laune.

Dass der Drummer Tobias Held weniger auffiel, spricht nach Stellenbeschreibung mehr für als gegen ihn. Danny Samar spielte einen astreinen, funky groovenden Bass, während Maik Schott am E-Klavier und den orgelnden Keys absolut brillierte, nicht nur in exzellenten Soli.

Sinnfreie Sprechlaute

Mutzke kann auch auf Groß (mit der Bigband oder Philharmonie), darum war sein reduzierter, doch stilistisch variabler Sound mit der Stimme als viertem Instrument etwas Besonderes. Einmal meldete sich zweieinhalb Sekunden lang der Gedanke „langweilig!“, wurde von der guten Musikunterhaltung aber sofort niedergeknüppelt. Schön gelangen der bunte Funk-Pop-Soul in „Unsere Nacht“ und die aus „Charlotte“ ausgefädelte Scat-Zugabe, deren sinnfreie Sprechlaute an Steven Mithens Ursprungstheorie von Sprache und Musik im Buch „Die singenden Neandertaler“ erinnerten.

Von A bis Z war dieser Abend ein Vergnügen ohne Reue.

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