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Interview: Rick Astley: „Das Fieber ist wieder ausgebrochen“

Im Spätsommer geht der britische Popsänger Rick Astley wieder auf Tournee und kommt dabei auch nach Deutschland in die Frankfurter „Batschkapp“.
Es hätte auch ein Rockstar aus ihm werden können, doch mit seiner Popmusik trifft der Brite Rick Astley mehr denn je den Nerv der Zeit. Foto: Joel Goodman (London News Pictures via ZUMA) Es hätte auch ein Rockstar aus ihm werden können, doch mit seiner Popmusik trifft der Brite Rick Astley mehr denn je den Nerv der Zeit.

„Beautiful Life“, Titelstück des neuen Albums, das heute erscheint, klingt frappierend nach dem „Coldplay“-Hit „Hymn For The Weekend“, ansonsten setzt Rick Astley auf seine angenehme Soulstimme, zeitlose Popmelodien und überwiegend entspannte Songs auf dem wieder komplett selbstgeschriebenen und -produzierten Nachfolgewerk des Sensations-Comebacks „50“. Hätte ja keiner mehr erwartet, dass der heute 52-jährige Engländer, der 1987 mit „Never Gonna Give You Up“ einen Monsterhit landete und sechs Jahre später ausgebrannt in Frührente ging, noch einmal so durchstarten würde. Aber dank des 2007 entstandenen Internet-Phänomens „Rickrolling“ (man klickt auf einen x-beliebigen Link und landet beim „Never-Gonna-Give-You-Up“-Video) ist Astley heute auch der Jugend ein Begriff. Steffen Rüth sprach mit dem Sänger, der am 14. September in die Frankfurter „Batschkapp“ kommt.

Mr. Astley, haben Sie ein „Beautiful Life“, ein schönes Leben?

RICK ASTLEY: Mein Leben ist das allerbeste! Ich bin seit mehr als 30 Jahren in meine Frau verliebt, wir haben eine fantastische Tochter. Und was meine Karriere betrifft, so ist ein kleines Wunder passiert, worüber ich sehr glücklich bin.

Sie sind plötzlich wieder richtig erfolgreich. Ihr 2016 veröffentlichtes Album „50“ schaffte es in Großbritannien auf Platz eins.

ASTLEY: Ja, das war ziemlich interessant. Ich habe eine Menge Alben verkauft, mehr als die meisten anderen Künstler. Und das mit einer Platte, die ich ohne besondere Erwartungen ganz alleine in meinem Keller aufgenommen habe. Ich glaube, die Leute haben gewürdigt, dass ich diese Musik wirklich für mich gemacht habe, dass sie wahrhaft und persönlich ist. Ein bisschen ist das Rick-Astley-Fieber wieder ausgebrochen.

Haben Sie überlegt, woran das liegt?

ASTLEY: Ja. Ein Popstar langweilt die Leute früher oder später. Ich hatte meine vier, fünf Jahre an der Spitze, dann wandten sich die Menschen anderen Stars zu und vergaßen mich. Und irgendwann fingen sie an, mich zu vermissen.

Man hat sich damals auch ein bisschen über Sie lustig gemacht. Glauben Sie, die Leute haben ein schlechtes Gewissen?

ASTLEY: Man bringt mir heute mehr Empathie und Wertschätzung entgegen als in den späten 80ern. Gut möglich, dass einige denken „So übel war der Knabe gar nicht“. Aber eins ist klar: Nur wegen deiner Sympathiewerte verkaufst du keine Platten. „50“ war nicht nur eine Story über den Typen aus den 80ern, der in seiner Garage ein neues Album aufgenommen hat, sondern es ist richtig guter Pop. Schauen Sie sich zum Beispiel „Abba“ an. Selbst diese Jahrhundertband war nicht besonders kredibel in ihrer großen Phase in den 70ern. Aber jeder Musiker oder Songwriter auf der Welt hat sich schon mal von einem „Abba“-Song inspirieren lassen. „Abba“ waren und sind einzigartig.

Im Vergleich zu den „Abba“-Mitgliedern sehen Sie immer noch so aus wie vor 30 Jahren.

ASTLEY: Naja, ich kriege auch meine Falten, aber das Haar macht viel aus. Es wird nicht weniger, und es wird nicht grau. Das bringt mindestens zehn Jahre. Und okay, die „Abba“-Männer sehen aus wie Großväter, doch Frida sieht immer noch, sorry, echt heiß aus.

Wie kommen Sie gerade auf „Abba“?

ASTLEY: Weil meine Frau und ich beim Mittagessen vorhin darüber sprachen, dass sie jetzt mit neuen Songs zurückkommen. Eine verrückte, tolle Sache. Ich war sieben, als sie mit „Waterloo“ beim ESC gewannen. Ich weiß noch, dass ich bei meiner Oma auf dem Sofa saß und mit Nähnadeln zu der Melodie auf dem Tisch getrommelt habe.

Wussten Sie als Siebenjähriger schon, dass Sie Musiker werden möchten?

ASTLEY: Im Unterbewusstsein bestimmt. Ich hatte keine unkomplizierte Kindheit. Ich bin ein Junge aus der Kleinstadt, meine Eltern ließen sich scheiden, als ich klein war, ich war häufig bei meinen Großeltern, und wenn ich Musik hörte, war ich am glücklichsten. Ich lernte Schlagzeug und Gitarre, als Teenager trat ich mit meiner Band „FBI“ in Kneipen auf, wurde entdeckt, und wenig später war ich die Nummer eins in den Charts. Du brauchst Glück für eine solche Karriere, und ich hatte dieses Glück. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre?

Sie haben eine kleine Zweitband, „The Luddites“, und mit denen spielen Sie Rock- und Punkmusik. Wären Sie nicht von der Hitschmiede „Stock Aitken Waterman“ unter Vertrag genommen und zum braven Pop-Jungen gemacht worden, hätten Sie der Sänger einer Rockband werden können?

ASTLEY: Tja, der Gedanken ist mir auch oft gekommen. In einem anderen Universum wäre das bestimmt auch lustig gewesen. Die Art und Weise, wie ich singe, passt allerdings nicht so wirklich gut zum Rock ’n’ Roll. Stimmlich orientiere ich mich eher an amerikanischer Soulmusik, an Bill Withers oder Al Green. Was nicht heißen soll, dass ich als Rocksänger nicht meinen Spaß habe!

Eine ganze Reihe von Songs auf „Beautiful Life“ handeln von der Liebe zu Ihrer Frau. Sie sind ein ganz schöner Schmusebär, oder?

ASTLEY: Lene ist einfach das Beste, was mir passieren konnte. Und das lasse ich sie gerne wissen. In „She Makes Me“ geht es darum, dass ich glaube, ohne diese tolle Frau nur ein kleines Würstchen zu sein, dass es aber mit ihr gemeinsam nichts im Leben gibt, was mich umwirft. Und „Rise Up“ ist ein ganz ruhiges Lied über das Glück, sich zu lieben und einen Partner zu haben, der für einen da ist.

„Batschkapp“ Frankfurt

Gwinnerstraße 5. 14. September,
19 Uhr. Karten zu 62,15 Euro
unter Hotline 0 18 06-57 00 70.
Internet www.batschkapp.de

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