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Vor 300 Jahren starb Maria Sibylla Merian: O wie schön ist Surinam

Sibylla Merian, Tochter des Kupferstechers Matthäus Merian, war Forscherin, Künstlerin und eine sehr selbständige Frau, die ein bewegtes Leben führte.
Die Kupferstecherin Maria Sibylla Merian ist hier selbst auf einem Stich verewigt, angefertigt 1729 von Jacobus Houbraken. Er zeigt sie inmitten ihrer Anschauungsobjekte.	Abbildungen: epd, Bernd Fickert (2) Foto: akg-images (epd) Die Kupferstecherin Maria Sibylla Merian ist hier selbst auf einem Stich verewigt, angefertigt 1729 von Jacobus Houbraken. Er zeigt sie inmitten ihrer Anschauungsobjekte. Abbildungen: epd, Bernd Fickert (2)
Frankfurt. 

Ob heimische Blumen und Schmetterlinge oder exotische Reptilien: Maria Sibylla Merian hat Flora und Fauna in ihren Illustrationen stets mit größter Detailtreue festgehalten. Die meisterhafte Kupferstecherin und Malerin war aber zugleich eine große Naturkundlerin. Und sie war Forschungsreisende, Unternehmerin, Lehrerin und Mutter. Heute vor 300 Jahren, am 13. Januar 1717, ist sie im Alter von 69 Jahren gestorben. Nach einem wechselvollen Leben fand die aus einer großen Frankfurter Künstlerfamilie stammende Merian an ihrem letzten Wohnort in Amsterdam nur noch Platz in einem Armengrab.

Bereits als junges Mädchen hat Maria Sibylla Merian (angeregt auch durch Erkundungen im elterlichen Garten) Blumen und Insekten gezeichnet. Vater Matthäus Merian, der aus Basel stammte und 1616 nach Frankfurt kam, war ein berühmter Kupferstecher und Verleger. Seine hochbegabte Tochter, am 2. April 1647 geboren, entstammte seiner zweiten Ehe.

Raupen des Tagpfauenauges, von Merian aufgespießt.
Ausstellung im Wiesbadener Landesmuseum Schmetterlinge umflattern die herrlichsten Blumen

Wiesbadens Landesmuseum für Kunst und Natur widmet Maria Sibylla Merian eine kleine Ausstellung mit Insekten und Pflanzen aus ihrer Forschung.

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Mit 13 Jahren begann Sibylla, das damals weitgehend noch unbekannte Leben von Seidenspinnern und anderen Schmetterlingen zu erforschen. Frankfurt galt damals als eines der Zentren des europäischen Seidenhandels. Wie in anderen freien Reichsstädten waren es Kaufleute wie Merian, welche die Emanzipation des Bürgertums vorantrieben.

Heirat und Umzug

Im Alter von 18 Jahren heiratete Maria Sibylla den Maler Johann Andreas Graff, mit dem sie dann fünf Jahre später in dessen Heimatstadt Nürnberg zog. Dort entsteht ihr „Neues Blumenbuch“. Dem folgt „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung. Von Maria Sibylla Gräffin fleissig untersucht, kürzlich beschrieben, nach dem Leben abgemalt, ins Kupfer gestochen und selbst verlegt“. Das Buch im Selbstverlag herauszugeben war ein finanzielles Abenteuer, das glückte. Die Arbeit am Raupenbuch begleitete Merian durch ihr ganzes Leben. Es erschien in drei Teilen, 1679, 1683 und posthum 1717, von der Tochter Dorothea Maria herausgegeben. In dem Buch hielt Merian alle Entwicklungsstadien von Schmetterlingen fest.

Im Jahr 1682 kehrt die Familie nach Frankfurt zurück. Drei Jahre später scheitert die Ehe der eigenwilligen Merian. Sie verlässt ihren Mann und schließt sich mit den beiden Töchtern einer streng pietistischen Gemeinde im niederländischen Friesland an. 1691 siedelt sie nach Amsterdam um.

Das größte Abenteuer in ihrem unruhigen Leben steht ihr aber noch im reifen Alter von 52 Jahren bevor: Im Februar 1699 verkauft sie einen Großteil von Hab und Gut und bricht zusammen mit der jüngeren Tochter nach Surinam in Südamerika auf, das damals niederländische Kolonie war. Ihre Forschungen im dortigen Urwald (Merian gilt heute als erste Naturforscherin in Übersee) hätte sie beinahe jedoch mit dem Leben bezahlt. An Malaria erkrankt, kehrte sie von der Karibikküste zwei Jahre später vorzeitig nach Amsterdam zurück. Mit ihrer großen Forschungsreise war Merian deutlich früher dran als der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt. Er wurde erst 1769 geboren, 52 Jahre nach dem Tod seiner Vorgängerin.

Gesammelte Insekten

Im Koffer brachte Merian eine Vielzahl von präparierten exotischen Insekten, Pflanzen oder Reptilien nach Hause mit. Reich geworden ist Merian mit ihren Werken allerdings nicht. Sie musste sich und ihren Kinder als Lehrerin und mit dem Handel von Farben sowie dem Verkauf von präparierten Schmetterlingen einen Lebensunterhalt verdienen. Dafür hat dann 250 Jahre später die Bundesrepublik ihr Porträt auf dem 500-Mark-Schein verewigt. Außerdem haben etliche Pflanzen und Insekten ihren Namen erhalten.

Im Jubiläumsjahr wird Merian gleich mehrfach in verschiedenen Städten gewürdigt. Den Anfang macht zum Todestag am heutigen 13. Januar eine Ausstellung im Museum in Wiesbaden, das seit dem 19. Jahrhundert einen bedeutenden Teil der Sammlung Merians besitzt (siehe Ausstellungsbericht unten). Gezeigt werden unter anderem die Tierpräparate, die Merian einst aus Surinam nach Deutschland mitgebracht hat. In Amsterdam wird im Juni die internationale „Maria Sibylla Merian Society“ eine Tagung zum Wirken der Naturforscherin organisieren.

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