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Gaunerkomödie "Ocean's 8": Putzig anzusehen, aber vollkommen belanglos

Von George Clooney machte es als Gauner in der „Ocean’s“-Trilogie vor. Jetzt wollen auch die Frauen ran und Diamanten bei der Met-Gala rauben.
Debbie Ocean (Sandra Bullock, r.) plant mit ihren Freundinnen einen Millionen-Coup. Foto: Barry Wetcher (Warner Bros) Debbie Ocean (Sandra Bullock, r.) plant mit ihren Freundinnen einen Millionen-Coup.

Als Kind trällerte Sandra Bullock in einem Nürnberger Kinderchor. Heute zählt sie zu den höchstbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Die bescheidenen Anfänge im Frankenland hat die Tochter der Opernsängerin Helga Meyer nie vergessen. Sandra Bullock ist stolz auf ihre Wurzeln, weshalb sie auch in der Hollywood-Posse „Ocean’s Eight“ einige Sätze auf Deutsch zum Besten gibt. Jene Szene, in der sie als Juwelenräuberin auf dem Roten Teppich mit Heidi Klum zusammenstößt, ist symptomatisch für die Qualität des gesamten Films. Putzig anzusehen, aber vollkommen belanglos.

Regisseur Gary Ross („Die Tribute von Panem“) beschränkt sich darauf, die Erfolgsformel der „Ocean’s Eleven“ Serie zu kopieren, in der George Clooney auf Beutezug ging. Nun liegt es an seiner Schwester Debbie Ocean (Bullock) das Familienerbe anzutreten. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, macht sich Debbie ans Werk, um einen waghalsigen Plan in die Tat umzusetzen. Bei einer Gala im New Yorker Metropolitan Museum will sie eine Halskette im Wert von 140 Millionen Dollar stehlen – und zwar direkt vom Hals der Schauspielerin Daphne Kluger (Anne Hathaway). Für den Coup benötigen Debbie und ihre Freundin Lou (Cate Blanchett) die Unterstützung einiger Spezialistinnen. Zum Team gehören unter anderen die Hackerin Nine Ball (Rihanna), die Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter) sowie die asiatische Trickbetrügerin Constance (Awkwafina). Leider erhält keine der diebischen Damen ausreichend Zeit, um sich während der 100 Filmminuten als Persönlichkeit zu entfalten. Selbst die Oscarpreisträgerinnen Bullock und Blanchett werden durch die oberflächliche Videoclip-Inszenierung auf das Niveau sprechender Schaufensterpuppen degradiert, die dicke Schminke und kurze Kleidchen zur Schau stellen. Obwohl Regisseur Ross alle Möglichkeiten hatte, ein feministisches Gangsterstück zu schaffen, in dem gestandene Frauen jenseits der fünfzig ihre Klasse demonstrieren, zementiert er lieber eingefahrene Geschlechter-Klischees. So hat Debbie Ocean nach der Knast-Entlassung natürlich nichts Besseres zu tun, als in die nächste Drogerie zu rennen und Make-up zu klauen. Typisch für die amerikanische Filmindustrie, dass die durchgestylten Garderoben und die technischen Spielzeuge der Meisterdiebinnen prominenter ins Bild gerückt werden als deren Cleverness. Lediglich Anna Hathaway darf in der Rolle einer auf Äußerlichkeiten fixierten Diva, die jedem Produzenten gefallen will, ihr satirisches Potenzial entfalten. In diesen Momenten zeigt sich, was aus der braven Komödie „Ocean’s Eight“ hätte werden können. Eine bitterböse Abrechnung mit dem Körperkult des Show-Geschäfts, das noch viel zu häufig männliche Wünsche befriedigt. Annehmbar

 

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