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Programm, Organisation und Marketing: Ob Putzfrau oder Mega-Star - Sie muss mit allen klarkommen

Ohne sie kommt kein Stück auf die Bühne, ohne sie spielt kein Orchester und keine Rockband, ohne sie gäbe es keine Oper, keine Lesung, keine Ausstellung. Sie arbeiten oft unsichtbar. Sie machen Kultur aus dem Off. Wir stellen die Menschen vor, die Kultur erst möglich machen. Heute: Doro Weikert von der Frankfurter "Batschkapp".
Unzählige Bands und Musiker hat Doro Weikert für die Frankfurter „Batschkapp“ gebucht und dort betreut. Und auch nach 13 Jahren ist sie mit Leidenschaft dabei. Foto: Michael Faust Unzählige Bands und Musiker hat Doro Weikert für die Frankfurter „Batschkapp“ gebucht und dort betreut. Und auch nach 13 Jahren ist sie mit Leidenschaft dabei.

Sie ist Legende: die „Batschkapp“, Frankfurts berühmtester Musikclub. Seit mehr als 40 Jahren geben sich hier Newcomer und Stars die Klinke in die Hand. Hinter den Kulissen der „Kapp“ stehen Menschen, die das Geschäft seit Jahrzehnten am Laufen halten – mit Leidenschaft und Herzblut. Eine von ihnen ist Doro Weikert.

Jugenderinnerungen, das sind für viele Frankfurter auch durchfeierte Nächte in der „Batschkapp“. Ob Freitagsabends im „Idiot Ballroom“ abtanzen oder den Idolen auf der Bühne zujubeln – die leicht versiffte Halle in Alt-Eschersheim war für viele so etwas wie ein zweites Wohnzimmer. Auch für Doro Weikert. „Mein erstes Konzert in der ,Batschkapp‘? Es könnte sein, dass das Screamin’ Jay Hawkins war.“ Unvergessen natürlich auch für sie: das „Nirvana“-Konzert 1991. Dass sie jemals das Programm des legendären Clubs organisieren sollte – und noch viel mehr – , hätte sie damals nie gedacht: „Never ever!“ Heute hält sie gemeinsam mit ihren Kollegen die bekannte Konzerthalle am Laufen – als Bookerin, Promoterin und Event-Managerin in einer Person.

Bilderstrecke Legendär: Rocken in der alten Batschkapp
37 Jahre Jahre lang war die Batschkapp in Eschersheim das Frankfurter Hauptquartier der Jugendkultur. Jetzt ist das neue Gebäude in Seckbach so gut wie fertig und der Umzug kann bald über die Bühne gehen. Damit geht auch ein Stück Legende verloren. Die FNP hat ein wenig im Archiv gewühlt und zeigt Impressionen aus den wilden Zeiten in der Maybachstraße.Der Grunge war noch jung, elektronische Musik stand (Berlin einmal ausgenommen) kurz vor ihrem ersten Hype, die Adidas Samba oder Chucks trug man meist ausgelatscht: Ein Clubabend am 14. Februar 1993.An den Turntables stand an diesem Abend DJ Daniel Haaksmann. Er arbeitet heute als Musikjournalist.

Wie Doro Weikert, 1968 geboren, ist auch die „Kapp“ längst erwachsen geworden, hat 2013 in der Gwinnerstraße im Osten der Stadt ein neues Zuhause gefunden – in einer größeren Halle mit moderner Ausstattung. „Ich war eine der wenigen, die von Anfang an begeistert war, umzuziehen“, sagt sie. Die Nostalgie packt sie dann und wann aber immer noch: „Ich war neulich an der alten ,Batschkapp‘, und es hat schon wehgetan, die große Baugrube dort zu sehen.“

Für die zierliche Frau mit den langen blonden Haaren sind die unzähligen Musiker und Bands, die sie gebucht und betreut hat, ein wichtiger Teil ihres Lebens. Auch noch nach 13 Jahren. „Die Leidenschaft ist noch genauso groß wie am Anfang, allerdings nicht die Aufregung“, sagt die Mutter eines neunjährigen Sohnes und schmunzelt. Ausgeglichen, offen und freundlich ist sie, ganz gleich, ob sie es mit der Putzfrau oder einem Mega-Star zu tun hat. „Ich bin mit allen immer gut klargekommen, das war auch immer unsere Philosophie: es den Menschen, die zu uns kommen, so schön wie möglich zu machen.“

Viel Büro- und Fleißarbeit

Was allerdings nicht heißt, dass sie jemanden etwas durchgehen lässt. „Hier klebt es ja noch, da wurde nicht gut geputzt“, „Sind die Plakate aktuell?“: Auch beim Rundgang durchs Foyer und die Backstage-Räume hat sie ihre Augen überall. Das kommt nicht von ungefähr: „Am Anfang habe ich das Büro allein geschmissen“, erzählt sie. Während ihrer Ausbildung als Bürokauffrau bei „Tickets per Post“ lernte sie „Batschkapp“-Chef Ralf Scheffler kennen. Schon bei dem Kartenvorverkauf entdeckte sie ihr Talent fürs Organisieren – was auch Scheffler nicht verborgen blieb. „Als eine Stelle bei ihm frei wurde, hat er mich dann abgeworben.“

