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Interview mit Sopranistin: Olga Peretyatko: "Ich bin keine Klischee-Opernsängerin"

Als Jugendliche hat die Russin Olga Peretyatko leidenschaftlich gern Karate gemacht und es bis zum roten Meistergurt gebracht. Heute treibt die 37-Jährige lieber Yoga, joggt oder geht ins Fitnessstudio – wenn sie nicht gerade singt.
Olga Peretyatko tritt heute Abend in Wiesbaden auf und lässt sich durchaus gern von ihrem Mann führen – so lange er es als Dirigent tut. Foto: Robin Townsend (EFE) Olga Peretyatko tritt heute Abend in Wiesbaden auf und lässt sich durchaus gern von ihrem Mann führen – so lange er es als Dirigent tut.

Die Sopranistin wird bereits als Nachfolgerin von Anna Netrebko gehandelt. Vor ihrem Auftritt bei der Operngala mit der Filarmonica Arturo Toscanini in Wiesbaden hat Christoph Forsthoff mit der bildhübschen Sängerin gesprochen.

Sind Sie sehr mit sich selbst beschäftigt, Frau Peretyatko?

OLGA PERETYATKO (irritiert): Wie meinen Sie das?

Ihre Kollegin Simone Kermes hat behauptet, Opernsängerinnen seien immerzu mit ihrer Stimme, ihrem Gesang und ihren Auftritten beschäftigt.

PERETYATKO: Ich bin ein ganz normaler Mensch.

Dann sollte ich Sie vielleicht lieber nicht als Opernsängerin titulieren?

PERETYATKO (lacht): Nennen Sie mich wie Sie wollen – auf jeden Fall trage ich nicht 24 Stunden am Tag einen Schal, Klimaanlagen stören mich auch nicht weiter – sagen wir es so: Ich bin keine normale Klischee-Opernsängerin.

Was charakterisiert denn eine Klischee-Opernsängerin?

PERETYATKO: Sie spricht vor der Vorstellung nicht, schreibt stattdessen ihre Worte auf kleine Kärtchen, trägt ständig einen Schal, und wenn jemand niest, dann entfernt sie sich schnell aus diesem Raum. Und natürlich trinkt sie keinen Alkohol und isst keine Nüsse: Das ist manchmal schon krank. Ich ziehe es vor, über all das nicht nachzudenken – das macht das Sängerleben sehr viel einfacher.

Und offenbar auch erfolgreich – man könnte sagen, dass Sie richtig Karriere machen.

PERETYATKO: Eigentlich mache ich alles so, wie ich es schon vor acht Jahren gemacht habe. Ich versuche, mein Bestes zu geben, immer vorbereitet sowie nett zu Kollegen, Dirigenten und anderen Mitwirkenden zu sein. Und in Verbindung mit guten Kritiken, guter Gesundheit und wachem Verstand kann diese Karriere dann gern noch lange dauern (lacht).

Also doch Karriere …

PERETYATKO: Nein, Karriere mache ich nicht: Es ist ein Beruf wie alle anderen – vielleicht ein bisschen anders, eigenartig und manchmal auch komisch, aber es ist ein Job.

Trotz Ihres Understatements werden Sie bereits als Netrebko-Nachfolgerin gehandelt – gefällt Ihnen das?

PERETYATKO: Menschen werden gern mit anderen Menschen verglichen: Eine Schauspielerin etwa mit Audrey Hepburn, ich mit Anna Netrebko, und nun kommt eine neue Generation von Sängerinnen, die dann mit mir verglichen wird – ich kenne schon solche Fälle, die schreiben mir alle auf Facebook (lacht). Aber im Grunde ist es mir egal, was geschrieben wird, solange es kein Nekrolog ist.

Nun steigt ja mit dem Erfolg und solchen Vergleichen auch der Erwartungs-Druck. Wie begegnen Sie diesem?

PERETYATKO: Ich versuche einfach, nicht daran zu denken. Malte ich mir etwa bei einer Live-Übertragung aus, wie viele Millionen Menschen mir gerade zuschauen, würde mich das wahnsinnig machen. Auch wenn man natürlich gut vorbereitet sein soll, darf man all dies nicht zu ernst nehmen, denn sonst macht man sich kaputt.

