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Frankfurter "Beatles Revival Band": "Paul fand uns blöd"

Von Seit 40 Jahren spielt die "Beatles Revival Band" die berühmten Hits der Liverpooler Pilzköpfe auf den Bühnen des ganzen Landes nach. Am Sonntag feiert die Gruppe Geburtstag im Frankfurter Club "Zoom" - dort, wo das Spektakel einst begann.
Christopher Tucker (links) gibt heute auf der Bühne John Lennon, Claus Fischer spielt den "stillen Beatle" George Harrison. Bilder > Foto: Sandra Kathe Christopher Tucker (links) gibt heute auf der Bühne John Lennon, Claus Fischer spielt den "stillen Beatle" George Harrison.
Frankfurt. 

Es spielten sich tumultartige Szenen im Frankfurter "Sinkkasten" ab, an jenem Tag im Jahr 1976. Auf der Bühne des verrauchten Clubs, so erinnern sich Leute, die dabei waren, standen vier abgerockte Typen, die die größten Hits der Popgeschichte spielten: "Help!", "She Loves You", "A Hard Day’s Night", "I Feel Fine", "Ticket To Ride". Und das war erst der Anfang der Erfolgsstory.

Denn es waren nicht die genialischen Pop-Visionäre aus England, die diese Songs einst komponiert hatten, die da auf der Bühne standen. Sondern vier Frankfurter Session-Musiker, die das Ungeheuere wagten und nun wie selbstverständlich und nahezu perfekt die Jahrhundertsongs spielten.

Das hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen: Während Paul McCartney gerade mit den "Wings" über den Erdball jettete, George Harrison ein Best-Of-Album veröffentlichte, John Lennon mit seiner Yoko durch den New Yorker Central Park schlurfte und Ringo Starr mit einem Sonnenbrand in Los Angeles zu kämpfen hatte, da schrubbte ein unbedarftes Quartett die weltberühmten Akkorde der "Beatles". Was für ein Hammer! Keine Gitarren-Gruppe der Welt war bis dahin auf die naheliegende Idee gekommen, eine "Beatles"-Coverband zu gründen.

Jetzt also, an diesem Faschingsabend im Jahr 1976, da küsste die Muse der Popkultur endlich einmal Frankfurt: "Ein gelbes Unterseeboot schwebte durch den Musikladen, Sergeant Pepper tanzte Rock ’n’ Roll, Eleanor Rigby servierte Drinks", erzählt Gitarrist Claus Fischer. Die Leute rasteten aus, die Presse überschlug sich.

John Lennon war es egal

40 Jahre geht das nun schon so, trotz des anfänglichen Widerstandes der britischen Musik-Heroen: "Die ,Beatles‘ wussten von uns. Paul McCartney hat sich sehr früh und gar nicht wohlwollend geäußert. Eine #Beatles‘-Cover-Band – das fand er blöd. John Lennon hingegen war es völlig egal. Über Ringo Starr wurde berichtet, dass er uns 500 000 Mark bieten wollte, damit wir aufhören zu spielen“, sagt Claus Fischer, der auf der Bühne einen überzeugenden George Harrison abgibt. Der echte schüttelte der Band sogar mal die Hände.

Die Ereignisse überschlagen sich in den 70er Jahren, in denen Pop und Rockmusik plötzlich ein einträgliches Geschäft wird. Es ist die Zeit von „ABBA“, „Led Zeppelin“, Bruce Springsteen, „Boney M.“. Und die Plattenfirma der "Beatles" macht ernst: Sie will die Frankfurter Cover-Band wegen "arglistiger Täuschung der Fans" gerichtlich verbieten lassen und von der Bühne treiben. Vergeblich: Die Existenz der "Beatles Revival Band" spricht sich schnell im Land herum. Das Quartett tourt und spielt überall, wo es eine Steckdose gibt. Mit dabei: "Sgt.-Pepper"-Kostüme, "Help"-Outfit, "Beatlemania"-Anzüge. Eine Wahnsinnsshow – zumal für die Spätgeborenen, die nie in den Genuss kamen, John Lennon auf der Bühne "Twist And Shout!" schreien zu hören. Die Konzertsäle werden größer, immer mehr Menschen kommen zu den Auftritten.

Die "Bravo" lässt sich in diesen stürmischen Tagen sogar zu der kühnen These hinreißen: "Die 'Beatles'-Hits kann die 'Beatles Revival Band' live vermutlich besser spielen als John, Paul, George und Ringo selbst."

Claus Fischer und Chris Tucker im Interview "Wir sind uns treu geblieben"

1976 machten sich vier Frankfurter Musiker zum Ziel, den "Fab Four" mit einer neuen Band ihre Achtung zu zollen – ohne jedoch plump zu kopieren. Diese Gratwanderung schafft die Gruppe unter dem Namen "Beatles Revival Band" bis heute.

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So viel Ehre, so viel Bürde, doch die Band geht mit diesem Rummel locker um. Wozu überhaupt eine Cover-Band? Die Frage stellte sich für die Frankfurter nie. Der Idealismus ist bis heute geblieben, der Spaß am Spielen sowieso. "Ohne die 'Beatles' wäre ich wahrscheinlich nie Musiker geworden", sagt Fischer. "Ich war immer 'Beatles'-Fan und bin es auch heute noch. Ich wollte Musiker werden und habe als Jugendlicher angefangen, Geld für eine Gitarre zu sparen. Irgendwann hatte ich 27,50 Mark zusammen und habe mir meine erste Gitarre bei Hertie gekauft."

Kein Gründungsmitglied ist mehr in der "Beatles Revival Band" aktiv, 13 verschiedene Musiker spielten zwischenzeitlich in der Gruppe. So werden die Instrumentalisten der Band zwar immer jünger, die Lust auf "Beatles"-Cover lässt trotzdem nicht nach. In Zeiten, in denen sich auch junge Menschen wieder Schallplattenspieler ins WG-Zimmer stellen, die Vinyl-Sammlungen der Eltern durchstöbern, hat die "Beatles Revival Band" den Retro-Schick – irgendwie aus der Zeit gefallen und genau deshalb hip.

Jedes Genre wird bedient

Rund 30 Konzerte spielt die Band jährlich in der Republik. Die Auftritte sind meist ausverkauft, die Tanzflächen voll. Christopher Tucker, der als John Lennon auf der Bühne steht, hat seine eigene Erklärung für den Erfolg: "Die Musik der 'Beatles' bedient nahezu jedes Genre. Von Hardrock bis hin zur Ballade ist alles dabei. Es kommen Leute jeden Alters zu unseren Konzerten, weil die Musik einfach zeitlos ist“, sagt er. Am Sonntag feiert die Band 40. Geburtstag im "Zoom", jenem Club, der als "Sinkkasten" zur Legende wurde.

Am Sonntag, 11. September, spielt die "Beatles Revival Band" um 20 Uhr im Zoom Club Frankfurt, Brönnerstraße 5–9. Die Tickets gibt es im Internet oder im Vorverkauf für 17 Euro.

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