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Komödie „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ besteht in spätem Nachwuchs: Mutter ist völlig geschafft

Von Die französische Filmemacherin Nadège Loiseau lässt eine Frau im zweitbesten Alter noch einmal schwanger werden und trotzdem nicht verzweifeln.
Nein, kein Krebs. Doktor Gentil (Gregoire Bonnet) hat Erfreulicheres in der Gebärmutter von Nicole (Karin Viard) entdeckt. Foto: (WildBunch) Nein, kein Krebs. Doktor Gentil (Gregoire Bonnet) hat Erfreulicheres in der Gebärmutter von Nicole (Karin Viard) entdeckt.

„Könnte es vielleicht auch Krebs sein?“ fragt Nicole (Karin Viard) den Gynäkologen. In der vorsichtigen Frage schwingt Hoffnung mit. Krebs wäre zumindest eine altersgerechte Angelegenheit. Aber schwanger mit 49? Die gar nicht so frohe Kunde erreicht eine Familie, die nicht auf neuen Nachwuchs eingestellt ist. Ehemann Jean-Pierre (Philippe Rebbot) ist arbeitslos und trauert als ehrenamtlicher Trainer der eigenen Turner-Karriere hinterher. Die pflegebedürftige Großmutter (Hélène Vincent) leidet an Demenz. Die erwachsene Tochter Arielle (Manon Kneusé) campiert mit der eigenen fünfjährigen Tochter im Doppelstockbett ihres alten Kinderzimmers.

Vier Generationen

Im Vier-Generationen-Haushalt kann sich Nicole, die den familiären Lebensunterhalt im Kassenhäuschen einer Mautstelle verdient, allein auf sich selbst verlassen. Sie begreift die Spätschwangerschaft als Chance auf Veränderung, verringert die Belastungen als berufstätige Mutter und nimmt mit schleppendem Erfolg ihre Familie in die Verantwortung. Nadège Loiseaus Komödie „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ unterscheidet sich wohltuend von manchen belanglosen Komödien, die seit „Monsieur Claude und seine Töchter“ in die deutschen Kinos hineinbranden.

Zum einen durchweht das Werk die Frische eines Regiedebüts, zum anderen ist der Film in gesellschaftlichen Verhältnissen verankert. Im Familienchaos werden die gescheiterten Glücksvorstellungen und Abstiegsängste der Mittelschicht en passant mitverhandelt, was dem Komödiengeschehen eine zarte Melancholie verleiht. Loiseau zeigt ihre Endvierzigerin als Heldin des Alltags, die sich der Lohnarbeit, Kinderversorgung und Pflege der gebrechlichen Mutter stellt.

Herrscherin in der Krise

Karin Viard spielt diese kriselnde Alleinherrscherin mit stets intakter Fönfrisur und einer subtilen Mimik, welche die Gefühlszustände der Hauptfigur sehr viel besser verdeutlicht als so mancher dialogische Tumult. Bei aller Frische ist nämlich auch diese Komödie nicht frei von Klischees. Das betrifft nicht nur die allmählich einsetzende Versöhnungsmechanik, sondern auch die Figurenzeichnungen, etwa die des Gatten. Männer, die zu blöde sind, eine Waschmaschine zu bedienen, gehören ebenso auf den Stereotypen-Müll wie angebrannte Spiegeleier. Da müsste sich als männliche Unfähigkeit doch Originelleres finden lassen. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU)

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