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Premiere am Sonntag: Quinn Kelsey singt den Rigoletto im neuen Verdi an der Frankfurter Oper

Am Sonntag ist Premiere. In der Oper Frankfurt wird eins der beliebtesten Werke Verdis gespielt: „Rigoletto“. Die Titelpartie singt Quinn Kelsey aus Honolulu. Der Mann ist noch keine 40.
Quinn Kelsey als Rigoletto (vorne) bei den Proben zur Neuinszenierung der Verdi-Oper in Frankfurt. Quinn Kelsey als Rigoletto (vorne) bei den Proben zur Neuinszenierung der Verdi-Oper in Frankfurt.
Frankfurt. 

Die Oper brachte ihrem Komponisten bei der Uraufführung 1851 den internationalen Durchbruch. „Rigoletto“ ist bis heute nach „La Traviata“ die am meisten aufgeführte Oper Verdis (1813–1901). Sie zählt ebenfalls zu den Top Ten aller Opern der Welt. In Frankfurt singt ein Hawaiianer den buckligen Hofnarren: Quinn Kelsey.

Dieser Rigoletto hält es für seine Aufgabe, am Hof des Herzogs von Mantua (Mario Chang) die adligen Damen zu verspotten, die der Herzog entehrt hat. Nun muss er fürchten, dass seine über alles geliebte Tochter Gilda das gleiche Schicksal erleiden wird. Er versucht, die junge Dame vor schlechtem Umgang zu bewahren. Doch was geschieht? Das Mädchen verliebt sich kurz nach seiner Ankunft in Mantua ausgerechnet in den Herzog, und zwar beim Kirchgang. Am Ende wird sie für ihn sogar sterben – außerplanmäßig hingerafft durch einen vom Vater gedungenen Mörder: Sparafucile (Önay Köse).

Prüfung für Sänger

Das ist eine ebenso spektakuläre wie rührende Geschichte. Wenn Gilda in den Armen ihres Vaters am Schluss der Oper stirbt, ist es in allen Opernhäusern der Welt so still wie sonst nur auf dem Friedhof. Tränen rinnen. Leise Seufzer allenfalls. Warum? Fast jeder kann wohl nachempfinden, wie es einem Vater zumute ist, der sein Kind verliert. Und auch im wirklichen Leben ist es ja nicht selten so, dass das Gutgemeinte ins Verhängnis führt – oder jedenfalls das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war. Genau das reizt auch Quinn Kelsey an der Rolle des Rigoletto.

Die Gefühle eines Vaters glaubhaft machen können, ist für junge Sänger die Prüfung, ob sie schon reif sind für diese Partie, nicht nur stimmlich, auch psychisch. Viele beginnen erst mit Rigoletto, wenn der 40. Geburtstag näher kommt. Anders Quinn Kelsey: 1978 geboren, hat er in der Partie des tragischen Narren bereits 2011 in Oslo sein Rollendebüt gegeben. Inzwischen hat er den Rigoletto an vielen bedeutenden Opernhäusern gesungen, von Paris bis Zürich.

Vielleicht, weil er immer seinem Alter ein wenig voraus war, wenn es ums Singen ging. Denn das ist ihm wahrlich in die Wiege gelegt worden: Seine Eltern lernten sich bei einem gemeinsamen Duett an der Universität kennen – und lieben. „Schon früh habe ich begonnen, im Kirchenchor meiner Mutter in Honolulu zu singen, ebenso wie mein Vater und meine Schwester. Wenn wir zu viert waren, konnte unsere Familie alleine schon die Stimmen Alt, Sopran, Tenor und Bariton abdecken. Als ich 13 war, wurde ich schon Mitglied im Männerchor meines Vaters und gleich für den Extrachor in der ,Aida‘ engagiert. Das war mein Debüt am Opernhaus“, erzählt Kelsey.

Bevor er sich endgültig für eine Gesangskarriere entschied, studierte er allerdings am College Meeresbiologie, Malerei und hawaiianische Kultur: „Aber am Ende war die Anziehungskraft des klassischen Gesangs und der Oper stärker.“ Sein Weg führte ihn an die Opernhäuser von San Francisco und Chicago, auch zur Metropolitan Opera nach New York, wo er bereits Marcello („La Bohème“) und Germont („La Traviata) gesungen hat und in der nächsten Saison Peter („Hänsel und Gretel“), Luna („Il Trovatore“) und Enrico („Lucia di Lammermoor“) geben wird. Im Juni 2013 trat der heute in Chicago lebende Sänger erstmals an der Oper Frankfurt auf, als Monforte in Verdis „Sizilianischer Vesper“. Später begeisterte Kelsey das Frankfurter Publikum als Enrico in Donizettis „Lucia di Lammermoor“.

Doppelter Schmerz

Auch, wenn ein Großteil seines Repertoires von Verdi stammt, möchte er sich nicht festlegen lassen. „Noch bevor ich mich selbst dafür hielt, haben meine Mentoren und Agenten gesagt, ich sei ein Verdi-Sänger und werde mit seinem Repertoire viel Erfolg haben“, schmunzelt der Bariton. Sie sollten Recht behalten. „Als Verdi-Sänger musst du vor allem eines haben: viel Geduld, dass die reift. Du musst den richtigen Zeitpunkt abwarten“, weiß der Hawaiianer.

Bei jeder Neuproduktion von Rigoletto stellt sich die Frage, wie böse ist Rigoletto? Ist er ein vom Schicksal gezeichneter, an Seele und Leib verkrüppelter Mensch, der keine andere Überlebenschance hat, als den bösartigen Hofnarren zu spielen? Geht er im Bestreben, seine Tochter zu beschützen, zu weit? Fragen, die sich auch Quinn Kelsey stellt. Er ist ein großer, wuchtiger Mann. Doch in diesem mächtigen Köper befindet sich eine empfindsame Seele.

„Der Charakter in der Frankfurter Produktion, so wie ihn Regisseur Hendrik Müller sieht, ist ein sehr negativer, ein sehr böser, sarkastischer, sehr kalter und eisiger. In anderen Produktionen hält sich stärker die Balance zwischen böse und sympathisch. In dieser Inszenierung zeigt der Regisseur ihn in extremen Lagen. Er möchte damit den starken Wechsel der Gefühle zum Ausdruck bringen. Zwischen den Extremen gibt es nichts.“ Kelsey, der noch heute gerne zum Zeichenstift greift, skizziert seinen Narren Rigoletto so: „Er ist ein sehr komplexer Charakter. Seine Tochter Gilda hingegen ist die Reinheit in Person. Aber sie ist Teil seines Lebens. Gilda ist ihm das Kostbarste. Dahinter steckt aber noch mehr. Gildas tote Mutter hat ihm viel bedeutet. Sie war der einzige Mensch, der über sein Gebrechen hinweggesehen und ihn trotzdem geliebt hat. Gilda ist die letzte Verbindung, die ihm zu dieser Frau geblieben ist, der einzige Schatz, den er noch besitzt. Ihn will er beschützen.“

Aber er verliert ihn. Er verliert seine Tochter und mit ihr für immer auch die einst geliebte Frau. Das ist doppelter Schmerz. Quinn Kelsey muss ihn singen. Der Mann aus Honolulu ist noch keine 40.

 

Premiere am 19. März, 18 Uhr. Oper Frankfurt, Willy-Brandt-Platz. Kartentelefon: (069) 21 24 94 94.
Internet: www.oper-frankfurt.de

 

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