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Mexikanischer Autor Sergio Pitol mit 85 gestorben

In seinen Erzählungen und Romane verarbeitete er seine schwere Kindheit und seine Erlebnisse als Diplomat. Als Übersetzer brachte er Anton Tschechow und Jane Austen in die spanischsprachige Welt. Mit Pitol verliert Lateinamerika einen seiner originellsten Erzähler.
Der mexikanische Schriftsteller Sergio Pitol ist tot. Foto: Carlos Tischler Der mexikanische Schriftsteller Sergio Pitol ist tot.
Xalapa. 

Sergio Pitol war stets ein Reisender. Als Kind flüchtete er sich in die Fantasiewelten seiner Abenteuerromane, als Erwachsender tauchte er in Europa und Asien in fremde Kulturen ein.

„Fast mein ganzes Werk ist autobiografisch, mit einem Schuss Übertreibung”, sagte der mexikanische Schriftsteller, Übersetzer und Diplomat einmal. „Ich bin ein Kind all dessen, was ich gesehen und geträumt habe, was ich liebe und verabscheue.”

Jetzt ist Pitol nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren in seinem Haus in Xalapa gestorben. „Wir bedauern den Tod von Sergio Pitol”, sagte Mexikos Kulturministerin María Cristina García Cepeda. „Wir feiern sein Leben und sein literarisches Erbe.”

Pitol galt als einer der originellsten Erzähler Lateinamerikas. 2005 wurde der Autor von „Eheleben”, „Defilee der Liebe” und „Die göttliche Schnepfe” mit dem Cervantes-Preis, der höchsten literarischen Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt, ausgezeichnet. „Mit seinem Tod verlieren wir einen der großen Schriftsteller, die das literarische Erbe auf Spanisch bereichert haben”, sagte der spanische Kulturminister Íñigo Méndez de Vigo.

Mit vier Jahren verlor Pitol seine Eltern und wuchs seitdem bei der Großmutter zwischen den Zuckerrohrfeldern von Veracruz auf. „Seit meiner Kindheit waren die Literatur und das Theater stets meine Zufluchtsorte”, sagte Pitol. Er selbst starb fast an Malaria und war lange Zeit ans Bett gefesselt. „Als ich krank wurde, schenkte mir meine Oma einige Bücher von Jules Verne. Ich war fasziniert. Wegen Vernes wunderbarer Abenteuer hielt ich am Leben fest.”

1961 brach er zu einer Reise nach Europa auf - für fast drei Jahrzehnte war nun die Welt sein Zuhause. Er lebte in London und Paris, belegte Kurse in Rom, wurde in Berlin Zeuge des Mauerbaus, arbeitete als Übersetzer in Peking und ließ sich schließlich in Warschau nieder. Sein Kollege José Emilio Pacheco sagte über ihn: „Pitols Heimat ist die ganze Welt, vereint nicht durch die Globalisierung, sondern durch die Literatur.”

Nach seinem Jura- und Philosophie-Studium war Pitol Kulturattaché in Frankreich, Ungarn, Polen und der damaligen Sowjetunion sowie mexikanischer Botschafter in der Tschechoslowakei. Er beherrschte mindestens sieben Sprachen und übersetzte Werke von Anton Tschechow, Jane Austen, Henry James und Joseph Conrad.

Auch seine eigenen Romane, Erzählungen und Gedichte erschienen in zahlreichen Sprachen. „Es ist sein Stil, alles zu erzählen, aber nie das Geheimnis zu lüften”, sagte der spanische Autor Enrique Vila-Matas über seinen Kollegen. Zu seinem 80. Geburtstag wurde Pitol im Palast der schönen Künste in Mexiko-Stadt geehrt. „Pitol ist zweifellos einer der relevantesten Vertreter der mexikanischen Literatur, eine Ikone der lateinamerikanischen Autoren und der spanischsprachigen Welt”, sagte damals die Schriftstellerin Anamari Gomís.

Vor einigen Jahren wurde bei Pitol fortschreitende Aphasie diagnostiziert. Er konnte zuletzt kaum noch sprechen oder sich bewegen und zog sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurück. Nach einem Rechtsstreit zwischen Freunden und Verwandten über seine Pflege lebte er zuletzt unter staatlicher Vormundschaft in Veracruz.

(Von Andrea Sosa und Denis Düttmann, dpa)
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