Freude bereiten Ihnen ganz offenbar solche Potpourris wie jetzt in Wiesbaden – was gefällt Ihnen an solchen Programmen?

PERETYATKO: Zum einen findet in so einem Programm jeder Zuhörer etwas für sich, zum anderen zeigt solch eine breite Mischung auch meine Stärke, denn ich bin ziemlich vielseitig.

Ihre aktuelle Heimat ist der Belcanto – können Sie sich vorstellen, eines Tages auch in Bayreuth auf der Bühne zu stehen?

PERETYATKO: Ehrlich gesagt: Nein – meine Wagner-Karriere hat mit den Rollen als Blumenmädchen und Waldvogel bereits ihr Ende gefunden (lacht).

Wagner reizt Sie also gar nicht?

PERETYATKO: Ich möchte schon gern, aber es gibt genügend andere Herausforderungen – und warum sollte ich tun, was niemand von mir erwartet? Ich bleibe lieber beim Belcanto, bei Mozart und Richard Strauss, da gibt es Rollen genug.

Oder auch bei Bellini, Donizetti und Rossini – und dann lassen Sie sich mitunter sogar von Ihrem Mann Michele Mariotti dirigieren: Ordnen Sie sich ihm gern unter?

PERETYATKO: Als wir uns 2010 in Pesaro beim Rossini Opera Festival kennenlernten, da habe ich noch zynisch geunkt: Was ist denn das für ein junger Dirigent – auch wenn er älter ist als ich…. Doch nach den ersten Proben war ich sprachlos, wie tiefgründig dieser Mensch ist – ein für sein Alter wirklich ungewöhnlich tiefsinniger und reicher Musiker.

Und deswegen lassen Sie sich von ihm auch gern führen?

PERETYATKO: Er fragt mich ab und zu um Ratschläge, ich frage ihn um Rat – es ist schon eine sehr gute Zusammenarbeit. Daher freue ich mich sehr, wenn wir hier und da zusammenarbeiten, denn mit ihm ist eine Produktion immer sehr angenehm, da er mit mir atmet – und zwar nicht nur mit mir, weil ich seine Frau bin, sondern mit jedem Sänger.

Das klingt, als seien Sie der Gegenbeweis für die Empfehlung, Paare sollten beruflich besser getrennte Wege gehen.

PERETYATKO: Klar haben wir uns bei unseren ersten gemeinsamen Konzerten als Paar gefragt, wie das wohl wird – aber anders als erwartet, lief das ganz normal. Natürlich hat jeder seine Karriere, und das finde ich auch sehr gut, aber ab und zu zusammenzuarbeiten, macht auch Spaß, zumal wir uns eben nicht jeden Tag sehen.

Hält die häufige Distanz die Liebe frisch?

PERETYATKO: Auf jeden Fall ist es dadurch, dass wir uns nicht so oft sehen, immer schön – das ist nicht das Problem, glauben Sie mir (lacht). Und wenn ich keine Lust mehr auf diese ewigen Trennungen habe, dann werde ich schwanger und für ein Jahr aussetzen, nur Hausfrau sein und meinem Mann folgen.

Wenn er jetzt in Italien ist und Sie in Deutschland, wie halten Sie dann Kontakt – über Facebook?

PERETYATKO: Nein, er ist kein Facebook-Typ. Aber Skype ist da eine große Hilfe – das Leben ist schon angenehmer geworden, seit es diese technischen Möglichkeiten gibt. Stellen Sie sich einmal vor, wie das vor 100 Jahren in unserem Fall ausgesehen hätte: Da gab es nur Briefe – heute können wir uns immerhin leibhaftig sehen.

Dafür haben sich die Menschen damals besonders viel Mühe beim Schreiben gegeben.

PERETYATKO: Das stimmt, doch auch wir schreiben einander Briefe. Ja, trotz Skype sind wir da sehr romantisch und verstecken etwa in der Wohnung des anderen kleine Liebesbriefchen, die der andere dann zwei Monate später findet…

 

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