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Rabih Mroué in Wiesbaden: Mit kaltem Märtyrer-Blick

Rabih Mroués kluge Performance „Sand in the Eyes“ in der Wiesbadener Wartburg untersucht, wie IS-Tötungsvideos unsere Psyche beeinflussen.
Rabih Mroué erklärt die Wirkung von IS-Videos. Foto: Joachim Dette Rabih Mroué erklärt die Wirkung von IS-Videos.

Darf man auch lachen bei diesem Thema, obwohl es so ernst und aktuell ist durch den New Yorker Anschlag in diesen Tagen? Man darf. Zeigt zumindest der libanesische Künstler Rabih Mroué in seinem Gastspiel in der Wiesbadener Wartburg. Mit maximaler Ruhe, hintergründigen Fragen und charmant platzierter Ironie begegnet er dem heißen Thema – ohne sich die Finger zu verbrennen.

Während Bilder aus IS-Videos hinter ihm auf die Größe einer Kinoleinwand projiziert werden, über deren Dekodierung er mehrere Gespräche mit dem Verfassungsschutz geführt hat, sitzt er locker an seinem Laptop und kommentiert auf Englisch (mit deutschen Untertiteln), was in ihm beim Betrachten vorgegangen ist. Und stellt eine Unmenge kritischer Fragen. Zum Beispiel will er herausfinden, wohin die Bildmontage von Menschen führt, die gar nicht wissen, was mit ihren Aufnahmen im Internet geschieht. Da schauen uns plötzlich keine kalten Märtyrer-Blicke von der Leinwand herab an, sondern Rabih Mroués Augen, die er in ein IS-Video hineinkopiert hat. Dann wieder taucht Mroué angeblich als Teil eines gewaltigen Komparsenheers (der aufgemalte rote Pfeil verrät ihn) in Ridley Scotts Blockbuster „Königreich der Himmel“ auf. Es sind diese feinen Momente, in denen Mroué Fiktion und Realität mischt, die den Saal zum Schmunzeln bringen.

Ganz ernst dagegen seine Analyse der IS-Tötungsvideos und der Drohnenbilder. Zum einen weigert Mroué sich, die grausamen Shots zu betrachten, und zeigt auch dem Publikum nur blutfreie Standbilder. Weil er glaubt, dass sich der Akt des Tötens mit jedem neuen Ansehen wiederhole. Und der Mörder den Betrachter mit seinem direkten Blick zum Kollaborateur mache. Ganz anders seiner Meinung nach die Wirkung von Drohnenbildern. Der Mörder ist scheinbar abwesend, die Opfer sind nicht klar zu erkennen. Ist das also moralisch unproblematischer?

Am Ende bietet Mroué augenzwinkernd zwei Auswege aus dem Dilemma an, ungefragt in einem Internetvideo aufzutauchen. Entweder, man gehe am besten gar nicht mehr aus dem Haus, oder man solle zu einem Bildfehler, einem „Glitch“ mutieren. Diese Erfindung komme bald auf den Markt, behauptet er. Da muss Mroué selbst lächeln.

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