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Mitten im Leben und doch immer nur nebendran

Von Arne Feldhusen hat Sven Regeners Roman „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“ verfilmt, mit Charly Hübner und Detlev Buck.
Ferdi (Detlev Buck, vorne in der Mitte) und seine Kumpels machen sich auf zur „Magical Mystery Tour“. Foto: Gordon Timpen (DCM) Ferdi (Detlev Buck, vorne in der Mitte) und seine Kumpels machen sich auf zur „Magical Mystery Tour“.

Das Schöne an den Romanen von Sven Regener (56) ist, wie sie ein bestimmtes Lebensgefühl der 80er, 90er Jahre vermitteln. Es ist das Gefühl, mitten im Leben und doch immer nebendran zu stehen. Ein Teil von etwas ganz Großem zu sein und doch selbst nur ein ganz Kleiner. Junge Musiker, wie Sven Regener selbst einer war (mit seiner Band „Element of Crime“), scheinen dieses Gefühl zu kennen. Aber eben nicht sie allein.

Neben dem durchs Dasein treibenden „Herrn Lehmann“ ragt vor allem „Karl Schmidt“ aus Regeners Romanen heraus. Karl kann man sich gar nicht besser vorstellen als so, wie Charly Hübner ihn nun verkörpert: groß und massig und ungelenk, mit Zottelhaaren und einem Paar brauner Augen, die in die Welt blicken, als hätten sie längst genug von ihr gesehen. Karl war mal in der „Klapse“, in der Psychiatrie, entweder wegen Drogen oder wegen seines Erbguts. Er selbst hat beschlossen, dass es wegen der Drogen war.

Seine Existenz als Bildhauer hat der Mann längst eingestellt. Er sitzt nun in einer Hamburger Therapie-Wohngemeinschaft unter der Aufsicht von Sozialarbeitern und muss sich sagen lassen, wo er Urlaub machen soll: in der Lüneburger Heide.

Immer nüchtern genug

Doch weil sogar Karl manchmal Glück hat, kommt rechtzeitig ein alter Kumpel aus Berlin (Marc Hosemann) daher. Er betreibt mit ein paar Techno-Discjockeys eine Plattenfirma und braucht jemanden, der immer nüchtern genug ist, den Kleinbus zu fahren. Die DJs planen nämlich eine „Magical Mystery Tour“ durch Deutschland. In Erinnerung an die „Beatles“. Auch wenn das bei denen schiefgegangen ist.

„Magical Mystery“ ist also ein ganz herkömmlicher Roadmovie, bei dem es auf die Erlebnisse ankommt, die zu Veränderungen führen. Es passiert aber gar nichts Spektakuläres. Im Bus kreisen die Bierdosen und die Joints, es gibt Liebeleien und Rangeleien. Sven Regener, der das Drehbuch nach seinem Roman verfasst hat, weiß sicherlich, wie es bei einer wochenlangen Tournee zugeht. So wie ihm kommt es aber auch Regisseur Arne Feldhusen weniger auf das Was an als auf das Wie.

Und Feldhusen, der sich mit der umwerfenden Fernsehserie „Stromberg“ sehr bewährt hat, beweist wieder sein untrügliches Gespür für Macken und Menschen. Neben Charly Hübner gibt er vor allem Detlev Buck als Tourmanager Narrenfreiheit. Mit Schnodderschnauze, Schlurfgang und sarkastischen Sprüchen wird Buck hier zum Udo Lindenberg der Schauspielkunst. So wie er seine Rolle anlegt, ist aber auch „Brösel-Werner“ nicht weit.

Bleibt noch der Techno, um den sich letztlich alles dreht. Man kann ihn als unerträglichen Krach empfinden, oder aber als Offenbarung des Synthesizer-Zeitalters. Beides lässt der Film zu. Er sorgt aber dafür, dass bei den lauten Bässen immer eine leise Ironie mitschwingt.

Schlafen im Stehen

Dazu gehört, dass die Disco-Nächte für die DJs erst gegen 8 Uhr morgens enden und auf diese Weise die Hotelkosten gespart werden können. Geschlafen wird dann im Stehen am Schnellimbiss-Tisch.

Obwohl Geld doch „nur Geld“ ist, wie der Tourmanager immer sagt. Viel wichtiger sei die Leidenschaft für die Sache. Hier ist sie zu spüren. Sehenswert

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Frankfurt: Berger Kinos, Harmonie, Metropolis

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