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Pianist in der Alten Oper: Piotr Anderszewski: Ein stabiles Händchen für Rhythmik und Ausdruck

Von Der polnische Pianist Piotr Anderszewski gastierte in der Alten Oper Frankfurt mit einem Programm aus Mozart, Janácek und Chopin.

Was wäre ein Pole am Flügel ohne den Nationalkomponisten Frédéric Chopin. Piotr Anderszewski tastete sich von Mozart über den kantigen Mähren Leos Janácek hin zu seinem musikalischen Idol. Und das Warten bis zum zweiten Konzertteil lohnte sich für die Zuhörer im Mozart-Saal. Die sechs Mazurken opus 56 und 59, die er ausgewählt hatte, belegten Chopin als Meister der kleinen, kompakten Form, zugleich aber auch den virtuosen Tonsetzer polnisch-masurischer Volksweisen. Anderszewski wusste, auf was er sich eingelassen hatte. Er streichelte, ja liebkoste die Tasten, hatte aber auch ein stabiles Händchen für Rhythmik und Ausdruck.

Das Tänzerische, Beschwingte hatte ja besonders in den beiden lebhaften Mazurken C-Dur und fis-Moll seinen besonderen Reiz. Und in der Polonaise-Fantasie As-Dur am Ende brachte Anderszewski noch einmal mächtig Schmiss und Aktion, die die enorme Vielseitigkeit der Musik Chopins unter Beweis stellte.

Die gesamte erste Konzerthälfte war Mozart gewidmet, dem Anderszewski ebenfalls sehr zugeneigt ist. Die Fantasie c-Moll KV 475 und die Sonate gleicher Tonart KV 457, nahe beieinander in der Zeit ihrer jeweiligen Entstehung, band der Pianist auch dramaturgisch aneinander – man merkte kaum den Übergang zum delikat gestalteten ersten Satz der Sonate. Der gepflegte Anschlag, das praktisch stufenfreie, fließende Spiel des Interpreten beeindruckte immer wieder. Verve und Schwung erfüllten auch den kraftvollen „Rausschmeißer“, das Allegro assai.

Um den Nuancenreichtum seines Repertoires zu vervollständigen, begann Anderszewski nach der Pause mit dem zweiten Teil der Stückesammlung „Auf verwachsenem Pfade“ von Leos Janácek. Wer den Begriff „verwachsen“ dabei als fest verwoben, stabil und bodenständig im buchstäblichen Sinne verwendet, wurde vom Spiel des Künstlers bestätigt. Anderszewski zeigte Lebensfreude und Musikalität des Mähren in jedem der fünf blinkenden Stückchen einzeln auf. Am reizvollsten wirkten dabei sicherlich die in dichter Abfolge kommenden Kontraste der ersten beiden Teile, aber auch ein herzhaft kerniges „Vivo“ am Ende. Der richtige Übergang zu Chopin.

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