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Interview: Musiker Chris Rea: „An einem Tag ohne Schmerzen bin ich glücklich“

Chris Rea lässt sich nicht unterkriegen, auch nicht von gesundheitlichen Rückschlägen. Heute erscheint mit „Road Songs For Lovers“ zudem ein neues Album.
Nach einem Schlaganfall kämpft sich Chris Rea zurück. Foto: Paul Bergen (ANP) Nach einem Schlaganfall kämpft sich Chris Rea zurück.

Der 1951 geborene britische Musiker Christopher Anton Rea spielte jahrelang in wenig erfolgreichen Bands, bevor er 1978 sein erstes Album unter dem Namen Chris Rea veröffentlichte. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2016 erscheint heute „Road Songs For Lovers“, sein erstes Solo-Album seit sechs Jahren. Mit Chris Rea sprach Ralf Krämer.

Chris Rea, das Cover Ihres neuen Albums ist ungewöhnlich. Es besteht aus einer Collage mit älteren Fotos.

CHRIS REA: Ich habe sie selbst gemacht. Ich kann zurzeit nur mit der Collage-Technik arbeiten. Letztes Jahr hatte ich einen Schlaganfall, und seitdem kann ich nicht mehr malen, weil ich keinen Pinsel richtig halten kann. Ich muss jede Woche trainieren, um meine alten Fähigkeiten wieder zu erlangen.

Wirkt sich diese Einschränkung auf Ihre Musik aus?

REA: Zum Glück spiele ich Slide-Gitarre. Wäre ich Eric Clapton und müsste alle Finger zum Spielen benutzen, hätte ich ein Problem.

Wie geht es Ihnen zurzeit?

REA: Der Schlaganfall war ein großer Schock. Aber ich stürze mich in meine Kreativität. Jetzt auf Konzerttournee zu gehen, war eine gute Idee. Ich denke auch lieber über die schlimmen Zustände in unserer heutigen Zeit nach, als über meine Gesundheit.

Musikalisch erscheint Ihr neues Album „Road Songs For Lovers“ wie eine Zeitreise zurück in die späten 80er Jahre. Geht Ihnen das auch so?

REA: Es ist auch für mich ein bisschen wie eine Zeitreise. Es ist eine Sammlung von Songs, die wir im Laufe des letzten Jahres zusammengetragen haben – und diese Songs handeln vor allem von Menschen in Autos.

Menschen in Autos?

REA: Ja, ich verbringe viel Zeit damit, Menschen zu beobachten, die in einem Stau in ihren Autos um mich herum sitzen. Ich frage mich: Sind das Liebende? Eheleute? Haben sie ein Geheimnis?

Ihre große Leidenschaft für das Autofahren ist bekannt und kommt auch immer wieder in Ihren Songs durch.

REA: Aber diesmal geht es mir nicht um Autos, sondern eher um die Menschen in ihnen. Die vielen Staus heutzutage machen es einem zudem eher schwer, seine Leidenschaft für Autos zu pflegen. Sie kennen das ja auch, wenn Sie zum Beispiel zwischen Düsseldorf und Köln unterwegs sind. Bei uns ist die Lage nur noch etwas schärfer. Fast jeder sitzt heutzutage in einem Auto. Die Freiheit des Fahrens kann man kaum noch erleben, vielleicht noch zwischen München und Montreux in der Schweiz.

Wären Sie also für eine rasche Entwicklung hin zum derzeit vieldiskutierten automatischen Fahren?

REA: Ich halte mich davon fern, ich mag noch nicht mal drüber nachdenken. Wie ich immer sage: Wenn Politiker sich in so eine Entwicklung einmischen, kann man garantieren, dass nicht das beste Resultat herauskommt.

Um noch mal kurz das Thema zu wechseln: Auf den Covern von sechs Ihrer letzten sieben Alben waren Ölgemälde von Ihnen zu sehen. Aber kein einziges Selbstporträt, im Gegensatz etwa zu den Covern Ihrer ebenfalls malenden Kollegin Joni Mitchell.

REA: Ja, aber Joni Mitchell hat auch mal Kunst studiert. Um ehrlich zu sein, könnte ich auch gar kein Selbstporträt malen. Ich habe spät mit dem Malen angefangen, und im Alter lernt man nicht mehr so leicht. Aber selbst wenn ich ein guter Zeichner wäre, würde ich kein Porträt von mir zeichnen.

Was bedeutet momentan Glück?

REA: Ein Tag ohne Schmerzen. Seit meiner Krebserkrankung habe ich keine Bauchspeicheldrüse mehr, was viele unangenehme Symptome nach sich zieht. Wenn ich an einem Tag keine Schmerzen habe, bin ich glücklich, selbst wenn es regnet.

 

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