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Frankfurter Oper: Mit Hammer und Amboss

Von Der Österreicher Andreas Schager, auf den internationalen Bühnen als Heldentenor gefeiert, gab an der Frankfurter Oper sein Debüt als Liedsänger.
(Symbolbild) Foto: Daniel Reinhardt (dpa) (Symbolbild)
Frankfurt. 

Die Werbetrommel rühren, das muss auch ein erfolgreiches Opernhaus. Und so ist vor dem ersten Liederabend der Saison über Andreas Schager von einem „kompromisslosen Ausnahmesänger“ zu lesen, vom „derzeit führenden Heldentenor“, der an den renommierten Opernhäusern der Welt singt. Für Interesse ist also gesorgt, und die Erwartungen sind geschürt.

Was man aber an diesem Abend zu hören bekommt, mag nicht recht dazu passen. Vier Lieder aus den „Myrthen“ op. 25 von Robert Schumann und Beethovens sehnsuchtsvollen Zyklus „An die ferne Geliebte“ haben Andreas Schager und der Pianist Matthias Fletzberger ausgesucht. Dazu fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck von Richard Wagner, eine sehr sensible und feinnervige Musik. Der Tenor kann tatsächlich mit großem Volumen und einer strahlenden Höhe beeindrucken, insgesamt aber bleibt sein Vortrag erstaunlich einfarbig und gleichförmig. Ob er von der schwülen Verzweiflung in Wagners „Treibhaus“ oder vom „Maien und blühender Au“ singt, es klingt zu ähnlich.

Erst zum Schluss des Abends, bei Liedern von Richard Strauss, finden Stimme, Gesang und Musik wunderbar zusammen. Und vor den Zugaben versteht man dann auch, warum. Andreas Schager gesteht: Es war sein erster Liederabend! Einige Zuhörer hatte er schon mit dem Glanz und der Wucht seines Tenors begeistert, viele andere reagierten reservierter: Der Erfolg auf der Opernbühne macht noch keinen guten Liedsänger. In diesen konzentrierten Mini-Dramen sind eine Vielzahl von Farben, Schattierungen und Gefühlen auf engstem Raum gefragt – eine Kunst ganz eigener Qualität.

Für einen „Anfänger“ hat sich Andreas Schager wacker geschlagen. Doch seine künstlerische Heimat liegt derzeit noch auf der Opernbühne, das hat er mit drei Zugaben bewiesen. Nach Mozarts Tamino und Wagners Siegmund hat er mit einem improvisierten Schmiedelied als Siegfried begeistert – mit Kelle und umgedrehtem Topf als Hammer und Amboss!

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