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Interview: Rod Stewart über die eigene Sterblichkeit und sein neues Album „Blood Red Roses“

Seit mehr als 50 Jahren ist Rod Stewart nicht aus der Pop- und Rockmusik wegzudenken. Mit seiner markanten Reibeisenstimme steht der Brite für unverwüstliche Songs wie „Sailing“ oder „Maggie May“. Sein neues Album „Blood Red Roses“, das ausschließlich aus Eigenkompositionen besteht, ist eine überzeugend solide Liedersammlung mit einem rasanten, aber auch vielen besinnlichen und balladesken Songs. Mit Rod Stewart sprach Steffen Rüth.
Auch wenn er es sich für diese Aufnahme betont lässig auf dem Sofa bequem gemacht hat: Rod Stewart weiß, dass er mit 73 nicht mehr der Jüngste ist. Aber der Rocksänger hält sich fit und hat gerade sein 30. Studioalbum herausgebracht. Auch wenn er es sich für diese Aufnahme betont lässig auf dem Sofa bequem gemacht hat: Rod Stewart weiß, dass er mit 73 nicht mehr der Jüngste ist. Aber der Rocksänger hält sich fit und hat gerade sein 30. Studioalbum herausgebracht.

Mr. Stewart, Sie dürfen sich seit zwei Jahren als „Sir Rod“ ansprechen lassen. Sind Sie stolz auf Ihren Ritterschlag?

ROD STEWART: Ja, verdammt stolz sogar. Mir bedeutet das eine Menge. Ich bin immer noch Rod, keine Frage, aber es war ein wunderbarer Tag. Ich hätte mir bloß gewünscht, meine Eltern hätten die Zeremonie noch erlebt. Aber es ist schon toll, wenn man mich in Hotels und bei öffentlichen Anlässen als „Sir Rod“ anspricht. Das hat was. Also, ich lache auch, aber es ist irgendwie schön. Mein Alltagsleben hat sich dadurch allerdings nicht verändert.

Hat ein Rod Stewart überhaupt einen Alltag?

STEWART: Natürlich hat er das. Ich war im Sommer mit Cyndi Lauper auf USA-Tournee, das ist natürlich irgendwo Routine, auch wenn es irre viel Spaß gemacht hat. Cyndi ist eine verrückte Nudel, ich liebe sie. Zwei Blonde auf großer Fahrt. Jetzt im Herbst geben wir noch weitere Konzerte.

Stichwort Spaß. „Blood Red Roses“ ist Ihr 30. Studioalbum. Hat man da eigentlich noch Lust, sich diese Mühe zu machen?

STEWART: Aber selbstverständlich. Ein Album aufzunehmen, ist für mich das reine Vergnügen. Sonst würde ich es auch nicht tun, warum sollte ich mich abrackern? Und ganz sicher ist es ein viel tollerer Job, als eine Straße zu teeren. Heute ist es besser als früher, ich habe mehr Freude dabei, auch weil ich nicht mehr monatelang im Aufnahmestudio hocken muss, was eine Tätigkeit ist, bei der für mich der Spaß tatsächlich auch mal aufhört. Wir arbeiten viel am Laptop, und wir schicken uns die Musik hin und her. Das läuft heute alles transatlantisch.

Transatlantisch?

STEWART: Ja, wir mailen Ideen hin und her, ich schreibe Texte, mein Co-Produzent fügt dann Schlagzeug und Bass und so weiter ein, man spart tierisch viel Zeit, das macht mich sehr froh. Billiger ist es auch noch, denn so musst du nicht die ganze Zeit für das Studio und für die Musiker bezahlen. Sondern wirklich nur dann, wenn du sie brauchst.

Dass die Zeit begrenzt ist, thematisieren Sie im Song „Farewell“. Von wem nehmen Sie darin Abschied?

STEWART: Von einem engen Freund, er hieß Ewan Dawson. Sein Sohn lebt in Deutschland. Wir wuchsen damals zusammen auf, wir waren sehr eng verbunden. Ich bewunderte Ewan, er hatte einen wundervollen Humor. Ronnie Wood kannte ihn auch sehr gut. Er starb vor drei Jahren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Song über ihn schreiben würde, das war kein nagendes Bedürfnis, aber plötzlich hatte ich die richtige Musik und schrieb dazu diesen Text.

