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Konzert: Philipp Poisel spielt in der ausverkauften Frankfurter „Batschkapp“

Frankfurt hat Philipp Poisel einen seiner großen Singlehits beschert. Für Matthias Schweighöfers hier angesiedelte Filmkomödie „What A Man“ schrieb er 2011 die Ballade „Eiserner Steg“.
Feiert sein zehnjähriges Bühnenjubiläum: Philipp Poisel in der Batschkapp. Foto: Sven-Sebastian Sajak Feiert sein zehnjähriges Bühnenjubiläum: Philipp Poisel in der Batschkapp.
Frankfurt. 

Kein Wunder, dass sich der Württemberger bei seinem ausverkauften Konzert in der „Batschkapp“ wie unter Freunden fühlte.

Das ist immer so schnell und einfach formuliert und klingt so wunderbar rührselig. 10 Jahre Philipp Poisel – dieses Jubiläum wollte der erfolgreiche Barde nach seiner Arenatournee vor einem Jahr vor 120 000 Zuschauern, 12 000 allein in der Frankfurter Festhalle, „ganz im Zeichen der Clubs und Hallen, dem Schweiß, der von der Decke tropft, und der Nähe zum Publikum“ angehen. „Man packt sich gemeinsam in den Bandbus samt Hänger und fährt wieder los. Wie früher.“ Und man bringt einen eigens zum runden Geburtstag geschriebenen neuen Song mit, formuliert darin seinen Wunsch, dass wir alle „Freunde“ bleiben. Poisel mag es zweifelsfrei nostalgisch.

Allein mit der Klampfe

Auch wenn er auf das ganze Brimborium der „Mein Amerika“-Präsentation 2017 mit aufwendiger Bühnentechnik nebst Laser- und LED-Show diesmal verzichtet, ganz so „clubbig“ kann man sich in Läden wie der „Batschkapp“ – mit 1500 Besuchern natürlich ausverkauft – nicht präsentieren. Dafür ist sie dann doch zu groß. Die Lightshow muss schon Wirkung zeigen, immerhin geht es Poisel „schnörkelloser“ als zuletzt an und tritt erst mal nur mit Klampfe auf die Bühne, um sein Tribut an den 63-jährigen Malocher „Herr Reimer“, der noch niemals auf Mallorca war, in seiner trübseligen Arbeitswelt, zu formulieren. Immer wieder setzt Poisel, zu Beginn seiner Karriere zum Liedermacher erklärt, auf akustische Motive, nicht nur in den Intros einiger Songs. Sie sind wie „Im Garten von Gettis“, dem Stimmungsbild von dem paradiesischen französischen Eiland Île d’Yeu, wie Inseln der Stille und Verschnaufpausen für alle beim letztlich zweieinhalbstündigen Konzertmarathon.

Poisel traut sich sogar danach ganz unplugged an „Froh dabei zu sein“ heran – weg vom Mikro, Kabel raus. Dumm nur, dass man im hinteren Drittel der Halle einen technischen Defekt vermutet, so wenig kommt von Stimme und Gitarre an. Daran sind die Fans selber schuld, denn sie sind – eine Unart unserer Zeit – mehr mit sich selbst beschäftigt und sorgen mit ständigem Geschwätz für einen Geräuschpegel, den der Sänger nicht zu durchdringen vermag.

Weiter vorne dagegen singen sie, wie übrigens bei den meisten der älteren Songs, zumal vom Debütalbum „Wo fängt dein Himmel an?“, mit. Ein engelsgleicher Chor.

Also stimmt die Vermutung, dass Poisel, gerne mal als „Frauenversteher“ stigmatisiert, ein zu 70 Prozent weibliches Klientel hat. Aber es ist so sehr Pärchen- wie Mädchenmusik, gerne auch mal kitschig in ihren romantischsten Momenten. Hier werden noch Sehnsüchte bedient. Dabei ist Poisel, der selber auch akustische und E-Gitarre spielt, mit seinen Jungs längst zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengewachsen.

Seine dritte CD „Mein Amerika“, auf der er kein Trump-Bashing betreibt, sondern sich eher dem uralten amerikanischen Traum, zu dem auch Freiheit und das Streben nach Glück gehört, widmet, hat er in Nashville aufgenommen. Bei „Zünde alle Feuer“ kommt eine Pedal- Steel-Gitarre zum Einsatz, doch Country klingt anders, zumal wenn der Bass eher nach „The Cure“ tönt. Überhaupt: Im Vergleich mit den Begleitern der meisten deutschsprachigen Popsänger haben Andie Mette (Gitarre), Dave Mette (Schlagzeug), Fabian Wendt (Bass) und Florian Ostertag (Gitarre, Keyboards) zu einem ganz eigenen Sound gefunden.

Eigenwilliges Nuscheln

Versucht man zu recherchieren, zu welchen Vorbildern sich Poisel in Interviews bekennt, findet man wenig im Netz. Klar: Grönemeyer mag er, und der mag den jungen, inzwischen auch schon 35-jährigen Kollegen und lässt seine Platten auf seinem „Grönland Records“-Label vertreiben. Wie „Gröny“ hat auch Poisel seinen eigenwilligen Gesangsstil mit ganz speziellen Phrasierungen soweit kultiviert, dass das Nuscheln verständlicher wurde. Ansonsten heißt es nur, die Radioprogramme, die er in seiner Jugend gehört hat, hätten ihn beeinflusst. Das müssen dann wohl „Best of 80’s“-Sendungen gewesen sein. Das Hymnische in den atmosphärischen Arrangements erinnert dank differenzierter Gitarrenarbeit an Klassiker wie „Simple Minds“ und „U2“, bei den Keyboardsflächen mag man an spätere „Genesis“-Platten denken und die perkussive

Rhythmusarbeit gemahnt an Superdrummer Manu Katché, der für Sting, „Dire Straits“ und Peter Gabriel trommelte. Keine schlechten Referenzen.

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