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Britischer Bestseller-Autor treibt sich in seinem neuen Buch im Vatikan herum: Neuer Roman von Robert Harris: "Konklave"

Der Machtpoker um die Papstwahl steht im Zentrum des neuen Thrillers von Robert Harris. Gebete, Finten und schmutzige Tricks: Wer als Papst ins „Konklave“ geht, kommt als Kardinal wieder heraus.
Kardinäle beten im Petersdom, bevor sie sich zur Wahl des Papstes ins Konklave zurückziehen. Foto: Michael Kappeler (dpa) Kardinäle beten im Petersdom, bevor sie sich zur Wahl des Papstes ins Konklave zurückziehen.

Kardinal Jacopo Lomeli eilt über den Petersplatz zur Casa Santa Martha. Es ist Nacht, und es regnet. Als er in der Wohnung des Papstes eintrifft, liegt dieser bereits aufgebahrt in seinem Bett. Der Papst ist tot, die Sedisvakanz hat begonnen. Und genau in diesem Moment beginnt der Kampf um die Nachfolge.

Wer wird der neue Papst? Wohin wird er das Schiff der Kirche steuern? Der britische Erfolgsautor Robert Harris stellt den Machtpoker, vom Tod des Papstes bis zur Wahl seines Nachfolgers, in den Mittelpunkt seines neuen Politthrillers „Konklave“. Als das Oberhaupt der Katholiken überraschend stirbt, fällt Jacopo Lomeli als Dekan des Kardinalskollegiums die Aufgabe zu, die Begräbnisfeierlichkeiten zu organisieren, die Kardinäle von zu vielen Gesprächen mit den Journalisten abzuhalten und dann das Konklave zu leiten.

Bischof von Bagdad

Keine leichte Aufgabe, denn schon im Vorfeld gehen die Favoriten mit schmutzigen Tricks gegeneinander vor. Erschwerend kommt hinzu, dass der Kardinal unter der dunklen Nacht der Seele leidet, wie man den Zustand nennt, wenn man Gott sucht und ihn nicht finden kann.

Der Brite Harris (59), der als Journalist die britische Politik beobachtet hat, kreist in seinen Romanen immer wieder um Männer und Macht. Nachdem er in seinem Debütroman „Vaterland“ das Undenkbare verarbeitete: Was wäre, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten?, verfasste er eine Trilogie um den römischen Schriftsteller Cicero, die von Spöttern auch als New Labour in der Toga bezeichnet wurde. Seine Abrechnung mit dem früheren englischen Premierminister Tony Blair kam dann mit dem Roman „Ghost“. Statt Toga nun also Kardinalspurpur: Die letzten beiden Konklave hätten in ihm den Wunsch wachsen lassen, diesem Thema nachzugehen. Als er die Gesichter der Kardinäle in dem Moment gesehen habe, als der neugewählte Papst den Balkon betrat, habe er den Eindruck gehabt, den römischen Senat aus den Tagen Ciceros zu sehen, sagt Harris. Über seinen italienischen Verlag konnte ein Kontakt zum Vatikan angebahnt werden, der ihm nach Harris’ Worten freundlich und hilfsbereit eine informative Führung anbot.

An den vielen kleinen interessanten Einzelheiten, die der Autor einstreut, ist erkennbar, dass er intensive Recherchen betrieben und viel gelesen hat. Männer und Macht – wie stellt sich das in einem Konklave dar, wo doch der Heilige Geist die Wahl beeinflussen soll? Eine erste Überraschung erlebt Kardinal Lomeli, nachdem die 117 Papstwähler in der Casa Santa Martha eingetroffen sind. Kurz vor Toresschluss steht ein (verhältnismäßig) junger Mann vor ihm, der sich als Erzbischof von Bagdad ausgibt, den der verstorbene Papst in pectore, also im Geheimen, zum Kardinal ernannt habe und der nun seine Aufgabe als Papstwähler wahrnehmen will. Wer als Papst ins Konklave zieht, kommt als Kardinal wieder heraus – diese Weisheit beweist sich auch in dem Roman.

Harris lässt die Favoriten aufziehen und scheitern, während draußen Tausende von Menschen auf dem Petersplatz warten, die Kameras von Fernsehstationen aus der ganzen Welt auf den Schornstein gerichtet sind und Hubschrauber kreisen, weil die Angst vor einem Terroranschlag groß ist. Denn die große Herausforderung für einen Papst, die Harris in seinem Roman entwirft, sind neben innerkirchlichen Fragen ganz besonders der islamistische Terror und die Bedrohung der Christen in ihren angestammten Ländern. Jeder Roman über ein Konklave muss sich an dem Klassiker des australischen Autors Morris West messen, der in seinem Roman „In den Schuhen des Fischers“ schon 1963 einen Papst aus dem Ostblock beschrieb, der das Papsttum auf Reisen zu den Menschen brachte. Was erst eine Fiktion war, wurde 1978 mit der Wahl Karol Woytilas zum Papst Johannes Paul II. Realität. Später entwarf West sogar ein Szenario, in dem ein Papst zurücktrat.

Ob Robert Harris mit seinem Papst ein ähnlicher Coup glückt? Sehr wahrscheinlich ist jedenfalls, dass er das Thema Männer und Macht weiter verfolgt. Vielleicht demnächst bei der Fifa.

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