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Ordnung muss sein

Von Der schwedische Regisseur Hannes Holm hat das tragikomische Dasein des einstigen Hausmeisters verfilmt. Mit Rolf Lassgard, bekannt geworden als Kommissar Wallander.

Sich umzubringen, ist gar nicht so einfach. Immer, wenn der 59-jährige Ove (Rolf Lassgard) die Schlinge um seinen Hals gelegt hat und sich korrekt gekleidet in seinem blauen Anzug mit dem gelben Hemd von dieser Welt verabschieden will, schauen zufällig Kinder zum Fenster rein. Oder es klingelt jemand an der Haustür. Und als dann endlich die nötige Ruhe für den lange geplanten Selbstmord eingekehrt ist, reißt doch tatsächlich das Seil. Schlechte Qualität. Wie mittlerweile alles um ihn herum, findet Ove. Keiner kann mehr was Haltbares herstellen oder gar rückwärts einparken. Es wimmelt nur so vor Idioten in Oves trübseligem Witwerleben.

Der mürrische Einzelgänger aus der ganz gewöhnlichen Wohnsiedlung in Schweden ist eine jener skurrilen Gestalten, wie sie das skandinavische Kino öfter hervorbringt. Eigentlich entstammt Ove einem Roman des Schweden Fredrik Backman und hat nun erst durch dessen Landsmann, den Regisseur Hannes Holm („Salto für Anfänger“), auf die Leinwand gefunden. Doch man glaubt, Ove schon anderswo mal begegnet zu sein. Denn schrullige, altmodische Typen wie ihn gibt es in der Wirklichkeit überall hin und wieder. Allerdings bietet sich bei Ove nun die Gelegenheit, ihn näher kennenzulernen. Regisseur Hannes Holm umkreist und beobachtet ihn nämlich, erzählt, warum er so ist, wie er ist, und was er den ganzen Tag tut: sich über die lärmenden Nachbarn ärgern, achtlos weggeworfene Kippen von der Straße aufheben und nachschauen, ob die Garagentüren in der Nachbarschaft richtig verschlossen sind. Obwohl Ove nicht mehr Hausmeister seiner Siedlung ist, kann er nicht aufhören mit seinen Kontrollgängen.

Das alles könnte sich sehr unsympathisch ausnehmen, wenn dieser Film nicht so beharrlich charmant zu Oves innerster Gutmütigkeit vordringen würde und ein nachvollziehbar mulmiges Gefühl vermittelte: Irgend etwas stimmt nicht mehr mit dieser (schwedischen) Gesellschaft. „Jeder macht, was er will“, beanstandet Ove, der ein ordnungsliebender Kerl ist und nicht versteht, dass Freiheit keine Grenzen haben soll. Wo es doch auch sowas wie Rücksicht gibt. Oder Anstand. Bürgerliche Tugenden eben, die man mal gelernt hat. So wie er von seinem rechtschaffenen Lokführer-Vater.

Außer dem täglichen Schlendrian hat Ove freilich auch schwere Schicksalsschläge erlebt. Den frühen Tod der Eltern etwa. Oder den schweren Unfall seiner geliebten Frau. Dass diese Katastrophen den „Mann namens Ove“ nicht vernichtet haben, sondern ihm auf tragikomische Weise Größe geben, ist dem Einfühlungsvermögen des Filmemachers Hannes Holm zu verdanken. Für ihn ist ein Sonderling im guten Sinne ein ebenso schätzenswertes wie schützenswertes Wesen, das trotz aller gelegentlichen Missmutigkeit dem Gemeinwohl dient. Sehenswert

Frankfurt: Cinema, Eldorado, Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Mainz: Residenz & Prinzess

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