E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 16°C

Belcanto: Oper Frankfurt punktet mit einer konzertanten Aufführung von Donizettis „Roberto Devereux“

Donizettis „Roberto Devereux“ geriet konzertant an der Oper Frankfurt zum Belcanto-Fest mit Ambur Braid, Mario Chang, Alice Coote und Juan Jesús Rodríguez.
Viele Kommunalpolitiker wollen den Standort Willy-Brandt-Platz für die Städtischen Bühnen erhalten. Doch wegen der hohen Sanierungskosten ist auch im Gespräch, Oper und Schauspiel zu trennen. Foto: Arne Dedert (dpa) Viele Kommunalpolitiker wollen den Standort Willy-Brandt-Platz für die Städtischen Bühnen erhalten. Doch wegen der hohen Sanierungskosten ist auch im Gespräch, Oper und Schauspiel zu trennen.

Die alternde Monarchin macht aus Gewohnheit jeden einen Kopf kürzer, der ihrer Machtposition zu gefährlich wird. Doch nachdem ihr einstiger Vertrauter, Günstling und mutmaßlicher Bettgenosse hingerichtet ist, erklärt sie überraschend ihren Amtsverzicht. Was hätte das wieder für eine „kreative“ und quietschmoderne Inszenierung abgeben können, mit Hosenanzügen, Rauten, Smartphones, schlaffen Mundwinkeln und Parteizentralen? Doch statt einer Bühneninszenierung gab es Donizettis „Roberto Devereux“ als konzertante Aufführung, die auch ihre bemerkenswerten Schauwerte hatte. Weil die kanadische Sopranistin Ambur Braid nicht zur alten Despotin Elizabeth I. geschminkt werden musste, ließ sich ihre funkelnde Bühnenpräsenz ganz unabgelenkt bestaunen. Braid gestaltete ohne Zepter und Raute und eigentlich viel zu jung die launische Königin, die sich nicht unter Kontrolle hat. Allein ihre Mundwinkel lassen die Abwesenheit eines Bühnenbildes vergessen: schmeichelnde Mundwinkel und spöttische, überhebliche und triumphierende. Zum Schluss dann um Fassung ringende, flatternde Mundwinkel.

Gleiches ließe sich mit der Augenpartie durchdeklinieren. Und die stimmliche Beherrschung! Alle Nuancen sind da, von den sanften Lockungen bis zu den frostigen Verwünschungen einer beleidigten Diva. Nächstes Jahr wird Braid festes Ensemblemitglied in Frankfurt.

„Roberto Devereux“ (1837) ist nach „Anna Bolena“ und „Maria Stuarda“ der Abschluss einer Opern-Trilogie der Tudor-Königinnen, in der der jeweilige Titelheld seinen Kopf verliert. Die Geschichte des Robert Devereux handelt nicht etwa von der historischen Essex-Verschwörung mit dem gescheiterten Staatsstreich von 1601, sondern deutet die Ereignisse um zu einer freien Fantasie über die üblichen Opernkonventionen. Devereux gibt Elizabeth eine ehrliche Absage und kann auch Sara, die er edelmütig liebt, nicht haben, da sie an den Herzog von Nottingham verheiratet wurde. Das Dreiecksgeschichten-Karussell beginnt sich zur schönsten Musik zu drehen, bis alle restlos unglücklich sind.

Ausnahmslos glücklich waren aber die weiteren Rollen besetzt: Mario Chang mit seiner makellos schönen und geschmackvoll geführten Tenorstimme war als Devereux der gebrochene stolze Mann, der die Königin abblitzen ließ. Die Mezzosopranistin Alice Coote ist als Sara kein zartes und verschüchtertes Opfer, sondern eher ein Fels in der Brandung, der entschlossen und nicht ungefährlich ist. So blendete sie ihre beeindruckenden stimmlichen Möglichkeiten voll auf und gestaltete die Partie sehr dramatisch. Juan Jesús Rodríguez, der ein vorzüglicher Bariton ist, sang den Nottingham mit Betonung auf seine energische und aufbrausende Art, obwohl er gleichsam Grund hätte, geknickt zu sein. Die Nebenrollen Ingyu Hwang, Daniel Miroslaw, Thesele Kemane und der Chor rundeten den hervorragenden Gesamteindruck ab. Giuliano Carella leitete die spannende Aufführung pragmatisch, ausgewogen, elastisch und mit emanzipiertem Orchester, dem nicht die Funktion einer Riesendrehorgel zugewiesen wurde.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen