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Die amerikanische Punkrock-Musikerin Patti Smith auf der Mainzer Zitadelle: Patti Smith: Mystisch, magisch, menschlich

Barfuß tanzen, um Geister, William Blake und Andrei Tarkovski zu beschwören: Patti Smith zieht mit ihrer „Unusual Band“ in Mainz sämtliche Register.
Patti Smith, die „Godmother of Punk“, verströmt auch mit 70 noch verblüffend viel musikalische Energie. Foto: Sven-Sebastian Sajak Patti Smith, die „Godmother of Punk“, verströmt auch mit 70 noch verblüffend viel musikalische Energie.
Mainz. 

Letztes Sonnenblitzen im Freiluft-Areal auf der Mainzer Zitadelle. Ein ruhiger, mythischer Ort, gelegen auf einer Anhöhe mit idyllischem Ausblick. Fernab der hektischen Betriebsamkeit drunten in der Mainzer Innenstadt. Ein beschaulicher Platz, gerade recht für Patti Smith, jene New Yorker Rockpoetin, die Mitte der 70er Jahre im Aufruhr der Punk-Bewegung mit ihrer Vorliebe für Dichter des 19. Jahrhundert, die in die Jahre gekommenen Beatniks und Hippies bei der Hand nahm, um ihnen den Weg in die turbulente Neuzeit zu weisen. Zum zweiten Auftritt von Mrs. Smith nach der Premiere 2014 auf der Zitadelle kommen alle zusammen: Beatniks, Hippies, Punks, Waver und noch ein paar nicht Einzuordnende.

Patti Smiths verzögerter Start sorgt für ungeduldiges Klatschen. Als die 70 Jahre alte Galionsfigur dann samt Begleittrio die Bühne entert, ist der Unmut über die Verspätung wie weggeblasen. „Ich hatte noch eine kleine Mahlzeit, bei der Spatzen mitpickten“, lächelt Frau Schmidt verschmitzt ins Scheinwerferlicht und winkt ins Publikum wie ein Teletubby. Spatzen? Das perfekte Stichwort, um in den esoterischen Einstiegssong „Wing“ überzuleiten. Von den ersten Takten an schillert Patti Smith, zieht das Publikum unmittelbar mit in einen undefinierbaren Sog. Magisch, mystisch, megalithisch und menschlich wie eine Hohepriesterin aus vorchristlicher Zeit.

Mit der unnachahmlichen Gestik ihrer in imaginäre Ferne tastenden Arme dringt sie ein in Gefilde jenseits realer Dimensionen, um erst einmal genüsslich barfuß zu tanzen („Dancing Barefoot“). „Ghost Dance“ widmet sie den Hopi-Indianern, „My Blakean Year“ dem englischen Poeten William Blake. „Mothers Of The Disappeared“ von „U 2“, jene Anklage über Mütter Verschwundener in Regimen Mittel- und Südamerikas, adaptiert sie eigenwillig. Als ambitioniertes Experiment gelingt das vom russischen Filmemacher Andrei Tarkovski und Jazz-Freigeist Sun Ra inspirierte „The Second Stop Is Jupiter“ in Überlänge.

Zwischendurch plaudert sie aus dem Nähkästchen: Den ersten Gitarrenunterricht gab ihr einst Jerry Garcia von „The Grateful Dead“. Aber auch, dass ihr mit Tony Shanahan (Bass, Klavier, Gesang), Seb Rochford (Schlagzeug) und Sohn Jackson Smith (Gitarre) besetztes Trio nicht ihre „Usual Band“, sondern ihre „Unusual Band“ sei. Für die einzige Zugabe agitiert Patti Smith noch einmal gewaltig: „People Have The Power“. Zum Abschied gibt es dann noch einmal Teletubby-Winke-Winke.

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