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Nur der Verfall ist wirklich schön

Von In der neuen Reihe „Regie-Studio“ des Schauspiels Frankfurt inszenierte Alexander Eisenach Thomas Manns Novelle „Wälsungenblut“.

Mit ihrem Vater haben Siegmund und Sieglinde wenig gemein. Während die beiden Geschwister (Katharina Bach und Mario Fuchs) mit ihren Perücken, dem weiten Rock oder den eleganten Schuhen zunächst aussehen, als seien sie aus dem Marie-Antoinette-Film auf die Bühne gepurzelt, um dort in ihrem elitären, lebensfernen Mikrokosmos zu posieren, wuselt der Vater (Daniel Rothaug) durch sein selbst erschaffenes Heim mit weißem Kamin, Lüstern, weißem Teppich und Esstisch (Bühne: Lena Schmid).

Während er sich in zackig-hektischen Bewegungen verbiegt, stehen die beiden ungerührt da. Während er in Alltagsklamotten unterwegs ist und dabei manchmal allzu servil erscheint, definieren sich die beiden Geschwister durch exzentrische Kleidung, stete Beschäftigung mit sich und ihren Körpern und blasiert-gefährliche Kunstanschauungen. Wo Fuchs’ Siegmund haucht, dass er in seiner „Konstitution so hinfällig“ sei, ätzt Bachs Sieglinde, dass nur der „Verfall wirklich schön“ ist. Dabei gelingt es allen wunderbar, auf dem schmalen Grat von Distanz zur Figur und Ernstnehmen zu wandeln und dabei Manns geschliffen-scharfe Sätze im schnellen Stakkato abzusondern.

Mit seinem ebenso amüsanten, ironischen und bisweilen slapstickartigen Einstieg hat Alexander Eisenach einen passenden Grundton für Manns Persiflage auf Richard Wagners „Walküre“ gefunden. Denn anders ließe sich die verkorkst-gefährliche Gedankenwelt des narzisstischen Geschwisterpaars, das seine vermeintliche Erhabenheit aus einer selbstgezimmerten Kunstwelt bezieht, kaum aushalten.

Während der erste Teil im Foyer spielt, führt der Opernbesuch der Geschwister („Die Walküre“!) in die Box. Dort erwartet das Publikum gleichsam das goldene Pendant des väterlichen Heims in Weiß. Hier versteht man auch allmählich Eisenachs zunächst irritierenden Kunstgriff: Neben Bach und Fuchs übernimmt Sarah Sandeh (wunderbar!) mehr und mehr Passagen von Siegmund und Sieglinde, bis man nicht mehr so genau weiß, wer spricht. Doch Irritation und Verlust an Orientierung entpuppen sich als Mittel, um diese merkwürdig inzestuösen Zwitter zwischen Kunstwelt und Lebenswelt, Ich und Du, figürlicher zu machen. Denn während Bach und Fuchs die Opernfiguren „spielen“ und singen (natürlich gibt es etwas aus der „Walküre“, aber auch dunkel-schönen Popgesang), wird Sandeh zur Zuschauerin. Am Ende begeisterter Applaus.

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