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Opfer verarbeitet brutale JVA-Geiselnahme als Buchautorin

Knapp zweieinhalb Jahre nach der spektakulären Geiselnahme im Straubinger Hochsicherheitsgefängnis hat das damalige Opfer Susanne Preusker ein Buch über sein Martyrium vorgelegt.
Straubing. 

In dem 160 Seiten starken Werk schildert die frühere Cheftherapeutin der Justizvollzugsanstalt (JVA), wie sie von einem Häftling sieben Stunden lang gefangen gehalten und etliche Male vergewaltigt wurde.

Das Buch ist in rund 40 kleine Geschichten aufgeteilt und schildert nicht nur das brutale Verbrechen an der damals 49 Jahre alten Frau. Insbesondere werde von dem Überleben der Diplom-Psychologin nach der Tat berichtet, teilte der Verlag mit - vom "Kampf gegen die Dämonen in ihrem Kopf, von ihrer Angst und dem Mut, ihrem Leben nach der Erschütterung wieder Lebensqualität abzuringen".

Der Täter saß fast ein Vierteljahrhundert in dem niederbayerischen Gefängnis ein, weil er 1984 in Aschaffenburg eine 25 Jahre alte Lehrerin vergewaltigt und umgebracht hatte. Im April 2009 ging der damals 51-Jährige ins Büro seiner Therapeutin, angeblich um mit ihr über seine Brieffreundin zu reden. Als die Frau Feierabend machen und gehen wollte, bedrohte der Häftling sie mit einem selbst hergestellten Messer, raubte ihr den Schlüssel und sperrte den Raum zu. Während der Mann sich stundenlang an der JVA-Mitarbeiterin verging, wartete vor der Tür ein Sondereinsatzkommando. Die Polizisten griffen aber nicht ein und warteten, bis der Verbrecher aufgab.

Nach der Tat wurden die Sicherheitsvorkehrungen in dem Gefängnis verschärft. Der wegen mehrerer Vergewaltigungen und wegen des Sexualmordes vorbestrafte Mann wurde vom Landgericht Regensburg wegen der Geiselnahme zu weiteren 13 Jahren und neun Monaten Haft sowie anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

In ihrem Buch erklärt Susanne Preusker auch, warum sie die schrecklichen Erlebnisse zur Verarbeitung des Geschehens zu Papier gebracht hat: "Auch wenn die Welt vielleicht auf das, was ich zu sagen habe, verzichten kann - ich kann es nicht." Sie habe es gebraucht, sich "auf diesen Weg" des Schreibens zu begeben. Das Überleben hätten ihr auch ihr Mann und ihr Sohn ermöglicht.

Mittlerweile geht es Preusker etwas besser, aber: "Meinen Rucksack trage ich weiter mit mir herum. Er ist leichter geworden. Leer ist er noch nicht." Sie trenne immer noch zwischen ihrem alten und ihrem neuen Leben, erzählt die Autorin. Doch ihre berufliche Existenz ist wohl zerstört: "Als Psychologin arbeite ich nicht mehr und ich weiß nicht, ob ich das jemals wieder tun möchte."

#media-0; (dpa)
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