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Klassik-Konzert: Royale Eleganz: Das Koninklijk Concertgebouworkest in Frankfurt

Daniele Gatti gibt als neuer Chefdirigent der Amsterdamer ein nobles Frankfurt-Debüt. Unter seinen pointierten Händen spielte es in der Alten Oper Verschollenes und Verfolgtes.
Chefdirigent Daniele Gatti mit seinem Orchester bei seinem Konzert in Frankfurt. Foto: Achim Reissner Chefdirigent Daniele Gatti mit seinem Orchester bei seinem Konzert in Frankfurt.
Frankfurt. 

Gustav Mahler selbst bezeichnete zwei Jahre nach der Uraufführung seine vierte Symphonie als „verfolgtes Stiefkind, das bis jetzt noch wenig Freude auf der Welt erlebt“ habe. Warum? Weil „Humor dieser Sorte selbst von den Besten oft nicht erkannt wird.“ In der Tat ist seine Vierte in ihrer Munterkeit ein Solitär, vergleicht man sie vor allen mit seinen monumental auftrumpfenden ersten drei Symphonien.

Schon das Schellengeklingel des Anfangs wirkt reichlich naiv, ebenso das rätselhafte, nach lichtem Urzustand suchende Scherzo, generell aber der doppelte Boden des Unheimlich-Erschreckenden und schließlich das sechs Jahre zuvor komponierte Liedfinale. Daniele Gattis zupackendes Dirigat betonte im ersten Satz die „Narrenschellen“ (Adorno), fokussierte auf die schneidenden Holzbläser und kredenzte das ironisch verspielte, Haydn-artige Thema der ersten Violinen mit raffinierter Überdrehtheit. Die flugs für die erkrankte Julia Kleiter eingesprungene Miah Persson präsentierte den Liedschluss „Das himmlische Leben“ aus Brentanos Wunderhorn-Sammlung mit klarem Sopran, weicher Intonation und der gebotenen paradiesischen Naivität. Sanft und zurückhaltend begleitete Gatti das Koninklijk Concertgebouworkest dazu und ließ das Werk mit tiefen Kontrabassklängen „morendo“ („ersterbend“) ausklingen.

Apropos Joseph Haydn: Bereits vor der Pause brillierten die Königlichen in kleiner Besetzung mit einem Konzert des Niederösterreichers, das bis Anfang der 60er Jahre fast zwei Jahrhunderte lang auf Schloss Radenín in Südböhmen Staub angesetzt hatte: sein C-Dur-Cellokonzert. Seit drei Jahren haben die Amsterdamer mit Tatjana Vassiljeva eine warmherzig weich intonierende Solocellistin in ihren Reihen, die mit weit schwingendem Bogen das lyrisch-kantable des Konzerts unterstrich. Gatti nahm sich und das Orchester angenehm zurück, dirigierte ohne Taktstock, dafür mit eleganter Noblesse.

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