Denken Sie auch an Ihre eigene Sterblichkeit?

STEWART: Natürlich, muss ja. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das betrifft mich nicht. Ich habe keine Angst vor dem Sterben, der Gedanke besorgt mich nicht übermäßig. Nur zu bald sollte es noch nicht passieren. Ich tue auch alles, was ich kann, um mich vom Grab fernzuhalten.

Was denn?

STEWART: Ich gehe zum Arzt. Ich lasse mich regelmäßig untersuchen. Ich denke, Männer sollten die Fortschritte in der Medizin, die wir heute haben, auch wirklich nutzen. Ich lasse meine Prostata testen, ich habe eine Darmspiegelung gemacht, auch die Magenspiegelung mit der Kamera durch den Hals, die wirklich übel ist. Aber wenn du da raus gehst und weißt, dass alles in Ordnung ist, das ist toll. Lebertest, Nierentest, alles ist wichtig.

Auf der einen Seite wirken Sie recht weise, wenn es um das Leben und die Lektionen des Lebens geht. Auf der anderen Seite haben Sie diese zutiefst jungenhafte Aura. Ist das etwas, das Sie pflegen?

STEWART: Ich arbeite da jetzt nicht aktiv dran, aber es stimmt wohl, so komme ich rüber. Ich denke, dieses Business, in dem ich mich bewege, es hält dich nicht unbedingt körperlich frisch, aber es hilft dir, mental jugendlich zu bleiben. Weil ich liebe, was ich tue. Meine Band ist jung, meine Kinder sind jung, meine Frau ist jung. Vielleicht steckt das auch in meiner DNA.

Können Sie sich vorstellen, alt zu sein?

STEWART: Aber ich bin doch alt! Dieses Knie ist kaputt, deshalb kann ich nicht mehr gescheit Fußball spielen. Ich fühle mich schon gut, ich trainiere viel, halte mich fit, esse vernünftig. Ich trinke allerdings zu viel, das ist noch mein Untergang.

Wirklich?

STEWART: Ich trinke zu viel Wein. Ich liebe Wein. Ich bringe es nicht übers Herz, in einem schönen Restaurant lecker zu essen und Wasser dazu zu trinken. Da gehört einfach ein Glas Wein dazu.

Hatten Sie den Alkohol immer im Griff?

STEWART: Ich bin nie unter die Räder gekommen. Das hielt sich immer im Rahmen. Ganz ehrlich: Wenn ich zu viel saufe, dann falle ich einfach um. Ich trinke gerne so ein bisschen, da merke ich auch nichts von. Aber ich gebe mir nie komplett die Kante.

Die Single „Didn’t I“ dreht sich um Drogenprobleme. Worum geht es genau?

STEWART: Ich singe aus Elternsicht über die Nöte und Sorgen, die man mit drogenabhängigen Teenagerkindern hat.

Was hat Sie gerade zu diesem Thema bewogen?

STEWART: Weiß ich gar nicht. Ich setze mich nicht groß hin und überlege „So, jetzt schreibe ich über Drogensucht aus Sicht der Eltern“. Das hat mich einfach interessiert. Man bekommt ja mit, wie sie sich verändern, sich anders verhalten, anders sprechen, sogar anders gehen. Und du sitzt da und denkst „Was passiert hier?“ Wie alle meine Songs ist auch dieser aber einfach zu mir gekommen.

Über „Look In Her Eyes“ sagen Sie, das Lied erzähle eine moralische Geschichte. Welche genau?

STEWART: Zu meinen Zeiten ging es zwischen Mädchen und Jungs lockerer zu als heute, auch ruppiger und ein bisschen direkter. Heute hat sich das sehr verändert, wir Männer müssen aufpassen wegen dieser „#MeToo“-Bewegung, die längst überfällig war. Wir können uns nicht länger einen hinter die Binde kippen und in der Kneipe die nächste Frau bespringen.

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