Bilderstrecke Abriss in Eschersheim: Das Ende der alten Batschkapp
Die Silvesternacht 2013/14 wurde das große Abschiedsfest für die Eschersheimer Örtlichkeit.Die Batschkapp wurde 1976 gegründet, um eine „autonome und linke Gegenkultur“ zu etablieren.Zu seinen regelmäßigen Besuchern zählte damals unter anderen Joschka Fischer, der eine Freundschaft zu Batschkapp-Inhaber Ralf Scheffler pflegt.

2004 begann sie, in der „Batschkapp“ durchzustarten, „zehn, zwölf, sechzehn Stunden am Tag, mit Matze als stundenweise Aushilfe“. Matze Brunner zählt mittlerweile zum „Inventar“, außerdem sind noch einige andere Kollegen dazugekommen – mit der „Batschkapp“ ist auch das Team gewachsen.

Doro Weikert ist trotz Schützenhilfe aber auch heute noch an allen Fronten im Einsatz. „Vor acht Jahren habe ich angefangen, nicht nur Büro- und Veranstaltungsorganisation zu machen, sondern auch das Booking.“ Ein großer Teil des Programms ist ein Selbstläufer: „Wir haben langjährige Partner, Konzertagenturen, die uns die Acts anbieten. Aber ich frage auch nach, wenn ich sehe dass eine Band unterwegs ist, die mich interessiert.“ Dabei organisiert sie auch Großveranstaltungen wie etwa die Show von Robbie Williams in der Commerzbank-Arena im vergangenen Juli. Ihr Alltag sei nicht besonders glamourös: „Heute hatte ich totalen E-Mail-Terror, zum Beispiel, was die Organisation mit dem RMV betrifft.“ Personal- und Budgetplanung, Kostenkalkulation – das Jonglieren mit Zahlen ist eine der wichtigsten Dinge im Business. Doro Weikert liebt es. Und rät jungen Leuten, die vom Musikgeschäft, von Glanz und Glamour träumen, ihre Erwartungen herunterzuschrauben. „Das ist viel trockene Büro- und Fleißarbeit.“

Dazu gehört auch das Marketing, eine ihrer liebsten Aufgaben: „Ich beschäftige mich gerne mit der Frage, welche Zielgruppe wir für eine Veranstaltung ansprechen müssen, wie ich die erreiche. Ganz wichtig sind da heutzutage natürlich die Sozialen Medien. Aber auch die Werbemittelplanung, Plakate und Anzeigen, gehört dazu. Das machen wir im Team.“

Bilderstrecke Erinnerungen an die alte Batschkapp: Frankfurter Geschichte seit 1976
Seit fast 40 Jahren gilt die "Batschkapp" als Frankfurter Institution für Parties und Konzerte. Mit dieser Bilderstrecke gedenken wir dem alten "Batschkapp"-Gebäude in Eschersheim, von dem heute nur noch Schutt und Asche übrig sind.Die alte "Batschkapp" in Eschersheim, hier auf einem Foto von 1991, hatte Kultstatus erreicht.Wo sie stand, weisen inzwischen keine Spuren mehr auf den legendären Rockclub hin.

Viel Zeit nimmt die Programmplanung in Anspruch: Termine mit den Agenturen absprechen, aber auch die Einschätzung, welche Angebote man lieber ablehnen sollte, wo die Grenzen liegen – etwa, wenn die Halle den technischen Anforderungen einer Show nicht entspricht. So geschehen bei einem Auftritt mit dem Elektro-Trio „Scooter“. „Damals musste die ganze technische Anlage aus- und am Tag danach wieder eingebaut werden. So etwas machen wir bestimmt nie wieder.“

Klappt es am Tresen?

Veranstaltungen am Abend managt sie nur noch ein bis zwei Mal im Monat. „Da ist man dann für alles zuständig – die Band braucht noch etwas, ein Zuschauer hat sein Ticket vergessen, klappt es beim Umbau und am Tresen?“ Da heißt es, den Gesamtüberblick zu behalten, damit alles „flutscht“. „Aber wir haben ein tolles Team, das sehr erfahren ist.“

Mit Ende 40 hat auch die leidenschaftliche Konzertveranstalterin gemerkt: „Man hat seine Grenzen zu akzeptieren.“ Weiter machen will sie ganz nach dem Vorbild ihres Chefs Ralf Scheffler aber so lange, bis es nicht mehr geht – denn schließlich ist sie auf ihre „Batschkapp“ „stolz wie Bolle“.

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