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Konzert in der Festhalle: Punkrock-Combo „Broilers“ in Frankfurt

Enge, Schweiß und Mitsingstimmung: Bei den „Broilers“ in der Festhalle wurde das Gestern wie das Heute gefeiert, als sollten die „Toten Hosen“ abgelöst werden.
Bei Sänger und Gitarrist Sammy Amara gleicht jeder Griff einem musikalischen Kinnhaken. Und wer dabei nicht k.o. geht, der singt weiter mit. Von damals und heute und irgendwann. Foto: Sven-Sebastian Sajak Bei Sänger und Gitarrist Sammy Amara gleicht jeder Griff einem musikalischen Kinnhaken. Und wer dabei nicht k.o. geht, der singt weiter mit. Von damals und heute und irgendwann.

Nicht erst seit dem Voprogramm „The Baboon Show“, eine schwedische Punkrockband um die energische Frontfrau Cecilia Boström, befindet sich das Publikum in Feierlaune. Schon Stunden vorher vor noch geschlossenen Türen ging das Partytreiben mit mitgebrachtem Hochprozentigem der aus Nah und Fern Angereisten los.

Bilderstrecke Punk und Pogo: Die "Broilers" bringen die Festhalle zum Beben
Die deutsche Punk-Rock-Band Broilers begeiserte am Samstag (15.04.) das Publikum in der Festhalle Frankfurt. Wir haben die Fotos!Die deutsche Punk-Rock-Band Broilers begeiserte am Samstag (15.04.) das Publikum in der Festhalle Frankfurt.Die deutsche Punk-Rock-Band Broilers begeiserte am Samstag (15.04.) das Publikum in der Festhalle Frankfurt.

Als „The Baboon Show“ nach einer halben Stunde Entertainment im „Ramones“-Modus enden, läuft der kollektive Betriebsmotor vor allem im massiv bis zum Anschlag gefüllten und durch Wellenbrecher koordinierten Innenraum der Festhalle schon mächtig heiß. Es gibt kaum noch ein Entkommen aus den Menschenmassen, um sich weiteren Tankstoff an den Ausschänken zu besorgen. Wenig später löscht sich unter den Konservenklängen des britischen Punkklassikers „If The Kids Are United“ von Sham 69 ohnehin das Saallicht, und der mit übergroßem blau-weiß-roten Mod-Motiv verzierte Vorhang fällt.

Zurück zum Beton

Es ist der Auftakt für „Zurück zum Beton“, eine urbane Hymne um Heimatgefühle für den eigenen Kiez. Sie macht es der auf Nahkampf, Toben und Pogen ausgericheteten Fangemeinde vor der Bühne nicht leicht, den rechten Rhythmustakt zu finden. Stellt sich doch dem gewohntem Viervierteltakt im Punkrock-Stakkato ein Intro aus klassischer Konzertgitarre mit Flamenco-Einlage entgegen. Doch dann brechen alle Dämme, um jenes wohlige Gemeinschaftsgefühl aus Enge, Schweiß, Überhitzung, Schmerz und Überlautstärke zu empfinden, wegen dem ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuschauer gekommen ist. Nahtlos greifen die Mechanismen der 1992 von Frontmann Sammy Amara und Schlagzeuger Andreas „Andi“ Brügge gegründeten „Broilers“ in die Erwartung des Publikums. Eine überaus energetische Mixtur aus Punk, Rockabilly, Pop und Ska, sämtlich mitgrölgeeignete Stadionhymnen mit gesellschaftsrelevanter Botschaft im Hochgeschwindigkeitsrausch, verpassen in für die Festhalle unglaublich ausgewogener Akustik im Minutentakt Kinnhaken. Gelegentliche Songeinschübe im Ska- und Reggae-Off-Beat untermalt ein dezentes Blechbläsertrio. Thematisch geht es kreuz und quer durch die Nöte und Ängste der Republik: Personenporträts wie „Paul der Hooligan“ treffen auf Ausgrenzung („Zu den Wurzeln“), Erwachsenwerden („Meine Familie“), Anderssein („Harter Weg (Go!)“), Leidenschaft („Ich brenn’“), Liebesverlust („Tanzt du noch einmal mit mir?“) und verstorbenen Künstlern („Ihr da oben“).

In Rockabilly-Kluft

Ein textsicher von den Fans begleitetes Kompaktpaket, das die Band da verabreicht. Längst gelten die „Broilers“ als Nachfolgeformation der allzu betulich in die Jahre gekommenen „Toten Hosen“ um Frontmann Campino. Sammy Amara, ein tätowierter Modellathlet in Rockabilly-Kluft, erweist sich nicht nur als zünftiger Sänger und Gitarrist, sondern weiß auch, wie man mit dem Publikum möglichst plauscht. Volksnah hantiert Amara mit Ebbelwei, erzählt den einen oder anderen Schwank und erinnert sich auch an das erste Konzert in der „Batschkapp“ („Mann, was waren wir stolz“) der mit Sologitarrist Ronald „Ron“ Hübner, Bassistin Ines Maybaum und Keyboarder Christian „Chris“ Kubczak komplettierten Formation. Mittlerweile riecht es vor allem im vorderen Bereich im Innenraum streng nach Turnhalle. Manch einer ist gar außer Gefecht gesetzt. Hitze, Alkohol und Toben fordern ihren Tribut. Ohne Unterlass verabreichen die „Broilers“ weitere Mitsingoden: „Dumm und glücklich“ widmen sie etwas uncharmant der Tourcrew, „Held in unserer Mitte“ ehrt die namenlosen ehrenamtlichen Helfer, und „Keine Hymnen heute“ erweist sich als pure Bescheidenheit. In den überlangen Zugabenteil betten die Frohnaturen dann noch Trinkfestes wie „Die Letzten (an der Bar)“ ein.

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