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Premiere im Staattheter: Musical-Evergreen „Evita“ in Darmstadt

Von Andrew Lloyd Webbers Musical-Evergreen „Evita“ hatte Premiere am Staatstheater Darmstadt – in einer Inszenierung, die musikalisch noch entwicklungsfähig ist.
Eve Rades und Carl van Wegberg als Evita und Juan. Foto: Michael Hudler Eve Rades und Carl van Wegberg als Evita und Juan.
Darmstadt. 

Am Ende gab es doch noch Ovationen, nachdem die auf die Originalproduktion von Harold Prince aus dem Jahr 1977 zurückgreifende Inszenierung von Erik Petersen zu Beginn mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen hatte. Vor allem an der nuancierten Feinabstimmung zwischen der im Orchestergraben aufspielenden Band unter der zielstrebigen Leitung von Michael Nündel und dem Gesang haperte es zunächst.

Offenbar war Nervosität mit im Spiel, was an der Besetzung gelegen haben mochte; keiner der Hauptakteure überschritt die 30, was insofern eine historische Schräglage darstellte, da die geschichtliche Person des Juan Peron erheblich älter war als seine angetraute Evita. Insgesamt betrachtet, war es ein Abend des Pechs von Hauptdarstellerin Eve Rades, lange Zeit im Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ spielend. Mit der neuen und womöglich ungewohnten Rolle und Partie war die 29-Jährige wohl leicht überfordert.

Obwohl als Rocksängerin geschult, hatte sie enorme Probleme, gerade in den Höhen der schnellen Songs der raffiniert gedrechselten Partitur, wo ihre Stimme in ein kieksiges Dröhnen verfiel. Auch das Koordinieren von Singen und Spielen machte der Künstlerin immer wieder Schwierigkeiten. Nicht besonders glücklich ist der Umstand, dass man sich am Großen Haus für die Wiedergabe in deutscher Sprache entschieden hatte. Michael Kunzes Knittelvers-gespickter Transfer der englischen Texte bietet so manche Holprigkeit und rhetorischen Fallstrick für die Sänger.

Unterm Sternenhimmel

Die zeitlose Politparabel auf den Aufstieg und Fall einer Frau, diese Geschichte von der Vergänglichkeit Macht, Glanz und Ruhm kommt in Darmstadt als opulentes Ausstattungstheater daher. Auf mehreren Zwischenbühnen, mit verschiebbaren Elementen, werden in teils herrlichen Tableaus die verschiedenen Schauplätze der Handlung unter Einbettung historischen Film- und Bildmaterials sinnenfroh vor Augen geführt. Ausstatter Dirk Hofacker lässt es hier, der dramaturgischen Stimmung entsprechend, theatral regnen und schon mal einen pointierten Sternenhimmel über Evita im Glanz ihres Ruhmes leuchten. Auch stellt er das eindrucksvolle Regierungsgebäude Casa Rosada inklusive prachtvoller Treppe vor.

Statisterie und Opernchor des Staatstheaters bringen opulentes Musical-Feeling samt schöner Balletteinlagen auf die Bühne und steigern sich wie die Sänger im Laufe der gut zweistündigen Aufführung. Man leidet an und mit der tragischen Hauptperson Evita, die in zeitlosen Liedern wie „Jung, schön und geliebt“, „Wach’ auf, Argentinien“, „Du musst mich lieben“ und natürlich dem Welthit „Wein’ nicht um mich, Argentinien“ vom größten Glück ins tiefste Tal der Tränen fällt und 33-jährig an Krebs stirbt, was die Inszenierung weniger theatral herausstellt als die letzte Fassung des Stücks an selber Stelle.

Star des Abends, vom Publikum gebührend gefeiert, ist der gerade mal 27-jährige Musicalspezialist Dominik Hees als Revolutionär Che, der als Gegenpart Evitas in das Stück eingearbeitet wurde und ihr Leben erzählt, aber auch kritisch beleuchtet. Stimmliche Grandezza und darstellerische Finesse zeichnen ihn aus, während Carl van Wegberg als Juan Perón eher eine durchschnittliche Leistung bietet. Tim Hüning als Tangosänger und früher Eva-Verführer Magaldi singt verführerisch-samten.

Verena Polkowskis Kostümdesign lässt die zahlreichen Figuren des Musicals mal als arme Descamisados, hemdlose Arbeiter, mal als reich verzierte Offiziere oder lateinamerikanische Machos optisch glanzvoll Revue passieren.

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