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Ausstellung: Richard Löwenherz: Geliebt und gefürchtet

Der ruhmreiche König von England, mächtigster Herrscher des 12. Jahrhunderts, ist für seinen Mut und seine Tapferkeit in die Geschichtsbücher eingegangen.
Kopf des Reiterstandbilds, das Baron Carlo Marochetti 1860 von Richard Löwenherz angefertigt hat. Es steht heute in London. Bilder > Kopf des Reiterstandbilds, das Baron Carlo Marochetti 1860 von Richard Löwenherz angefertigt hat. Es steht heute in London.
Speyer. 

„Er zwang die Welt, sich halb in Liebe, halb in Furcht vor ihm zu beugen.“ So besang der Troubadour Gaucelm Faidit den mächtigsten Herrscher seiner Zeit: Richard I. Löwenherz (1157–1199). Erstmals ist dem ruhmreichen König von England eine umfassende Ausstellung gewidmet. Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt 170 kostbare Kunstwerke, bedeutende Urkunden und aufschlussreiche Chroniken.

Verherrlichte Taten

Richard Löwenherz förderte Troubadoure und Chronisten, die seine Taten verherrlichten. So setzte er seine bis heute anhaltende Ruhmesberichterstattung in Gang. Der zeitgenössische Chronist Ambroise nannte ihn „den trefflichen König, den Löwenherz“. Die von Richard de Templo vor 1222 verfasste Chronik verherrlicht die Gestalt und den Charakter des Königs. Er habe sich durch eine elegante Erscheinung ausgezeichnet, sei großzügig und gerecht, tapfer wie Alexander der Große und weise wie Odysseus gewesen. Die Geschichtsschreibung vermeldet jedoch auch Richards unrühmliche Taten. Sein Vater Heinrich II. war Herrscher über das Angevinische Reich. Es erstreckte sich über England und die westliche Hälfte des heutigen Frankreichs bis hinab zu den Pyrenäen. Verheiratet war Heinrich II. mit Eleonore von Aquitanien. Das Paar hatte fünf Söhne und drei Töchter. Richard nötigte 1189 den Vater, ihn als Thronfolger anzuerkennen. Wenige Tage später starb Heinrich, und Richard trat die Herrschaft über England und die französischen Besitzungen an.

Kreuz und Krone

Zu den Glanzstücken der Schau gehören Werke der sakralen Kunst. Denn weltliche Herrschaft und christlicher Glaube waren im Mittelalter untrennbar. Aus der Basilika von Toulouse stammt das vergoldete und mit buntem Email geschmückte „Reliquiar des Wahren Kreuzes“ (1176–1198). Auf dem Kästchen ist die Abgabe des Teilchens des Wahren Kreuzes Christi, für welches das Reliquiar bestimmt ist, durch den Abt des Josaphat-Klosters dargestellt. Saladin nahm mit seinem muslimischen Heer 1187 Jerusalem ein, ließ das Kloster von Josaphat zerstören und raubte die dort aufbewahrte Reliquie des Wahren Kreuzes. Daraufhin rief Papst Gregor VIII. zum Kreuzzug gegen Saladin auf.

Schuss in die Schulter

Zu diesem so genannten Dritten Kreuzzug (1189–1192) rüsteten König Richard Löwenherz, König Philipp II. von Frankreich und Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der jedoch auf dem Weg nach Palästina ertrank. Die Hafenstadt Akkon kapitulierte am 12. Juli 1191. Philipp und Richard beanspruchten die Beute für sich. Zum Zeichen, dass auch er einen Anteil haben wollte, hisste Herzog Leopold V. von Österreich seine Fahne. Richard ließ sie in den Burggraben werfen. Eine folgenschwere Demütigung. Nach der Einnahme Akkons trat Philipp eilends die Heimreise an – und marschierte in Richards französische Besitzungen ein. Richard brach erst 1192 auf. Nach seinem Schiffbruch nahm er mit wenigen Getreuen den Landweg über Österreich. Otto von St. Blasien schildert in seiner Chronik (Abschrift, zwischen 1254 und 1277) spöttisch Richards Gefangennahme bei Wien. Der als armer Pilger verkleidete Herrscher habe sich durch seine Eitelkeit selbst verraten: Er machte sich durch einen wertvollen Ring am Finger verdächtig. Der von Richard in seiner Ehre gekränkte Leopold V. lachte ihn aus und führte ihn ab. Gegen die Beteiligung am zu erwartenden Lösegeld übergab Leopold seinen Gefangenen am 28. März 1193 in Speyer an Kaiser Heinrich VI. Der Kaiser klagte den König von England der Ehrverletzung des Herzogs von Österreich und weiterer Vergehen an.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Richard Löwenherz mit der Rückeroberung seiner von Philipp II. besetzten Gebiete. Sein Ende fand er vor der Burg Chalus-Chabrol. Leichtfertigerweise inspizierte er seine Truppen, ohne sein Kettenhemd angelegt zu haben. Ein Armbrustschütze traf ihn in die Schulter. Wenige Tage später, am 6. April 1199, starb er in den Armen seiner Mutter an Wundbrand. Den Körper Richards ließ Eleonore seinem Wunsch gemäß neben dem seines Vaters in der Kirche der Abtei Fontevraud bestatten, wo auch sie 1204 ihre letzte Ruhe fand. Ausgestellt sind die Gipsabgüsse der drei überlebensgroßen Grabfiguren. Sein Herz aber schenkte er der Kathedrale von Rouen. Es ruhte in dem nun in Speyer gezeigten Bleikästchen (1199). Der Deckel trägt die lateinische Inschrift: „Hier liegt das Herz von Richard, König von England.“

In der näheren Umgebung der Ausstellung sind Baudenkmäler erhalten, die bereits Richard Löwenherz kennen gelernt hat. Neben dem Historischen Museum erhebt sich der größte Kirchenbau der Romanik: der Kaiserdom zu Speyer. Der Hauptturm der Reichsburg Trifels mit der im zweiten Geschoss eingerichteten Kapelle war zur Zeit von Richard ein Neubau. In dem über der Kapelle gelegenen Wohnraum war der königliche Gefangene vermutlich einige Wochen untergebracht. In Worms wiederum siegelte Richard einige Urkunden. Den 1181 geweihten Dom zu Worms hat er sicherlich betreten. Das mit vier runden Türmen ausgestattete Bauwerk ist in seiner damaligen Gestalt weitgehend auf uns gekommen. Eindrucksvoll sind die „richardzeitlichen“ Reliefs, wie das des heiligen Nikolaus, der seine Schüler lehrt, sowie Skulpturen dämonischer Wesen und die Abbildungen von zähnefletschenden Löwen.

 

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