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Serie "Junges Design": Pflanzen aus Styropor bilden einen „Selfiepark“

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Nadine Kolodziey und ihr „basis“-Atelier im Frankfurter Bahnhofsviertel.
Die Designerin Nadine Kolodziey arbeitet in ihrem Frankfurter Atelier unter anderem mit Styropor-Elementen. Foto: Michael Faust Die Designerin Nadine Kolodziey arbeitet in ihrem Frankfurter Atelier unter anderem mit Styropor-Elementen.

„Ich habe eine Bildwelt formuliert, die ich mir in verschiedenen Formaten angucke“, sagt die Illustratorin und Grafikdesignerin Nadine Kolodziey über ihre Arbeitsweise. Die 29-jährige Absolventin der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) malt mit Acryl auf Leinwand, arbeitet auf Papier und Stoff, collagiert, entwirft Motive für T-Shirts und Sweatshirts, gestaltet Wandbilder, zeichnet schließlich auch digital.

Ihre Bildwelt ist kontrastreich und flächig. Es überlagern sich diverse Motive: märchenhafte Figuren ebenso wie Landschaftselemente und abstrakte Strukturen. Oft erinnern Kolodzieys Bilder an farbige Scherenschnitte. Nadine Kolodziey empfängt in ihrem „basis“-Atelier im Frankfurter Bahnhofsviertel. Freundlich und reflektiert wirkt sie, aber auch selbstbewusst.

Auf einem großen Tisch im durchweg hell anmutenden Raum liegt eine Leinwand. Kolodziey bemalt sie mit Acrylstiften. Die Leinwand soll in einer Gruppenausstellung mit befreundeten Frankfurter Illustratoren gezeigt werden. Ins Auge fallen zudem zwei größere, pflanzenförmige Styroporelemente, die im Raum stehen. Sie stammen aus Kolodzieys „Selfiepark“, einer Rauminstallation, die sie 2016 in Offenbach präsentierte. 72 Styroporteile, jedes bis zu 5 Meter hoch, bildeten, sagt Nadine Kolodziey, „eine Illustration, in der ich selbst herumlaufen kann“.

Die Pflanzenformen und Architekturelemente hatte sie aus Styroporblöcken mit heißem Draht geschnitten.

Auch für ihre Illustrationen, die unter anderem in den Wochenzeitungen „Der Freitag“ und „Die Zeit“, in der „Zeit Campus“ und im „Scoop Magazine“ erscheinen, hat Kolodziey eine eigene Technik entwickelt. Zuerst schneidet sie ihre Bildmotive, in einzelne Farbflächen aufgetrennt, aus Plastikfolie aus. Die Schichten verschmilzt sie anschließend mithilfe einer Industriepresse zu einem Bild. „Es sind eigentlich Collagen“, sagt Kolodziey. Am Bildschirm sehen die Collagen wie digitale Zeichnungen aus. Bisweilen arbeitet Kolodziey auch am Rechner. Dabei versucht sie, die digitalen Bilder wie Scherenschnitte wirken zu lassen. Die so entstehende Verwirrung ist gewollt.

Nadine Kolodziey arbeitet experimentell. Sie spricht von der Bedeutung des „Reset-Moments“, der beständigen Neuorientierung also. Wenn sie einen Auftrag für eine Illustration bekommt, liefert Kolodziey untypischerweise keine Skizzen. „Der erste Entwurf ist der schönste, weil er intuitiv ist“, sagt sie. Statt über Skizzen zum endgültigen Entwurf zu gelangen, bietet Kolodziey den Kunden mehrere ausformulierte Versionen zum Thema an. Ihre Kunden findet sie hauptsächlich auf Instagram, oder vielmehr: Die Kunden finden Kolodziey dort. Die Bilderplattform bezeichnet sie als „sehr wichtig“ für ihre Arbeit. Sie sei erst skeptisch gewesen, bemühe sich aber inzwischen, jeden Tag etwas zu posten. Kolodziey hat über 2000 Instagram-Follower. Privates veröffentlicht sie dort nicht: „Mein Instagram-Account zeigt nicht, was ich esse, sondern, woran ich arbeite.“

Residenz in Tokio

Ihren Arbeitstag beginnt Kolodziey zwischen 9 und 11 Uhr. Der Tagesablauf sei je nach Projekt sehr unterschiedlich, sagt sie. Eine räumliche Trennung von Laptop, also E-Mailkommunikation und Internetrecherche, und kreativer Arbeit ist Kolodziey wichtig. In Frankfurt verbringt sie drei Wochen im Monat. Eine Woche ist für Berlin reserviert. „Es ist gut, vor Ort zu sein“, sagt Kolodziey über die Möglichkeiten, die ihr die Hauptstadt bietet. Zeitweise war sie ganz nach Berlin gezogen, merkte jedoch schnell, dass ihr dort etwas fehlte: „In Berlin reden die Leute viel, sie haben viel vor, machen aber nichts.“ In Frankfurt hingegen habe man „viel Ruhe und Zeit zum Arbeiten“, sagt Kolodziey. „Es lohnt sich schon, in Frankfurt zu sein“, fügt sie hinzu. Sie hebt die Gruppe hervor, die sich aus befreundeten Illustratoren gebildet hat: „Eine Art Nachwuchsgeneration.“ Die jungen Kollegen treffen sich regelmäßig zum Austausch. Die eingangs erwähnte Ausstellung „Skull-Sized Kingdoms“ bringt ihre Arbeiten erstmals zusammen. Kolodziey ist auch bei „Ladies, Wine and Design“, einer Frankfurter Vortragsplattform für Designerinnen, aktiv. In Sachen Design-Szene passiere in Frankfurt etwas, resümiert Kolodziey, die im April in Tokio eine Künstlerresidenz hat.

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